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Kölner Gastro-Institution„Ouzeria“ am Brüsseler Platz schließt nach 22 Jahren – Nachfolger steht fest

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Maria Karpathiotaki (2.v.r.) und Nikos Kasotakis (2.v.l.) haben die Ouzeria am Brüsseler Platz von ihren Eltern Georgios Karpathiotakis (r.) und Angeliki Voulgaropoulou (l.) 2020 übernommen (Archivfoto)

Maria Karpathiotaki (2.v.r.) und Nikos Kasotakis (2.v.l.) haben die Ouzeria am Brüsseler Platz von ihren Eltern Georgios Karpathiotakis (r.) und Angeliki Voulgaropoulou (l.) 2020 übernommen (Archivfoto)

Ein Stück Griechenland geht dem Brüsseler Platz verloren: Am 1. April übernimmt der neue Betreiber das Lokal.

Eine Kölner Gastro-Institution verabschiedet sich. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ erfuhr, macht das griechische Lokal „Ouzeria“ am Brüsseler Platz zum 1. April zu. Der 31. März ist der letzte Tag. Einen Nachfolger gibt es bereits. Das teilt Ouzeria-Gründer und Wirt Georgios Karpathiotakis auf Nachfrage mit. Seit 2020 führt seine Tochter Maria Karpathiotaki die Geschicke im Restaurant.

„Aus familiären Gründen sind wir gezwungen, den Laden zu verkaufen. Meine Tochter wird zurück nach Kreta, wo sie vorher gelebt hat. Und meine Frau und ich können das Restaurant nicht allein weiterbetreiben. Wir sind sehr traurig, aber wir haben keine andere Wahl“, sagt der 62-Jährige, der das Lokal 2020 im Zuge der Pandemie an seine Tochter und den Chefkoch Nikos Kasotakis übergeben hatte. Bis 2018 betrieben Karpathiotakis und seine Frau auch das benachbarte Lokal „Candia“, das sie 2018 schließen mussten.

Innensicht Ouzeria

Die Ouzeria am Brüsseler Platz (Archivbild)

Ouzeria am Brüsseler Platz in Köln: Von einfacher griechischer Küche zu Fine Dining

In den vergangenen Jahren hat sich die Ouzeria immer mehr zu einem Fine-Dining-Restaurant entwickelt. Carsten Henn, Gastrokritiker des „Kölner Stadt-Anzeiger“, kürte es infolge des Generationenwechsels 2022 zum Kölner Restaurant des Jahres. Er schrieb: „Das Hauptaugenmerk liegt hier auf modernisierten Klassikern der mediterranen Tapas-Küche – wobei auch einige Hauptgerichte angeboten werden.“ Seit der Übernahme durch die Tochter habe „hier ein steter Wandel eingesetzt, immer mehr traditionelle Gerichte wurden ebenso pfiffig wie köstlich weiterentwickelt“.

Alles habe mit einer einfachen Idee begonnen, sagt Gründer Karpathiotakis, der seit 35 Jahren in Köln lebt. „Wir haben das Lokal seit 2004, seit 2008 heißt es Ouzeria. Wir hatten eine kleine Küche und viele Hoffnungen.“ Das Ehepaar habe „ein kleines Stück Griechenland und mediterrane Gastfreundschaft nach Köln bringen wollen“.

Nicht die Auszeichnungen seien das Wichtigste, sondern die Gäste. „Aus Gästen wurden Freunde und wir haben viele schöne Erinnerungen an schöne Abende hier.“ Für die „unvergessliche Zeit“ möchte sich der Wirt bei den Gästen bedanken. „Das Einzige, was wir mitnehmen können, sind die Geschichten, die an den Tischen mit ihnen entstanden sind.“ Bis zum 31. März hat das Lokal normal geöffnet. „Wir würden uns freuen, wenn wir unsere Stammgäste verabschieden könnten“, so der 62-Jährige.

Ab dem 1. April übernimmt ein junger Koch die Geschicke: Jakob Erdsiek, der das Catering „Dinner & Disco“ betreibt und Ende 2025 beispielsweise ein dreimonatiges Pop-up mit frischer Pasta im Lokal „Die Bredouille“ an der Venloer Straße geführt hat. Name und Karte werden sich mit dem Nachfolger ändern, sagt Karpathiotakis. Dem Brüsseler Platz bleibe er jedoch privat erhalten. „Wir leben seit 1991 hier am Brüsseler Platz. Es ist ein wunderschöner Ort und unser Zuhause. Wir haben hier drei Kinder bekommen und großgezogen.“

Ouzeria Köln: Gründer findet Alkoholverbot am Brüsseler Platz „ungerecht“

Er habe die Entwicklungen rundum den Platz vom ruhigen Wohnort zum nächtlichen Feierhotspot mitverfolgt. „Ja, ein paar Abende im Jahr wurde es übertrieben, es war zu laut. Aber so ist das Leben. Wir sind aus Kreta und sind an die lebendige Atmosphäre gewöhnt. Uns stört das nicht.“ Die Terrasse in der Ouzeria hätte zuletzt unter den getroffenen Maßnahmen gelitten.

„Ab 21 Uhr dürfen wir kein Alkohol mehr anbieten, im Sommer ist es da noch hell und 100 Meter weiter an der Aachener Straße ist den Lokalen noch Rambazamba bis 3 oder 4 Uhr nachts.“ Das sei schädlich für den Umsatz und „ungerecht“. Die Gäste, die die Ouzeria seit dem Umstieg auf Fine Dining aufsuchen, bevorzugten zwar die Innenplätze. „Aber die anderen Lokale hier am Platz leben von der Terrasse. Das ist betrieblicher Selbstmord, wenn man sagt, um kurz vor 9 ist letzte Runde.“