Yvonne Eckhardt fühlt sich als Fußgängerin in einigen Bereichen gefährdet. Der Stadt wirft sie Untätigkeit vor.
Gefahr durch Lastenräder„Die fahren haarscharf an dir vorbei“ – Kölnerin kritisiert Radfahrer in Sülz

Yvonne Eckhardt
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Zu den gefährlichen Bereichen Kölns zählen aus Sicht der Frau, mit der ich heute Kaffee trinke, zunehmend auch Gebiete, die eigentlich der Naherholung dienen. Yvonne Eckhardt nennt als Beispiel den Beethovenpark, wo ein entspanntes Spazierengehen ihrer Meinung nach kaum noch möglich ist.
„Ich bin hauptsächlich zu Fuß unterwegs“, sagt die 70-Jährige und berichtet verärgert über das, was sie in Grünanlagen und auch auf Bürgersteigen immer öfter erlebt: Fahrradfahrer, die zu bestimmten Uhrzeiten „in einer abartigen Geschwindigkeit haarscharf an einem vorbeifahren; oder dann, wenn sie klingeln, um einen zu warnen, erwarten, dass man auf der Stelle zur Seite springt“.
„Seit wann beobachten Sie das?“, frage ich. Ihrem Eindruck nach sind die Zweiradfahrer „in den letzten fünf, sechs Jahren rücksichtsloser“ geworden.
Baustellen als Nadelöhre
Als Fahrradfahrerin, was sie selbst auch sei, erwarte sie von Autofahrern die vorgeschriebenen anderthalb Meter Abstand. Diesen Abstand wünscht sich die Kölnerin jedoch auch zu Verkehrsteilnehmern, „die keine Knautschzone“ haben und durch die schweren, durch E-Motor betriebenen Lastenräder besonders gefährdet seien.
Besonders kritisch wird es in Eckhardts Augen dann, wenn Fußgänger und Radfahrer sich beispielsweise an Baustellen einen schmalen Streifen teilen müssen, wie das derzeit vor dem Gebäude der ehemaligen Pumpenfabrik auf der Berrenrather Straße der Fall sei.
Sie wohne ganz in der Nähe und habe bereits mehrere Unfälle oder Fast-Unfälle beobachtet, insbesondere wenn breitere Transport-Zweiräder dieses Nadelöhr passierten. Eltern von Grundschulkindern seien nicht überbehütend, wenn sie ihren Kids den Schulweg nicht alleine zutrauten, sondern sie könnten – so Eckhardt – sie gar nicht guten Gewissens alleine losschicken, weil die Kinder überall Gefahrenstellen passieren müssten.
Verkehrsmanagement? „Inzwischen glaube ich, die gibt es gar nicht“
„Es braucht keine Baustellen, um von Gefährdungssituationen zu sprechen“, sage ich. „Nehmen wir nur mal den Sülzgürtel, wo die Markierung des Fahrradwegs streckenweise derart verwittert und verblasst ist, dass man die Abtrennung kaum erkennen kann. Für Ortsfremde – wie etwa die Gäste des neuen Day8Hotels, die ahnungslos auf den Bürgersteig treten – eine echte Gefahr.“
Eckhardt stimmt mir zu. Sie ärgere sich, sagt sie, nicht nur über die Gefahrenpunkte als solche, sondern auch über den Umgang damit seitens der Stadt. Hinsichtlich der Baustelle in ihrer Nähe habe sie sich teils mehrfach an Polizei, Ordnungsamt und Fußverkehrsbeauftragte gewandt und sei jeweils an das Verkehrsmanagement verwiesen worden, das jedoch weder auf Mails noch auf Anrufe reagiert habe. „Inzwischen glaube ich, die gibt es gar nicht.“
Keine Rechtsgeh-Pflicht für Fußgänger
Im Grunde würde sich die Kölnerin etwas Vergleichbares wie die für Bereiche der Innenstadt angedachten „Protected Bike Lanes“ für Fußgänger wünschen. Abtrennungen, die ein gefahrloses Laufen ermöglichen. Außerdem fragt sie sich, weshalb in Grünanlagen wie Beethovenpark, Stadtwald oder dem Bereich um den Decksteiner Weiher nicht wenigstens ein von mehreren parallel verlaufenden Wegen ausschließlich Spaziergängern vorbehalten bleiben könne. Stattdessen müsse man wirklich auf jeder Strecke damit rechnen, von E-Lastenrädern, E-Scootern oder – immer öfter auch – motorisierten Fatbikes überrollt zu werden.
Aufgrund der in ihren Augen zunehmenden Zahl an Fahrradfahrern, die rücksichtslos oder verkehrswidrig unterwegs seien, setze sie sich selbst seit anderthalb Jahren nicht mehr aufs Rad, um in die Innenstadt zu kommen. Aber sie wolle in Zukunft wenigstens weitgehend gefahrlos laufen können und dabei nicht ständig über die Schulter nach hinten schauen müssen. Unlängst sei sie mit ihrer Enkelin unterwegs gewesen, da sei einer angebraust gekommen und habe „Rechts gehen!“ geschrien. Dabei gebe es für Fußgänger überhaupt keine Rechtsgeh-Pflicht.
„Ich habe nichts gegen Fahrräder!“, betont Eckhardt. „Auch nichts gegen Lastenräder. Man kann damit ja vernünftig fahren. Aber wenn ich im Park bin, sehe ich das nicht. Die fahren – auch mit Kindern beladen – haarscharf an dir vorbei und denken wahrscheinlich: diese blöden alten Weiber…“



