Vor zehn Jahren spendete Rainer Kitz vier Bäume für die Stadt. Nachdem ein Baum zerstört wurde, bleibt ein Ersatz aus. Sehr zum Ärger des Spenders.
Baumspender verärgertStadt Köln ersetzt zerstörten Baum mit Verzögerung

An der Markierung fehlt der Spendenbaum, der durch einen Autofahrer 2024 zerstört wurde.
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Die Kölner Grünstiftung wirbt auf ihrer Webseite für die Aktion „1000 Bäume für die Stadt“ mit einem besonderen Versprechen: „Werden Sie Grünstifter zum besonderen Anlass – Gutes tun für Köln: Mit ‚Spende statt Geschenke‘ machen Sie sich selbst und vielen anderen ein besonderes Geschenk.“ Ziel der Initiative ist es, die historischen Kölner Grünanlagen nachhaltig zu stärken und das städtische Klima zu verbessern.
Genau dieser Aufruf inspirierte Rainer Kitz mit Blick auf seinen 60. Geburtstag. Statt klassischer Präsente bat er seine Gäste im November 2016 um Spenden für die Initiative. Insgesamt kamen 2.400 Euro zusammen. Die Kölner Grünstiftung, die bei der Aktion lediglich als Vermittlerin auftritt, kontaktierte das städtische Grünflächenamt, das für Pflanzung und Pflege der Bäume zuständig ist.
Vier Bäume wurden in Lindenthal und Ehrenfeld gepflanzt
Zeitnah wurden vier Spenderbäume gepflanzt – am Neptunbad, an der Palanter-, an der Grafenwerth- und an der Gleueler Straße. Die jungen Bäume wuchsen gut, die heißen Sommer überstanden sie dank der privaten Gießaktionen. „Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, fahre ich immer gern eine Runde an meinen vier Bäumen vorbei und dokumentiere sie. Für die Spender ist das immer ein persönlicher Bezug“, sagt Rainer Kitz.
Doch die Realität holte das Projekt Jahre später ein. Einer der Bäume, eine Linde, die an der Gleueler Straße stadtauswärts stand, wurde nach durch einen Verkehrsunfall zerstört. Der Vorfall wurde im Dezember 2024 polizeilich aufgenommen, der Verursacher ermittelt und der Schaden durch dessen Versicherung an das Grünflächenamt beglichen. Sowohl die Grünstiftung als auch Rainer Kitz informierten das Amt unmittelbar über den Vorfall und baten mit Hinweis auf die Schadensregulierung um eine zeitnahe Ersatzpflanzung. Doch eineinhalb Jahre später lässt ein Ersatzbaum weiter auf sich warten.
Spender Rainer Kitz ist verärgert: „Das Geld wurde damals in gutem Glauben gesammelt – 40 Gäste haben zu meinem Geburtstag für vier Bäume gespendet. Natürlich fragen die Leute nach zehn Jahren: Was ist eigentlich aus den Bäumen geworden?“ Viele der Unterstützer kommen aus Heidelberg oder dem Breisgau. „Sie haben sich bewusst für das Kölner Grün engagiert und fanden die Idee gut. Ich habe damals sogar einen Vortrag gehalten, wie sinnvoll diese Aktion ist.“ Heute müsse er ihnen erklären, dass einer der Bäume verschwunden ist und ein Ersatz bislang ausbleibt. „Das ist mir ehrlich gesagt peinlich. So ein privates, gesellschaftliches Engagement wird hier einfach ignoriert.“
Auf Nachfrage dieser Zeitung beim Grünflächenamt der Stadt Köln heißt es, ein Spenderbaum werde nach acht Standjahren wie eine reguläre Ersatzpflanzung behandelt. Als der zuständige Mitarbeiter von dem Schaden erfuhr, sei die Planung für die Pflanzsaison 2025/26 bereits abgeschlossen gewesen. Im Stadtteil Lindenthal gebe es zudem mehr Fehlstellen als mögliche Ersatzpflanzungen pro Jahr, daher könne es zwei bis drei Jahre dauern, bis ein Ersatzbaum gepflanzt werde. Für Kitz ist das nicht nur eine organisatorische, sondern auch eine emotionale Frage: „Ein gemeinschaftlich finanziertes Projekt ist teilweise verloren gegangen, ohne dass zeitnah für Ersatz gesorgt wird, obwohl die Finanzierung aus der Versicherungssumme gedeckt und das Geld bei der Stadt eingegangen ist.“
Bürgerengagement wird von der Stadt nicht geschätzt
Entsprechend deutlich fällt seine Kritik aus: „Ich bin wirklich verärgert, wie die Stadt mit von der Grünstiftung gesammelten Spenden umgeht. So darf das nicht laufen. Die Nachhaltigkeit ist aus meiner Sicht nicht gewährleistet.“ Als Spender erwarte er einen anderen Umgang mit privaten Geldern: „Wir haben mit 40 Menschen Geld für vier Bäume gesammelt – und nun ist einer weg, Ersatz in weiter Ferne, obwohl das Geld vorhanden ist. Wenn die Stadt wirklich ‚grünes Köln‘ sein will, muss sie zeigen, dass sie Spenden und Bürgerengagement ernst nimmt. Ich spende so einen Baum in der Hoffnung, dass er mindestens eine Generation übersteht – und nicht nach acht Jahren einfach verschwunden ist und niemand sich ernsthaft um raschen Ersatz kümmert.“

