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Space Shuttle in KölnAls 300.000 Menschen zum Flughafen Köln/Bonn pilgerten

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Space Shuttle „Enterprise“ in Köln/Bonn

Das Space Shuttle „Enterprise“ flog zwar nie ins Weltall, aber es schaute einmal auf dem Flughafen Köln/Bonn vorbei. (Archivfoto 1983)

Im Jahr 1983 lockte das Space Shuttle „Enterprise“ Tausende Schaulustige nach Köln-Porz. Hinter diesem Besuch steckte aber auch ein Grund.

Der Flughafen Köln/Bonn (Konrad Adenauer) ist nicht nur ein wichtiges Drehkreuz für Passagiere und Fracht, sondern er hat auch ein bemerkenswertes Kapitel Luft- und Raumfahrtgeschichte zu erzählen. Der Flughafen im Porz-Grengel war tatsächlich einer von weltweit etwa 60 NASA-Notlandeplätze – die sogenannten Transoceanic Abort Landing (TAL)- und Contingency-Landing-Sites – und einer der wenigen in Deutschland.

Die ausgewiesene Notlandebahn des Space-Shuttle-Programms musste einige Bedingungen erfüllen: eine lange, belastbare Piste, die groß genug ist, um im Ernstfall ein Space Shuttle sicher aufnehmen zu können. Genau diese Kombination machte Köln/Bonn in den 1980er-Jahren interessant: 3815 Meter Bahnlänge, ein vergleichsweise unkomplizierter An- und Abflug sowie Luftraum-Korridore, die sich für Sonderflüge koordinieren ließen.

Tausende Kölnerinnen und Kölner strömten zum Flughafen Köln/Bonn

Ein spektakulärer Moment folgte im Jahr 1983, als die „Enterprise”, der Shuttle-Prototyp, der zwar nie ins All flog, aber für Tests genutzt wurde, in Köln/Bonn Station machte – auf dem Rücken einer umgebauten Boeing 747, dem sogenannten Shuttle Carrier Aircraft. Es war Teil einer großen Europatournee.

Das Space Shuttle „Enterprise” auf dem Rücken einer umgebauten Boeing 747.

Das Space Shuttle „Enterprise” auf dem Rücken einer umgebauten Boeing 747. (Archivfoto 1983)

Schon zum Anflug kamen Tausende Kölnerinnen und Kölner; an Pfingsten strömten über 300.000 Besucher in drei Tagen zum Flughafen, um das ungewöhnliche Gespann zu sehen. Die „Enterprise“ blieb mehrere Tage lang ausgestellt.

Space Shuttle macht Zwischenstopp in Köln/Bonn

Dieses Bild – Shuttle auf Jumbo-Jet – steht bis heute sinnbildlich für die Pionierzeit der Raumfahrt, als diese noch ein sichtbarer Teil des öffentlichen Lebens war und Großgeräte manchmal ganz handfest auf europäischen Flughäfen auftauchten.

Das Space Shuttle der NASA.

Hoher Besuch auf dem Flughafen Köln/Bonn: das Space Shuttle der NASA. (Archivfoto 1983)

Zwar musste letztlich kein einsatzfähiges Space Shuttle in Köln/Bonn notlanden. Doch die Rolle als potenzieller „Rettungsanker” zeigt, wie eng internationale Raumfahrt und klassische Infrastruktur zusammenhängen. Eine Mission endet nicht erst im All, sondern braucht am Boden verlässliche Notlandeplätze, klare Abläufe und Standorte, die im Ausnahmefall funktionieren.

Auch nach dem Zeitalter der Space Shuttles bleibt Köln/Bonn ein wichtiger Knotenpunkt in der europäischen Raumfahrtlandschaft – weniger als Bühne für spektakuläre Landungen, sondern als Teil eines Netzwerks aus Luftfahrt, Logistik, Technik und Institutionen, die Europas Raumfahrt am Laufen halten. Manchmal liegt Raumfahrt eben nicht nur in der Umlaufbahn, sondern auch ganz bodenständig auf einer langen Betonpiste am Rhein. (mbr)