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Kommentar

Drogenszene in Köln
Kreislauf der Elends-Verwaltung muss durchbrochen werden

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2 min
Der Friesenplatz ist wegen der dortigen Drogenszene erneut in den Blickpunkt geraten.

Der Friesenplatz ist wegen der dortigen Drogenszene erneut in den Blickpunkt geraten.

Beschwerden, Vertreibung und immer neuen Hotspots der Drogenszene sind ein beständiges Muster in Köln und verdeutlichen ein drogen- und sozialpolitisches Versagen der Stadt. So darf es nicht weiter gehen.

Anwohner und Geschäftsleute beschweren sich über offene Drogendeals, über Spritzen, Blut und Kot vor ihrer Haustür. Polizei und Ordnungsamt erhöhen mit erheblichem Aufwand ihre Präsenz. Die unter Dauerdruck geratene Szene weicht aus – in ein anderes Viertel, an einen anderen Platz, vor die nächste Haustür. Und dann beginnt alles von vorn.

Dieser Kreislauf der Elendsverwaltung prägt seit Jahren den Umgang mit der harten Drogenszene in Köln. Er muss endlich durchbrochen werden. Denn unter der aktuellen Lage leiden alle: Anwohner und Gewerbetreibende, die sich in ihrem eigenen Umfeld nicht mehr sicher fühlen; Einsatzkräfte von Polizei und Ordnungsamt, deren Aufgabe einer Sisyphusarbeit gleicht; und suchtkranke Menschen, die durch die halbe Stadt getrieben werden, ohne dass sich an ihrer Lage etwas Grundsätzliches ändert.

Vertrauen in die Verwaltung geht verloren

Durch die Verbreitung von Crack hat sich die Situation noch einmal verschärft. Diese Droge macht extrem schnell abhängig, der körperliche und psychische Verfall sind oft brutal sichtbar. Wer derzeit über den Friesenplatz, den Neumarkt oder andere Treffpunkte der Szene läuft, sieht deshalb nicht nur individuelles Elend, sondern auch drogen- und sozialpolitisches Versagen der Stadt Köln.

Eigentlich sind sich längst alle einig, dass es so nicht weitergehen kann. Auch Oberbürgermeister Torsten Burmester hat im Wahlkampf mehrfach angekündigt, schnellstmöglich für eine dauerhafte Lösung sorgen zu wollen. Umso frustrierender ist es, dass sich die Einrichtung des geplanten Hilfszentrums im Pantaleonsviertel mindestens bis August 2027 verzögert. Dass der Drogenkonsumraum in Kalk, der längst einsatzbereit ist, noch immer nicht öffnen kann. Und dass das als dritter Standort geplante weitere Hilfszentrum in der Innenstadt noch in deutlich weiterer Ferne liegt.

Es ist verständlich, dass die Stadt ein so umstrittenes und teures Hilfszentrum, wie es im Pantaleonsviertel entstehen soll, sorgfältig plant. Nur wenn es wirklich funktioniert, kann es die Lage an den Szeneplätzen entlasten und Akzeptanz in der unmittelbaren Nachbarschaft gewinnen. Aber OB Burmester muss sich an seinen Worten messen lassen und schnellstmöglich spürbare Fortschritte liefern. Denn je länger sich der Kreislauf der Elendsverwaltung weiterdreht, desto mehr schwindet bei Anwohnern und Geschäftsleuten am Neumarkt, am Friesenplatz und an anderen Szenetreffpunkten das Vertrauen, dass die Stadt die Lage noch in den Griff bekommt.