Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) wollte das Angebot, das helfen soll, den Drogenhandel zu verdrängen, eigentlich schneller haben.
Kosten von 8,7 Millionen EuroNeues Kölner Suchthilfezentrum kommt doch erst im August 2027

Das neue Suchthilfezentrum in der Kölner Innenstadt entsteht auf einer Grünfläche am Perlengraben (Bildmitte).
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Die Stadt Köln will sich kurzfristig in der Ratssitzung am 12. Mai von der Politik absegnen lassen, mit dem Bau eines neuen Suchthilfezentrums in der Kölner Innenstadt zu beginnen. Den Beschluss sollen die Ratsmitglieder per Dringlichkeitsentscheidung treffen. Aufgrund der „aufwendigen verwaltungsinternen Abstimmung“ sei es erst jetzt möglich gewesen, die Vorlage einzubringen, teilte das Gesundheitsdezernat am Freitag mit. Die Vorplanung hatte der Stadtrat im Februar dieses Jahres beschlossen. „Ich bin froh, dass der Rat nach dem Planungsbeschluss nun auch den Baubeschluss fassen wird und wir das Zentrum damit schnellstmöglich eröffnen können“, sagte Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) am Freitag.
Stadt Köln plant mit Totalunternehmer
Eine schnelle Entscheidung bedeutet allerdings nicht, dass die Stadt Köln das Suchthilfezentrum im Pantaleonsviertel jetzt auch schnell eröffnen wird. Eine Fertigstellung ist frühestens für das zweite Quartal 2027 zu erwarten. Die Stadt hat die Personalkosten ab August 2027 angesetzt, vorher ist mit einer Eröffnung also nicht zu rechnen. Damit dauert die Umsetzung deutlich länger, als Burmester zunächst erwartet hatte. „Eine Interimslösung wäre innerhalb von Monaten realisierbar. Und das muss auch zeitnah geschehen, weil wir den Neumarkt und die Anwohner dort entlasten, aber den suchtkranken Menschen gleichzeitig ein Hilfsangebot machen müssen“, sagte er im November 2025 im Gespräch mit dieser Redaktion.
Der Bau des neuen Suchthilfezentrums auf einer als Spielplatz ausgewiesenen Grünfläche zwischen Perlengarben und Wilhelm-Hoßdorf-Straße wird laut der Stadt rund 8,72 Millionen Euro kosten. Anstelle der städtischen Gebäudewirtschaft soll ein externer Totalunternehmer das Projekt übernehmen. Mit den Baukosten alleine ist es allerdings nicht getan. Auf die klamme Stadtkasse kommen für das Personal und den Betrieb pro Jahr laufende Kosten von rund zehn Millionen Euro zu. Den Betrieb wird ein externer Träger übernehmen.
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Diese Standorte für das Suchthilfezentrum hat die Stadt Köln untersucht.
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Alleine für das Leitungspersonal veranschlagt das Gesundheitsdezernat für das Jahr 2028 rund 630.000 Euro. Das Personal für den Drogenkonsumraum soll jährlich rund 1,8 Millionen Euro kosten, das für den sogenannten Kontaktladen rund 1,6 Millionen Euro. Die relativ hohen Summen sind darauf zurückzuführen, dass das Suchthilfezentrum an sieben Tagen pro Woche jeweils 24 Stunden lang geöffnet sein soll – also durchgängig, ohne jegliche Pause. Auf den Wachdienst entfallen jährlich etwas mehr als 900.000 Euro. Der Finanzplan ist allerdings nicht endgültig, teilte das Gesundheitsdezernat mit. Änderungen seien daher noch möglich.
Da für den bisherigen Drogenkonsumraum in der Lungengasse am Neumarkt (der mit Eröffnung des neuen Suchthilfezentrums schließen soll) lediglich rund drei Millionen Euro für Personal und Betrieb zur Verfügung stehen, fehlen der Stadt rund sieben Millionen Euro. Diesen Betrag sollen die Steuerzahler tragen. OB Burmester und der Stadtrat hatten den Hebesatz für die Grundsteuer B zum 1. Januar 2026 deutlich von bislang 475 Prozent auf 550 Prozent erhöht. Mit Mehreinnahmen will die Stadt das Suchthilfezentrum finanzieren.
„Die Verwaltung sucht darüber hinaus derzeit nach Fördermittelgebern beziehungsweise Spendern, um die Auswirkungen auf den städtischen Haushalt zu verringern“, heißt es in der Beschlussvorlage. Ob dafür möglicherweise auch Eigentümer von Immobilien am Neumarkt infrage kommen, die sich von dem Suchthilfezentrum eine Verbesserung der Lage am Drogenhotspot versprechen, ist unklar.
Kölner Polizei will hart durchgreifen
Für den zweigeschossigen Bau des Suchthilfezentrums hat sich die Stadt gegen Container entschieden. Als Grundlage werden stattdessen Modulbauten dienen, die einen längerfristigen Betrieb ermöglichen. Das Zentrum soll mindestens fünf bis zehn Jahre bestehen bleiben. Geplant ist außerdem ein umzäunter und sichtgeschützter Außenbereich mit Aufenthaltsfläche – dort sollen die Nutzerinnen und Nutzer Mikrohandel mit Drogen betreiben können. Außerhalb des Zentrums plant die Polizei hingegen hart durchzugreifen und jegliche Form des illegalen Drogenhandels zu unterbinden.
Der Zugang zu dem Zentrum soll für die schwerstabhängigen Nutzer ausschließlich über die Seite am Perlengraben möglich sein und nicht über die Seite der Wilhelm-Hoßdorf-Straße – dort befinden sich direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite Wohnhäuser. Nur für das Personal soll es dort einen zweiten Ein- und Ausgang geben. Während das Erdgeschoss den Empfang sowie die beiden Drogenkonsumräume – intravenös und inhalativ – beherbergt, wird sich im Obergeschoss der Kontaktladen mit Wasch- und Ruheraum, Kleiderkammer und Beratungsangeboten befinden. Toiletten werden auf beiden Etagen vorhanden sein.
Für Kritik seitens der Anwohnerinitiative IG Pantaleonsviertel hatte gesorgt, dass die Stadt Köln allen alternativen Standorten eine Absage erteilt hatte. Wie diese Redaktion berichtete, belegen interne Unterlagen, dass die Stadtverwaltung während der Prüfung ihre Suchkriterien geändert hatte. So wurde zunächst ein Neumarkt-naher Standort bevorzugt und später einer, der sich weiter davon entfernt befindet.
Die IG hat inzwischen auch den geplanten durchgängigen Betrieb des Suchthilfezentrums infrage gestellt. Mit Verweis auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Köln zu der Erweiterung einer Suchthilfepraxis in Bonn sei das bauplanungsrechtlich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht möglich, so die Argumentation der Initiative. „Sollte sich bestätigen, dass der 24-Stunden-Betrieb rechtlich nicht genehmigungsfähig ist, müsste der Rat vor weiteren Planungsschritten informiert werden“, sagte der IG-Vorsitzende Andreas Zittlau.
Die Stadt hat das auf Anfrage zurückgewiesen. Der 24/7-Betrieb gewährleiste eine durchgehende Betreuung von suchtkranken Personen innerhalb des Gebäudes, was mit dazu beitrage, die Auswirkungen auf Anwohnende so gering wie möglich zu halten, teilte eine Sprecherin mit. „Die Stadtverwaltung wird daher einen Bauantrag für einen 24/7-Betrieb stellen und geht nach gründlicher Prüfung davon aus, dass dies rechtssicher genehmigt wird und das Suchthilfezentrum wie beabsichtigt betrieben werden kann“, sagte sie.
Die IG Pantaleonsviertel hat die Absicht, sich am Dienstag, 28. April, um 19 Uhr in der Aula des Berufskollegs am Perlengraben 101 zu einer Informationsveranstaltung zu treffen und das weitere Vorgehen zu besprechen.

