Die 1879 gegründete Gewerbliche Fachschule war die älteste Vorgängereinrichtung der Technischen Hochschule Köln.
Köln früher und heuteWie die Gewerbliche Fachschule zur Zierde der Neustadt wurde

Die Gewerbliche Fachschule im Jahr 1906, 20 Jahre zuvor war das Gebäude am Salierring eröffnet worden.
Copyright: Köln auf alten Ansichtskarten
Ein kleiner Teil der Gewerblichen Fachschule kehrte vor 25 Jahren auf wundersame Weise zurück nach Köln. Bei einem Bauvorhaben in Essen wurde 2001 ein Portalstein gefunden, der einst zu dem gründerzeitlichen Gebäude am Salierring 32 gehörte. Das Fundstück zierte den Haupteingang und zeigte die Symbole der Fachrichtungen Baugewerk, Maschinenbau und Kunstgewerbe. Wie der Stein ins Ruhrgebiet kam, ist nicht bekannt. Ehemalige Bauschüler brachten ihn zurück nach Köln, wo die Technische Hochschule (TH) Köln heute gut auf ihn aufpasst.

Heute befindet sich auf dem Areal der Fachschule ein moderner Rundbau.
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Die 1879 gegründete Gewerbliche Fachschule der Stadt Köln war die älteste Vorgängereinrichtung der TH. Es war die Zeit der Industrialisierung, der Bedarf an praktisch ausgebildeten Fachkräften war enorm. Der Unterricht fand in mechanisch-technischen, bautechnischen und kunstgewerblichen Zweigen statt. Aus letzterer Abteilung entwickelten sich später die Kölner Werkschulen mit vielen erfolgreichen Absolventen wie Fotograf Chargesheimer, Künstlerin Rosemarie Trockel oder Karikaturist Walter Hanel.
Eines der frühesten repräsentativen Gebäude am Salierring
Zunächst war die Gewerbliche Fachschule am Kolumbakirchhof untergebracht, wo schnell der Platz knapp wurde. Maschinentechniker, Bautechniker und Kunsthandwerker sollten fortan in einem Neubau am Salierring 32 ausgebildet werden. Architekt Hermann Weyer wählte einfache Formen der deutschen Renaissance für die Ausbildungsstätte, die einer der frühesten repräsentativen Bauten überhaupt an der neuen Ringstraße war. Das Grundstück befand sich auf ehemaligem Festungsgelände, die Grundmauern ruhten zum Teil im alten Stadtgraben auf acht Meter tiefen Senkpfeilern. 1886 wurde Eröffnung gefeiert, die Presse lobte den Komplex als „Zierde der Neustadt“.
Das Eingangsgebäude am Salierring beherbergte unter anderem die Wohnungen des Direktors und des Hausmeisters. Erst dahinter erstreckte sich der größere Schulbau mit Zeichensälen, Lehrerzimmern und Modellsammlungen. Diese Anordnung der Baukörper war laut dem früheren Kölner Stadtkonservator Ulrich Krings bewusst gewählt, um die eigentliche Funktion des Neubaus zu verschleiern. Am Ring sollte die Schule wirken wie ein Wohnhaus und sich damit dem Charakter des Boulevards als repräsentativer Wohnstraße anpassen: „Man wollte keinen Fremdkörper in diesen Bereich“, so der Kunsthistoriker.
Der Zweite Weltkrieg verwandelte die Gewerbeschule in eine Ruine, ein Wiederaufbau fand nicht statt. Den heutigen Rundbau auf dem Grundstück hält Ulrich Krings für gelungen. Er zeige einen ähnlich kreativen Umgang mit dem dreieckigen Areal wie die Baumeister vor 140 Jahren.

