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Raketen in die MengeSchlägereien und Querschläger – So war der Jahreswechsel am Kölner Rheinufer

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31.12.2025: Menschen stehen gegen 23 Uhr am Kölner Rheinufer, das sich stetig füllt.

Menschen stehen gegen 23 Uhr am Kölner Rheinufer, das sich stetig füllt.

Das Kölner Rheinufer war in der Silvesternacht voll und verwandelte sich um Mitternacht in ein ohrenbetäubendes Inferno. Es gab gefährliche Szenen.

Tausende Menschen haben am Kölner Rheinufer das neue Jahr begrüßt. Während einige von der Deutzer Brücke aus den Blick auf das Feuerwerk genossen, kam es in der Menschenmasse zu gefährlichen Zwischenfällen.

Am Neujahrstag zog die für Köln und Leverkusen zuständige Polizei eine vorläufige Bilanz: Demnach erteilte sie in beiden Städten 86 Platzverweise und nahm 29 Personen in Gewahrsam. Sie leitete Ermittlungsverfahren ein, unter anderem wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie sexueller Belästigung.

Führerscheine sind weg

Zudem stellten die Beamten fünf Messer sicher. Vier Autofahrer mussten  wegen des Verdachts des Fahrens unter Alkohol- und/oder Betäubungsmitteleinfluss ihren Führerschein vor Ort abgeben.

Die Polizei teilte zur Lage in Köln mit: „Bereits vor Mitternacht kam es insbesondere im Bereich der Rheinuferpromenade sowie an den bekannten Feier-Hotspots rund um die Kölner Ringe und das Zülpicher Viertel zu einem hohen Besucheraufkommen. Nach dem Jahreswechsel nahm die Zahl der Feiernden dort jedoch rasch wieder ab.“

Polizisten mit Pyrotechnik beschossen

Und weiter: „Über die gesamte Nacht wurden der Polizei Vorfälle des missbräuchlichen Einsatzes von pyrotechnischen Gegenständen gemeldet. Dabei stellten die Einsatzkräfte mehrfach den Beschuss von Personen – darunter auch Polizisten – sowie von Fahrzeugen mit Feuerwerkskörpern fest. In allen Fällen leiteten die Beamten Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ein oder fertigten Ordnungswidrigkeitenanzeigen.“

Gegen 21.45 Uhr waren am Silvesterabend Menschen aus dem Hauptbahnhof Richtung Dom geströmt. Die Treppe zur Domplatte ist allerdings eingezäunt, nur zwei Zugänge ermöglichen den Zutritt. Rund um die Kathedrale ist Feuerwerk komplett verboten, am Rheinufer wie in der gesamten Altstadt bis zu den Ringen eingeschränkt: Nur Feuerwerkskörper mit Leuchtwirkung sind erlaubt, reine Böller dagegen nicht.

Böller unter Kölner Brücken gezündet

„Wo kommen die alle her?“, fragt sich ein Security-Mitarbeiter am Eingang der Verbotszone. Er sei auch in den vergangenen Jahren hier gewesen, da seien es weniger Menschen gewesen.

Die Polizei hat mehrere Lautsprecherwagen geparkt, immer wieder sind Durchsagen zu hören, die auf das Feuerwerksverbot hinweisen und die Menschen zum Weitergehen auffordern. Am Rheinufer zwischen Hohenzollernbrücke und Deutzer ist es vergleichsweise ruhig, wenn man von den immer wieder ertönenden Knallern absieht. Einige Leute scheinen das Anzünden von Feuerwerk als Zeitvertreib zu nutzen. Ab und an hallt ein dumpfer Schlag über das Wasser: Unter den Brückenbauwerken gezündet, knallen die Böller besonders laut.

Auf der Hohenzollernbrücke dürfen am Silvesterabend nur Züge passieren, die Deutzer Brücke ist in Fahrtrichtung Heumarkt bereits am Abend gesperrt worden. Trotzdem gelingt es einem Autofahrer gegen 23.20 Uhr, an der Absperrung vorbeizukommen. Langsam fährt er durch die Menschentraube auf der Fahrbahn. Zahlreiche Menschen säumen das Geländer, um sich einen guten Platz für das Feuerwerk zu sichern. Darunter ist auch Frank Töpper mit seiner Kamera. Er gibt Tipps für gute Bilder mit Feuerwerk vor dem Dom: „Ein Stativ ist wichtig, alternativ kann man auch das Brückengeländer nutzen. Die Iso bei 200, Blende bei 8 und eine lange Belichtungszeit“, erklärt der Deutzer.

Frank Töpper aus Köln-Deutz fotografiert mit seiner Kamera das Feuerwerk mit der Dom-Kulisse.

Frank Töpper aus Köln-Deutz fotografiert mit seiner Kamera das Feuerwerk mit der Dom-Kulisse.

Er sei zum ersten Mal an Silvester zum Fotografieren auf die Brücke gekommen, in den Jahren zuvor habe er am Rheinufer gestanden. „Ich habe mir diesen Platz gewünscht, gleich wird wohl ein bisschen gedrängelt.“ Angst um seine Kamera habe er nicht. „Das geht schon, es wollen alle ihren Spaß haben, deswegen bleibt es friedlich“, meint er.

Am Deutzer Kastell warnen zwei betrunkene Frauen ihre Freunde, mit dem Böllern einen Moment innezuhalten, denn es nähert sich ein Hund samt Herrchen. Dem Tier macht die Knallerei jedoch nichts aus. „Eragon ist ein Diensthund der Bundeswehr, er ist es von klein auf gewohnt“, sagt sein Besitzer, ehe die beiden sich auf den Rückweg zur Kaserne machen.

Viele Menschen am Kölner Rheinufer

In der Stunde vor Mitternacht füllen sich die beiden Rheinufer deutlich. Das Knallen der Feuerwerkskörper ist zur Dauer-Geräuschkulisse geworden. Die Menschen stehen dicht gedrängt um die Rasenflächen, die als Abschusszonen genutzt werden. Hier kommt es mehrfach zu gefährlichen Situationen: Zwei Heranwachsende zünden einen abgebrochenen Raketenkopf, werfen ihn in die Luft. Trotzdem explodiert der Feuerwerkskörper kurz über dem Boden. Ein Vierer-Trupp behelmter Polizisten bekommt das mit, die beiden Jungs kassieren eine Ermahnung.

Zwei Personen schießen sich am Kölner Rheinufer mit Feuerwerk ab.

Zwei Personen schießen sich am Kölner Rheinufer mit Feuerwerk ab.

Ein anderer Mann wirft seelenruhig Böller, die am Rheinufer eigentlich verboten sind, auf das Gras. Das Ordnungsamt ist nicht zu sehen, um das zu unterbinden, dabei ist er nicht der einzige, der Knallkörper an den Kontrollen vorbeigeschmuggelt hat. Einige Meter weiter steckt ein Mann eine Rakete in den Boden, sodass sie nicht abhebt. Erneut knallt es auf Kopfhöhe.

Raketen auf Menschen und Schlägerei am Rheinufer

Als das neue Jahr beginnt, ist das Rheinufer von einem ohrenbetäubenden Inferno erfüllt. Viele Menschen filmen das Feuerwerk mit ihren Smartphones, doch nicht alle können es genießen, in ihren Gesichtern liegt Anspannung. Am Wasserspielplatz fliegen Raketen in die Menge und explodieren, fünf bis sechsmal nacheinander. Kurz darauf bricht eine Schlägerei aus.

Schlägerei am Kölner Rheinufer in der Silvesternacht

Schlägerei am Kölner Rheinufer in der Silvesternacht

Die selbstbewusste Ankündigung der Polizei, Personen, die auf Menschen zielen, aus dem Verkehr zu ziehen, wird zur Farce. Die Trupps beobachten das Geschehen am Rand. Als sich die Schlägerei aufgelöst hat, bezieht eine Gruppe Beamtinnen und Beamten Stellung in der Menge, greift aber nicht ein – als befürchte sie, selbst zur Zielscheibe zu werden.

Jugendlicher feuert Rakete auf Rettungskräfte

Gegen 1 Uhr hat sich das Rheinufer größtenteils geleert. Polizei und Ordnungsamt begehen die Flächen wieder. Die städtischen Bediensteten beobachten, wie ein junger Mann eine Rakete in Richtung von Rettungskräften abfeuert – offenbar absichtlich. Es entsteht eine kurze Verfolgungsjagd, dann schneiden die Mitarbeitenden des Außendienstes den Jugendlichen den Weg ab und kontrollieren ihre Ausweise.

Auf der Deutzer Brücke haben derweil Autos auf der Fahrbahn angehalten, die Insassen wollen sich das Feuerwerk ansehen. Viele Menschen sind da schon weitergezogen, um den Jahreswechsel woanders weiterzufeiern.

Die Polizei sprach am frühen Morgen von einem hohen Einsatzaufkommen, konnte aber noch keine genauen Zahlen oder Einzelheiten nennen. Eine Bilanz von Polizei und Feuerwehr soll erst im Laufe des Vormittags vorliegen.