Abo

„Ein unglaublicher Typ“Kölner Gastronom über das besondere Verhältnis zu Guido Westerwelle

3 min
Guido Westerwelle war Stammgast bei Gastronom Claudio Pezzuto in Junkersdorf.

Guido Westerwelle war Stammgast bei Gastronom Claudio Pezzuto in Junkersdorf.

Claudio Pezzuto war der „Stamm-Italiener“ von Guido Westerwelle. Der Gastronom betreibt das Lokal Claudio in Junkersdorf und erinnert sich.

Ich habe schon viele Leute kennengelernt. Politiker, Promis, VIPs. Aber solche Menschen wie Guido Westerwelle gibt es nur sehr, sehr selten. Entschuldigen Sie, wenn ich es so salopp sage: Aber er war ein unglaublicher Typ. Ich erinnere mich gerne an sein Lachen, er war immer freundlich, auch zu den anderen Gästen.

Schlechte Laune? Das kannte man nicht von ihm. Er war fast jeden Tag hier, er wohnte ja nicht weit entfernt. Guido hatte mit Micky (Westerwelles Ehemann Michael Mronz, Anm. d. Red) eine Wohnung in Lindenthal.

Gastronom Claudio Pezzuto war der „Lieblings-Italiener“ von Guido Westerwelle

Es ging hier richtig familiär zu. Das liegt auch daran, dass mir Mickys Vater damals als Geschäftspartner geholfen hat, das Lokal hier aufzubauen. Er ist leider früh verstorben, war Architekt und hat auch zwei Bilder gemalt, die hier hängen. Guido hat ihn nicht mehr kennengelernt und wollte von mir wissen, wie sein Schwiegervater war. Wir hatten zusammen eine richtig gute Zeit.

Gastronom Claudio Pezzuto vor einem Bild in seinem Lokal, das der Vater von Guido Westerwelles Ehemann gemalt hat.

Gastronom Claudio Pezzuto vor einem Bild in seinem Lokal, das der Vater von Guido Westerwelles Ehemann gemalt hat.

Doch dann kam der Sommer 2014. Guido war zuvor auf Mallorca in Spanien gewesen und sah blendend aus: gut erholt, Dreitagebart. Aber ich habe sofort gemerkt, dass irgendwas nicht stimmte. Wir saßen mit Micky und Guidos Bruder Kai zusammen. Aber Guido war nicht mehr derselbe. Er wirkte in sich gekehrt, ernst. Sein herzliches Lachen war nicht mehr da. Ich habe nicht gefragt. Aber eine Woche später wusste ich, dass er diesen Blutkrebs hat.

Es muss irgendwann im Spätsommer 2014 gewesen sein: Ausgerechnet, als er mit der Bundeskanzlerin bei mir zu Mittag gegessen hat, klingelte sein Handy: Da teilte ihm Professor Hallek von der Uniklinik mit, dass man einen geeigneten Stammzellenspender gefunden habe. Da wirkte er natürlich erleichtert, auch Frau Merkel – übrigens eine klasse Frau, so ein Typ Schwiegermutter.

„Guido war ein Gourmet“

Die anschließende Therapie war sehr hart. Guido war ein Gourmet, er aß früher am liebsten Lamm-Carée, und wenn er mal zu Hause kochte, dann fragte er mich nach Tipps. Während der Therapie durfte er nicht mehr alles essen. Rohe Sachen waren tabu, die Gefahr von Keimen war zu groß. Später durfte er dann auch keine gewürzten Speisen mehr zu sich nehmen, noch nicht einmal mehr Salz.

Ich habe mich so gefreut für ihn, als er im Herbst 2015 in der Fernsehsendung bei Markus Lanz saß. Den Markus kenne ich noch aus alten RTL-Zeiten, als die noch hier an der Aachener Straße saßen. Da schien es, dass Guido den Krebs besiegt hatte. Doch im November ist diese Scheißkrankheit dann zurückgekommen.

Ein Mediziner hat mir hier im Lokal später mal erzählt, dass es viele Arten von Blutkrebs gibt. Und Guido hatte die schlimmste Form. Er hat dann körperlich sehr schnell abgebaut. Er kam rein, schaute mich an – es war schlimm, er wusste, dass er keine Chance hatte. Wir haben bis zuletzt nicht über die Krankheit oder den Tod gesprochen. Er hat sich wie immer ganz normal verabschiedet.

Aufgezeichnet von Jan Wördenweber