Der Zusammenschluss verschiedener Akteure wirbt für seine Argumente für ein „Nein“ zur Olympia-Bewerbung
Ratsbürgerentscheid OlympiaInitiative „Nolympia“ informiert auch auf Kölner Wochenmärkten

Kalle Gerigk von Obdachlose mit Zukunft, Helmut Röscheisen vom BUND Köln, der Lokalpolitiker Detjen und Jochen Stürznickel von Grannies und Parents for Future (v. l.).
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Die Initiative „Nolympia“, ein Zusammenschluss aus Verbänden und Privatpersonen, der in der Stadt für ein „Nein“ beim aktuell laufenden Ratsbürgerentscheid zur Kölner Olympiabewerbung wirbt, informiert in den kommenden Wochen auf Kölner Wochenmärkten über seine Position.
Gut 800.000 wahlberechtigte Kölnerinnen und Kölner sind aktuell aufgerufen, bis zum 19. April über die Frage abzustimmen, ob Köln sich an der Bewerbung der Region Rhein-Ruhr um die Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele 2036, 2040 oder 2044 beteiligen soll. Es handelt sich um eine reine Briefwahl, die Unterlagen hat die Stadt Köln in der vergangenen Woche verschickt. Über die Haltung des Oberbürgermeisters und der Fraktionen des Kölner Stadtrates wird in einer digitalen Broschüre auf der Internetseite der Stadt informiert.
Stadt Köln gibt 300.000 Euro für Olympia-Kampagne aus
„Wir kämpfen gegen eine Kampagne mit viel besseren Möglichkeiten“, sagte am Dienstag Miet-Aktivist Kalle Gerigk, der dem Bündnis mit dem Verein „Obdachlos mit Zukunft“ angehört. Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) hat für die Kampagne der Stadt zum Ratsbürgerentscheid 300.000 Euro zur Verfügung gestellt. Ein „starkes Stück“ sei das, sagte das ehemalige Ratsmitglied Jörg Detjen (Linke), „ganz ohne Haushaltsbeschluss“. Es gibt allerdings einen Beschluss des Stadtrates, dass die Verwaltung Kölns Beteiligung an der Rhein-Ruhr-Bewerbung vorantreiben soll. Und laut Kommunalverfassung sollen die Kommunalorgane bei einem Ratsbürgerentscheid eine Haltung haben und diese auch kundtun.
Das „Nolympia“-Bündnis will nun in den kommenden gut drei Wochen bis zur Auszählung der Stimmen am 19. April ab 18 Uhr in der Stadt für seine Argumente werben. Vorgesehen ist, auf Wochenmärkten dort Flyer zu verteilen, wo auch die Stadt Informationsstände geplant hat. Gerigk befürchtet, dass Menschen aus dem Stadtkern verdrängt werden würden, wenn Köln Olympische Spiele ausrichtet. Das, so Gerigk, passiere regelmäßig, zuletzt erst 2024 bei den Sommerspielen in Paris. Burmester hatte mehrfach versichert, dass er das in Köln anders handhaben wolle.
Helmut Röscheisen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert den Flächenverbrauch für Olympisches Dorf und Leichtathletikstadion – beides soll im Kölner Norden auf einem Areal entstehen, auf dem mit Kreuzfeld bereits die Entwicklung eines neuen Stadtteils beschlossen und geplant ist. Röscheisen moniert überdies die hohen Kosten, das bereits stark belastete Verkehrsnetz der Region, einen „drohenden Knebel-Vertrag“ mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und die hohe CO₂-Belastung durch Olympia.
Für Jochen Stürznickel von Grannies und Parents for Future Köln ließe sich eine Olympia-Ausrichtung nicht mit Kölns Klimazielen vereinbaren. Dem Kölner „Nolympia“-Bündnis haben sich außerdem die Grüne Jugend Köln, das Bündnis Verkehrswende Köln, die Naturfreunde Köln, das globalisierungskritische Netzwerk Attac und die Bürgerinitiative Grüngürtel für alle angeschlossen.

