Das Mobilitätsdezernat spricht von „einer von vielen Optionen“. Geschäftsleute zeigen sich irritiert und nennen die Idee „eindimensional“.
Auf der FahrbahnPlant die Stadt Köln neue Radwege auf der Dürener Straße?

Der Radweg auf der Dürener Straße befindet sich derzeit auf dem Bürgersteig.
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Die Dürener Straße in Lindenthal ist bekannt dafür, eine der am besten funktionierenden Einkaufsstraßen in Köln zu sein, und dafür, dass dort regelmäßig Lieferfahrzeuge mitten auf der Fahrbahn parken. Die Politik hatte das Mobilitätsdezernat deshalb beauftragt, sich Gedanken über neue Ladezonen zu machen.
In der Einladung zum Ortstermin kündigte ein Mitarbeiter des Amts für nachhaltige Mobilitätsentwicklung Ende Januar dieses Jahres dann aber nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ völlig unerwartet an, dass die Stadt Köln auf der Dürener Straße Radschutzstreifen einrichten wolle. Die Stadt Köln verfolge „das Ziel, die Fahrbahn frei von Ladeverkehr zu halten, um einen Schutzstreifen für den Radverkehr zu markieren und die Nebenanlagen künftig dem Fußverkehr vorzubehalten“, heißt es darin.
Dürener Straße ist 22 Meter breit
Diese Ankündigung sorgte bei den Eingeladenen für Irritation und Aufregung, denn, um auf der Fahrbahn Schutzstreifen für den Radverkehr einzurichten, mangelt es an Platz. Die Dürener Straße ist 22 Meter breit und verfügt je Richtung über eine Fahrspur. Am Rand gibt es Parkplätze, die von 30 Jahre alten Bäumen umfasst sind. Würde man dort eine zusätzliche Radspur einrichten, müssten diese gefällt werden. Würde man darauf verzichten und trotzdem Schutzstreifen für Radfahrer einrichten wollen, wäre ein Zweirichtungsverkehr für Autos nicht mehr möglich, die Dürener Straße müsste eine Einbahnstraße werden.
Ich finde es völlig fehl am Platze, uns so eine kurz gedachte und eindimensionale Idee zu präsentieren
„Ich finde es völlig fehl am Platze, uns so eine kurz gedachte und eindimensionale Idee zu präsentieren“, sagt Michael Spernat, Vorsitzender des Rings Lindenthaler Geschäftsleute. „Dem einen etwas wegzunehmen, um dem anderen etwas zu geben, so einfach geht das nicht.“ Für die Geschäftsleute seien alle Verkehrsteilnehmer gleich wichtig, ein Radstreifen auf der Fahrbahn der Dürener Straße sei aber ohne einen Komplettumbau unsinnig. „Und dafür ist gar kein Geld da“, sagt Spernat. Er erwarte, dass sich das Mobilitätsdezernat jetzt noch einmal genauer mit der Dürener Straße beschäftigt und dann kluge Lösungen entwickelt, die alle Anforderungen in Einklang bringen.
Bezirksbürgermeister Roland Schüler setzt auf kleine Schritte
Nach dem Ortstermin ist das Mobilitätsdezernat erst mal zurückgerudert, die Pläne für Radfahrstreifen sind aber nach wie vor existent. „Seitens der Verwaltung gibt es derzeit keine konkreten Planungen, einen Schutzstreifen auf der Fahrbahn umzusetzen“, teilte ein Stadtsprecher auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit. Man habe sich bei dem Ortstermin Anfang Februar darauf geeinigt, weitere Überlegungen im Rahmen des Arbeitskreises Dürener Straße der Bezirksvertretung Lindenthal zu führen. Ein Radfahrstreifen sei „nur eine von vielen Optionen“ – das Mobilitätsdezernat hat die Idee also keineswegs verworfen.
„Es wird auf der Dürener Straße keinen Schutzstreifen für den Radverkehr geben können“, sagt der Lindenthaler Bezirksbürgermeister Roland Schüler (Grüne). Das wäre aus seiner Sicht nur bei einem Komplettumbau der Straße möglich, der Millionen Euro kosten würde – Geld, das der Stadt Köln angesichts der prekären Haushaltslage gar nicht zur Verfügung stehe. „Und es kommt noch hinzu, dass man dann alle Bäume fällen müsste, das will doch niemand “, sagt Schüler.
Es sei auch nicht möglich, aus der Dürener Straße eine Einbahnstraße zu machen, wie die Stadt es auf der Venloer Straße in Ehrenfeld umgesetzt hat. Es gebe anders als dort keine für den Autoverkehr geeignete Parallelstraße, und auch die Busse müssten weiterhin in beide Richtungen fahren können. „Machbar wäre eine Fahrrad-Piktogrammkette, um die Autofahrer darauf hinzuweisen, dass die Fahrbahn auf der Dürener Straße für den Radverkehr freigegeben ist“, sagt Schüler. Viele Radfahrer nutzen bislang nach wie vor den Radweg direkt auf dem Bürgersteig, weil auch das weiterhin erlaubt ist.
Doch auch die Piktogramme wären keine schnelle Lösung. Das Mobilitätsdezernat testet diese Art der Markierung seit dem vergangenen Jahr auf der Odenthaler Straße in Dünnwald, der Mommsenstraße in Lindenthal und der Niehler Straße in Niehl. Erst wenn das Pilotprojekt erfolgreich sein sollte, will das Dezernat eine Erweiterung auf andere Straßen prüfen. „Wir müssen in kleinen Schritten vorankommen, und deshalb suchen wir jetzt erst einmal gemeinsam mit den Geschäftsleuten eine Lösung, um das Laden und Liefern neu zu regeln“, sagt Schüler.

