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Eine Chronik, viele AutorenBuch über die Geschichte Weidenpeschs vorgestellt

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Eine Frau und drei Männer stehen vor einer Leinwand.

Susanne Zimmermann, Eusebius Wirdeier, Jupp Rehbach und Alexander Hess (v.l.) präsentieren nach der Lesung das frisch erschienene Buch

Über Jahre hat das Team um Jupp Rehbach an seinem Buch „Von Merheim lrh. nach Weidenpesch“ gearbeitet. Nun stellten sie das Werk im voll besetzten Pfarrheim Heilig Kreuz vor.

Die Initialzündung, sich mit der Geschichte des Veedels zu beschäftigen, sei seine Zeit an der Florianschule gewesen, die er von 2001 bis 2012 leitete, erinnert sich Jupp Rehbach zurück. „Zuvor kannte ich den Stadtteil nur vom Durchfahren. Auch vielen weiteren, mit denen ich sprach, ging es so.“ Das einzig nennenswerte Werk zur Stadtteilgeschichte sei bis dahin ein 1981 zum 50-jährigen Bestehen der Kirche Heilig Kreuz erschienenes Buch gewesen.

„Wir freuen uns heute, Ihnen endlich unser Buch vorlegen zu können“, begrüßte er die rund 200 Gäste zur Premierenlesung im voll besetzten Saal des Pfarrheims Heilig Kreuz an der Kapuzinerstraße. „Viele hier im Saal haben mit Beiträgen, Fotos und Dokumenten dazu beigetragen, dass das Buch erscheinen konnte.“ Rund acht Jahre seit dem Aufruf zur Einsendung von Archivmaterial und einem ersten Zusammentreffen 2018 zum Einscannen von Bildern, haben die Arbeiten gedauert; nun ist es im Eigenverlag geschienen. „So ein Buch über Weidenpesch hat lange gefehlt, während es Chroniken über andere Veedel, etwa Nippes, schon gibt. So gesehen ist es der Beginn einer neuen Ära“, lobte die Nippeser Bezirksbürgermeisterin Diana Siebert.

Rasanter Wandel vom Bauerndorf zum Kölner Vorort

Das Buch behandelt auf 336 Seiten ausführlich die jahrhundertelange Ortsgeschichte, das Zusammenwachsen mit Köln mit der Anlage von Nordfriedhof, Rennbahn und Schienen-Hauptwerkstatt, die einzelnen Siedlungen, Industrie, Gewerbe und Einzelhandel, Feuerwehr, Kirchen, Vereine, Kultur, Sport und Jugendarbeit. „Das alte Merheim linksrheinisch war ein Bauerndorf, fernab der Stadt“, unterstrich Rehbach. Das habe sich seit der Eingemeindung grundlegend geändert, wo Weidenpesch viele Funktionen mit Bedeutung für ganz Köln übernahm.

Zusammen mit Alexander Hess, Eusebius Wirdeier und Pfarrerin Susanne Zimmermann, die neben den beiden früheren Feuerwehr-Leitern Stephan Neuhoff und Johannes Feyrer ebenfalls Beiträge beigesteuert haben, präsentierten sie auf der knapp zweistündigen Premierenlesung Auszüge des Buches. Eusebius Wirdeier zog im Alter von wenigen Monaten ins damalige Merheim linksrheinisch, das 1952 wegen häufiger Verwechslung mit dem rechtsrheinischen Merheim seinen heutigen Namen erhielt. Sein Vater Walter Wirdeier arbeitete bei den Glanzstoff-Werken und war dort Redakteur der Werkszeitschrift; viele seiner Fotos sind ins Buch eingegangen. „1956 waren wir in der Volksschule 49 Jungen; damals gab es noch getrennte Klassen“, erinnerte er sich. 

Viele Bausünden der Nachkriegszeit

Der Geograf Alexander Hess, Vorstandsmitglied des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz sowie bei Fortis Colonia, blickte in seinem Vortrag auf den alten Gutshof an der Ecke Kapuzinerstraße / Neusser Straße zurück, der später zum Fabrikgelände und dessen einstiger Wohnbau mit Turm ab 1930 als Postamt fungierte; nach dem Abbruch des Areals ab 1972 entstand die heutige Hochhaus-Wohnanlage.

Rehbachs Vortragsthema des Abends war natürlich die Florianschule. „Für das Ortsbild von Weidenpesch ist es eine Besonderheit, dass diese 1805 gegründete Schule nie einen anderen Standort gehabt hat“, betonte er. Zum Glück sei bei der Erweiterung der Schule ab 2005 das alte „Kükenhaus“ von 1874 erhalten geblieben, wofür  der Architekt mit Zähnen und Klauen gekämpft habe. Denn ansonsten sei das Erscheinungsbild von Weidenpesch an vielen Stellen durch Bausünden der Nachkriegszeit leider erheblich beeinträchtigt worden, beklagte Rehbach.


Das Buch „Von Merheim lrh. nach Weidenpesch – Ein Blick in die Geschichte des Kölner Stadtteils“ ist für 24,90 Euro in der Buchhandlung Eselsohr, der Buchhandlung Blücherstraße und dem Buchladen Neusser Straße erhältlich. Am Freitag, 27. März, findet ab 20 Uhr eine weitere Lesung in der Buchhandlung Blücherstraße 3 statt.

www.merheim-weidenpesch.de