Wegen eines Halal-Zertifikats in Kölner Filialen muss sich Lukas Podolskis Döner-Kette kritischen Fragen stellen.
Podolskis KetteKölner Mangal-Imbisse werben mit umstrittenem Halal-Label

Der Mangal-Imbiss am Zülpicher Platz (Archivbild)
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In mehreren Kölner Filialen der Döner-Kette Mangal wird damit geworben, dass die angebotenen Produkte „halal“ seien. Am Tresen von mindestens zwei Imbissen am Zülpicher Platz und am Hohenzollernring ist jeweils prominent am Tresen ein Aushang zu sehen, auf dem „Halal Zertifikat“ zu lesen ist. Bescheinigt wird, dass das Fleisch islamischen Vorschriften entspricht.
Ausgestellt wurde das mit Stempeln und Unterschriften versehene Dokument vom Europäischen Halal-Zertifizierungsinstitut (EHZ), dessen Träger IGMG ist, wie auch groß für jeden Kunden der Mangal-Imbisse zu sehen ist. Die Abkürzung IGMG steht für Islamische Gemeinschaft Millî Görüs oder kürzer Milli Görüs. Milli Görüs mit Sitz in Köln ist dabei alles andere als unumstritten, denn die Organisation wird als islamistisch eingestuft und unter anderem vom Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen beobachtet.
SPD-Politikerin und Podolski-Fan kritisiert Halal-Zertifikate bei Mangal
Zuerst hatte der „Focus“ auf die Zertifikate aufmerksam gemacht und auch die bekannte Kölner SPD-Politikerin Lale Akgün, die im Arbeitskreis Politischer Islam aktiv ist, zitiert. Diese übte heftige Kritik: „Zertifikate durch Islamisten? Das geht gar nicht“, sagte Akgün, die nach eigenen Angaben eigentlich großer Fan von Lukas Podolski ist. Ihrer Meinung nach werde der Name des Fußballers so missbraucht.
Der Kölner Kicker gründete zusammen mit seinem Geschäftspartner Metin Dag die Döner-Kette Mangal. Podolski ist Markenbotschafter und wichtiger Anteilseigner von Mangal. Ins operative Geschäft ist er allerdings nicht eingebunden. Mangal arbeitet nach dem Franchise-Prinzip, die einzelnen Unternehmer sind also selbstständig. Besonders in Köln gibt es inzwischen zahlreiche Filialen.
Mangal Döner „nimmt Hinweise ernst“
Mangal Döner x LP10 antwortete am Dienstag auf eine Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“, man sei als Franchisegeber nicht in die Vergabe von Halal-Siegeln involviert. Man beauftrage keine Zertifizierungen und mache den Lieferanten auch keine Vorgaben dazu. „Eine mögliche Zertifizierung erfolgt eigenverantwortlich durch die jeweiligen Lieferanten“, heißt es vom Unternehmen. Es stehe jedem Franchisepartner frei, eine Zertifizierung auszuhängen. Allerdings heißt es weiter zum umstrittenen Siegel: „Die Hinweise nehmen wir ernst und prüfen den Sachverhalt.“
Aus der Antwort geht hervor, dass die Zertifizierung auf den jeweiligen Fleischlieferanten zurückgeht, wie es auch auf dem Aushang ersichtlich ist. Das Berliner Unternehmen Baha Food ist dort vermerkt.
Nicht geklärt werden kann durch die sehr allgemeine Antwort von Mangal Döner x LP10, ob alle Kölner Filialen ihr Fleisch aus derselben Quelle beziehen und wie viele Filialen überhaupt mit einem Halal-Zertifikat werben.
Für Halal-Zertifikate gibt es keine behördlichen Vorgaben, es existieren verschiedene Akteure auf dem Markt. Sie erscheinen nicht nur bei Restaurants, sondern zunehmend auch auf Supermarkt-Produkten, da sie vielen Menschen muslimischen Glaubens wichtig sind. Eine Recherche des BR zeigt allerdings auf, dass es nicht nur beim EHZ Verbindungen in die islamistische Szene gibt. Auch das Islamische Zentrum München (IZM), das Zertifikate ausstellt, wird vom bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz als „extremistisches Beobachtungsobjekt“ eingestuft.
Milli Görüs wird vom Verfassungsschutz als islamistisch eingestuft
Milli Görüs, die das EHZ betreibt, ist eine der größten sunnitisch-islamischen Gemeinschaften in Deutschland, laut Wikipedia mit über 127.000 Mitgliedern und landesweit 304 Moscheegemeinden. Sie wird von Experten zum „Legalistischen Islamismus“ gezählt. Damit werden Organisationen zusammengefasst, die sich formal zur Verfassung der Bundesrepublik bekennen und sich an die Gesetze halten. Die im Rahmen der in einer Demokratie existierenden Freiheiten werden jedoch dazu genutzt, die Ordnung langfristig auszuhebeln, wie es in einem Papier des Bundesinnenministeriums von 2022 heißt.
Im Verfassungsschutzbericht 2025 steht, Milli Görüs stelle sich selbst als religiöse Gemeinschaft mit politischem Anspruch dar. „Nach außen tritt sie vor allem als Ansprechpartnerin für alle den Islam und die Religionspraxis betreffenden Themen sowie als Dienstleisterin in religiösen Angelegenheiten auf“, heißt es. Dazu passt, dass die Organisation mit dem EHZ in das Geschäft mit den Halal-Zertifikaten eingestiegen ist. Die Preisspanne für ein Siegel soll Medienberichten zufolge in Deutschland zwischen 100 und 700 Euro liegen. Allerdings ist das EHZ eine Non-Profit-Organisation.
Burak Yilmaz, Geschäftsführer des EHZ, erklärt auf Nachfrage, grundsätzlich zertifiziere das Institut keine Restaurants oder Imbisse direkt. Das Zertifikat beziehe sich somit bei Mangal auf die Produktions- und Lieferkette, nicht auf den gastronomischen Betrieb selbst. Das Dokument werde nach einer umfassenden Prüfung der Produktionsprozesse ausgestellt. Das EHZ-Siegel, das auch im Ausland vergeben werde, befinde sich auch auf verschiedenen Fleisch- und Wurstprodukten im Einzelhandel.
