Interne Prüfer haben den Umgang der Bühnen mit Kreditkarten in sechs Fällen beanstandet. Nun verteidigt sich die Geschäftsführung.
Private Payback-Punkte gesammeltBühnen Köln lassen einige Fragen unbeantwortet

Bernd Fülle, geschäftsführender Direktor der Bühnen der Stadt Köln
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Der geschäftsführende Direktor der städtischen Bühnen, Bernd Fülle, hat am Donnerstag mitgeteilt, dass den Nutzern der dienstlichen Kreditkarten das Sammeln von Payback-Punkten „seitens der Betriebsleitung ausdrücklich untersagt“ worden war.
Doch trotz dieser Ansage hatte ein Mitarbeiter laut eines Berichts des Rechnungsprüfungsamtes (RPA) die dienstliche Kreditkarte genutzt, um bei Rewe für gut 1700 Euro einzukaufen und die Payback-Punkte seinem privaten Konto gutzuschreiben (wir berichteten am Donnerstag). Fülle betonte aber: „Ein finanzieller Schaden für die Stadt Köln ist hierdurch nicht entstanden.“
Steuerzahlerbund kritisiert den generellen Umgang der Bühnen mit Steuergeld
Das gilt laut Fülle für alle im RPA-Bericht dargestellten Vorgänge. Das RPA hatte sich zu möglichen finanziellen Schäden nicht konkret geäußert.
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Tatsächlich betrug der Wert der Payback-Punkte umgerechnet zwar nur knapp neun Euro, doch der NRW-Ableger des Steuerzahlerbundes sieht die erneuten Beanstandungen des RPA im Zusammenhang mit früheren Prüfberichten zum grundsätzlichen Umgang der Bühnen mit Steuergeld. Der Verband verwies etwa auf den „Party-Skandal“ der Bühnen aus dem Vorjahr.
Socken für 2800 Euro
Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ damals berichtete, hatten die Bühnen beispielsweise 600 T-Shirts mit dem Aufdruck „Forever Schauspiel“ für 10.100 Euro sowie 530 Paar bedruckte Socken für 2800 Euro gekauft und auf internen Feiern verteilt.
Und innerhalb von drei Jahren haben die Bühnen ab 2022 insgesamt 178.200 Euro für Betriebsfeiern bezahlt, unter anderem in 100 Tagen rund 68.000 Euro für vier Feiern. So stand es in einer RPA-Untersuchung. Die Bühnen organisieren den Spielbetrieb von Tanz, Schauspiel und Oper und sind verantwortlich für die Sanierung am Offenbachplatz.
Zuschuss von zehn Euro eingeführt
Der Bericht hatte Konsequenzen für die mehr als 20.000 städtischen Mitarbeiter: Die damalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) führte einen Deckel von jährlich zehn Euro Zuschuss pro Mitarbeiter für Betriebsfeiern ein. Allein mit diesem Geld pro Mitarbeiter könnten die Bühnen-Feiern im bisherigen Umfang nicht mehr bezahlt werden.
Wie am Donnerstag berichtet, haben sich Prüfer den Zeitraum zwischen September 2022 und August 2025 angeschaut: In dieser Zeit gaben die Bühnen mit den Kreditkarten rund 715.000 Euro aus, unter anderem bei Zalando, Otto und DM. Die Kreditkarten sollen sie aber laut einer Arbeitsanweisung nur in Ausnahmefällen unter bestimmten Bedingungen nutzen und grundsätzlich auf Rechnung kaufen.
Laut der Analyse kauften Bühnen-Mitarbeiter mit den Kreditkarten beispielsweise bedruckte Stoffbeutel für rund 1220 Euro. Und es liegt nicht einmal ein Dokument vor, ob der Bedarf für den Kauf überhaupt gegeben war. Das ist aber Pflicht bei Einkäufen über 500 Euro. So war es auch bei einer Blumendeko-Wand für knapp 700 Euro.
Bühnen-Chef spricht von „Notwendigkeit“
Bühnen-Chef Fülle betonte, dass die Ausgaben mit Kreditkarten demnach nur 240.000 Euro pro Spielzeit ausmachten und bei einem jährlichen Spielbetriebsvolumen von rund 82 Millionen Euro nur etwa 0,3 Prozent des Gesamtbudgets betrügen. Er sagte: „Kreditkarten sind damit ein vergleichsweise kleiner und im allgemeinen Geschäftsleben inzwischen notwendiger Bestandteil der gesamten Beschaffungs- und Zahlungsprozesse des Hauses.“
Jens Ammann, Projektleiter öffentliche Finanzen des NRW-Ablegers des Bundes Deutscher Steuerzahler, hatte am Mittwoch gesagt: „Was im Kleinen nicht gut läuft, läuft dann auch im Großen nicht: der ordentliche Umgang mit Steuergeld.“
Zahl der Kreditkarten reduzieren
Fülle sprach anders als das RPA von 24 statt 25 Kreditkarten. Er kündigte eine Reduzierung an und will laut eigener Aussage die „Kontrolle verbessern“.
Wie berichtet, hatte Reker die RPA-Prüfung beauftragt. Der Anlass war ein Interview des Kölner Opernintendanten Hein Mulders im „Kölner Stadt-Anzeiger“ am 12. Juli 2025. Darin wehrte sich Mulders gegen Gerüchte, er würde in Saunen für Homosexuelle gehen und dort mit städtischer Kreditkarte bezahlen. Er bezeichnete es als „vollkommenen Quatsch“.
Bühnen lassen einige Fragen unbeantwortet
Und auf die Frage dieser Zeitung, ob das städtische Rechnungsprüfungsamt alle Abrechnungen geprüft habe, sagte er: „Ja, das ist passiert, ohne dass ein Anflug von einer Unstimmigkeit entdeckt wurde.“
Aber laut des aktuellen RPA-Berichts war Mulders Aussage nur „bedingt richtig“. Denn der letzte Prüfbericht vor Erscheinen des Interviews hatte schon damals vier Beanstandungen hinsichtlich der Abrechnungen festgestellt.
Zur Frage, warum Mulders sich trotzdem im Interview so geäußert hatte, sagten Fülle und die Bühnen ebenso wie zur Frage möglicher Konsequenzen für die betroffenen Kreditkartennutzer: nichts.
Alle Kreditkarten sollen geprüft werden
Ein Antrag von Grünen, CDU und FDP/Kölner Stadtgesellschaft für die nächste Sitzung des Rechnungsprüfungsausschusses sieht vor, dass das RPA nun alle Kreditkarten-Nutzungen der kompletten Stadtverwaltung seit März 2024 überprüfen soll. Das Gremium tagt am 17. März. Da die drei Antragsteller sechs von elf stimmberechtigten Mitgliedern stellen, ist eine Mehrheit sehr wahrscheinlich.
In dem Antrag heißt es: „Eine umfassende Prüfung der Stadtverwaltung soll zeigen, ob das System der Kreditkartennutzung generell stärker geregelt werden muss. Dies betrifft nicht nur den eigentlichen Einsatz der Kreditkarte für das Begleichen von Rechnungen, sondern auch die weitere Handhabung bezüglich Dokumentationen und Abrechnungen.“ (mhe)

