Die Entwürfe der Architekturstudenten sind bis zum 17. Mai im Erdgeschoss des Zeughauses zu sehen.
Autofrei, gläserner RundgangSo stellen sich Studierende der TH Köln die Zukunft des Zeughauses vor

Architekturstudierende der Technischen Hochschule Köln zeigen im Zeughaus Ideen für dessen Zukunft.
Copyright: Alexander Schwaiger
Es war keine einfache Aufgabe, die die Studierenden in ihrer Bachelor-Arbeit lösen sollten: Das sanierungsbedürftige Zeughaus, in dem bis 2017 das Kölnische Stadtmuseum untergebracht war, hat gleich mehrere Probleme: Ein Wasserschaden hinterließ große Schäden, weshalb das Gebäude geräumt werden musste und seitdem nicht mehr nutzbar ist. Die Technik ist marode, das Haus ist nicht barrierefrei, die Flächen für die Vermittlungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen sind zu klein, es fehlt ein Café und vor allem liegt es eingekesselt zwischen zwei stark befahrenen Straßen.
So könnte der 1602 errichtete Bau zwar mit seiner Nähe zum Dom punkten, aber wegen seiner randständigen Lage innerhalb der Innenstadt ist der Standort nicht besonders attraktiv für Besucher und Touristen. Demnach lautete die zentrale Fragestellung für die Studierenden: Wie können das Zeughaus und die angrenzende Alte Wache wieder zu einem einladenden Standort werden, an dem das Kölnische Stadtmuseum eine neue (alte) Heimat findet. Und wie kann sich das Quartier insgesamt zu einem lebendigen Kulturort entwickeln?

Die Ausstellung im Zeughaus läuft bis zum 17. Mai.
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Architektur-Studierende der TH Köln haben ganz unterschiedliche Ideen
Architekturstudenten der TH Köln haben die von Professor Thorsten Burgmer gestellte Aufgabe mit vielfältigen Entwürfen beantwortet: Neun davon zeigt das Kölnische Stadtmuseum in der aktuellen Ausstellung „Zukunft Zeughaus – Visionen für ein Kulturquartier in der Zeughausstraße“ im Erdgeschoss des Zeughauses. Sie ist an den Wochenenden geöffnet und bis zum 17. Mai zu sehen.
„Wir haben uns mit den Studierenden und Thorsten Burgmer mehrmals getroffen, damit die Studierenden Einblicke in unsere Bedarfe bekommen“, sagt Kurator Sascha Pries vom Kölnischen Stadtmuseum. Ziel der Schau sei es, Impulse zu setzen und das Zeughaus und dessen Sanierung wieder zum Stadtgespräch zu machen.

Sascha Pries vom Kölnischen Stadtmuseum hat die Ausstellung kuratiert.
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Ursprünglich sollte das Stadtmuseum nur bis zur Fertigstellung der „Historischen Mitte“ im Modehaus Sauer untergebracht werden und dann in einen Neubau als direkter Nachbar des Römisch-Germanischen-Museum ziehen. Seitdem sich die Hohe Domkirche im Januar 2024 jedoch aus dem Vorhaben zurückgezogen hat, ist die langfristige Unterbringung unklar (wir berichteten). Die ehemalige OB Henriette Reker hatte eine Rückkehr ins Zeughaus ins Spiel gebracht, doch dem Projekt die Priorität entzogen. Eine Sanierung inklusive Erweiterung war vor Jahren einmal auf 91 Millionen Euro geschätzt worden.
„Die ausgestellten Arbeiten sind keine fertigen Lösungen, sondern eine Einladung zum Weiterdenken und Diskutieren. Sie zeigen eindrucksvoll, wie Architektur zwischen Gegenwart und Geschichte vermitteln kann“, sagt Burgmer. Faktoren wie Statik, Budget und Denkmalschutz durften die Studierenden außen vor lassen. Sie hätten bewusst große gestalterische Freiheit erhalten, sagt Burgmer.
Zeughaus: Lösungen mit und ohne Neubauten
Von autofreien Quartieren, Neubauten entlang der römischen Stadtmauer bis hin zu neuen Wegführungen, verbindenden Brückenstrukturen, überdachten Freiräumen und neuen Aufenthaltsorten für kulturelle Initiativen oder Sonderausstellungen reicht das Spektrum der Ideen. Gemeinsam ist den Entwürfen jedoch, dass sie das zukünftige Stadtmuseum als offenen Ort der Begegnung denken, der mehr ist als ein reiner Ausstellungsort.

Die Ausstellung „Zukunft Zeughaus – Visionen für ein Kulturquartier in der Zeughausstraße“ ist an Wochenenden im Erdgeschoss des Zeughauses zu sehen.
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Ein Entwurf kommt ohne Neubauten aus und verbindet die Bestandsgebäude mit einem gläsernen Durchgang. „So eine Lösung wäre denkbar, wenn man zum Beispiel Büroflächen hier in der unmittelbaren Nähe anmieten könnte“, sagt Pries.
Student Jacob Eisenberg hat in seinem Entwurf einen großen, markanten Kubus auf die Parkplatzfläche gesetzt. „Ein Problem der Gebäude ist, dass sie wie auf einer langgezogenen Insel stehen. Durch röhrenartige Tunnel hat der Student diese verbunden und auch auf mehreren Ebenen“, sagt Pries. Besonders spannend sei hier, dass an zwei Enden der Tunnel durch eine Fensterlösung einmal der Blick Richtung Dom freigelegt ist und einmal Richtung Stadtmauer. „Dadurch wird der Außenraum Teil der Ausstellung.“

Der Entwurf des Studenten Jacob Eisenberg: Er stellt sich einen Neubau neben der Alten Wache vor und eine tunnelartige Verbindung zwischen dem neuen und den alten Gebäuden, die den Blick auf den Dom und die Stadtmauer freilegt.
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Weg von Dom bis Zeughaus sollte mitbedacht werden
Teil der Prüfung war es auch, die Verkehrssituation miteinzubeziehen. „Der Dom ist in Sichtweite und man ist trotzdem abgeschnitten durch den Autoverkehr, deswegen sollten die Studierenden den Weg vom Dom zum Zeughaus mitbedenken“, sagt Burgmer. Für Schüler und Kinder, die etwa die Hälfte der Besucher ausmachten, sei die Lage des Zeughauses eine Zumutung, so Pries. Kein Zebrastreifen, keine Ampel, stattdessen Autos und LKW, die auf beiden Seiten des Museums über die Straße brettern.
„In den meisten Museen gehört der Außenbereich schon zum Museumserlebnis dazu“, sagt Pries. Am und im Zeughaus mangele es an Aufenthaltsqualität. Das lösen einige Studierende mit einem verkehrsberuhigten Bereich an der Zeughausstraße, einem Museumsboulevard, der zum Beispiel Bauminseln enthält: eine grüne Oase mitten in der Stadt. „Die Frage ist, inwieweit die Stadt bereit wäre, auch über die Sanierung hinaus, das ganze Areal drumherum mitzubedenken“, sagt Pries.
Die Ausstellung ist an den Wochenenden 28.-29. März, 11.-12./18.-19./25.-26. April, 2.-3./9.-10./16.-17. Mai jeweils von 12 bis 16 Uhr geöffnet, außerdem am 2. April und 7. Mai von 17 bis 21 Uhr. Videos und weitere Infos zur Ausstellung gibt es online.

