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Persönliche Lagerfeuer-StimmungWarum sein Auftritt in Köln für Johannes Oerding besonders war

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Konzert von Johannes Oerding in der Kölner Lanxess-Arena.

Johannes Oerding trat am Freitagabend (24. April 2026) in der Kölner Lanxess-Arena auf.

Mit seiner neuen Tour zum Album „Hotel“ gab Oerding nun ein Konzert in der Kölner Lanxess-Arena.

Das Urteil fällt am Ende eindeutig aus. „Oh, wie ist das schön. So was hat man lange nicht gesehn“, hallt es durch die Lanxess-Arena. Auf der Bühne tänzelt dazu aber nicht die Jungfrau aus dem Kölner Dreigestirn. Johannes Oerding (44) steht da und strahlt. „Mein Herz hüpft“, sagt er ergriffen.

Nach einem über zweieinhalbstündigen Konzert sind die Fans glücklich und der Star des Abends erleichtert. Denn dieser Freitagabend (24. April 2026) hätte kompliziert werden können. 8000 Fans sind gekommen, weshalb der Innenraum mit einem Stehplatzbereich und ein paar wenigen Stuhlreihen etwas verloren aussieht. Auch auf den Tribünen klaffen Lücken.

Johannes Oerding: 8000 Fans feiern seine „Hotel“-Tour in Köln

Mit einer Karaoke-Einlage von „Griechischer Wein“ soll sich das Publikum warmsingen, ehe der Text von „An guten Tagen“ auf der Leinwand erscheint. Erst singen nur die Fans, dann stimmt der Popsänger mit ein. Bei „Hier gehör‘ ich hin“ gibt es den ersten Knalleffekt, der Vorhang fällt und die fünfköpfige Band um den Kölner Gitarristen Moritz Stahl wird sichtbar. „Jetzt viel Spaß mit sieben Stunden Live-Musik.“

„Ich bin heute besonders aufgeregt“, sagt der Mann mit dem Hut, der 106 Kilometer von der Arena entfernt in Kapellen am Niederrhein aufgewachsen ist. „Die Familie ist da, die bucklige Verwandtschaft, viele Freunde. Wir sind unter uns. Die Türen sind zu, keiner kann weg.“ Auch Kölns Liedermacher Björn Heuser, Musikerin Charly Klauser und Ex-Nationalspieler Mike Hanke feiern mit.

Oerding gibt von der ersten Minute den sympathischen, nahbaren und redseligen Kumpel, mit dem man gerne in der Kneipe versacken kann. „Bei dem ganzen Scheiß, bei den ganzen Turbulenzen und den Verrückten da draußen, wollen wir hier drin für gute Schlagzeilen sorgen“, ist sein Motto. „Wir haben in der Halle extra ein bisschen Platz zum Tanzen gelassen.“

Konzert von Johannes Oerding in der Kölner Lanxess-Arena.

Johannes Oerding gab sich nahbar und suchte immer wieder den Kontakt zu den Fans in der Lanxess-Arena.

Dafür hat er enorm viele Ideen kreiert, die alle in ein Konzert gepackt werden. Das Publikum soll untereinander die Hände schütteln und sich namentlich vorstellen. Die Band wird durch eine musikalische Zeitreise und mit Kinderfotos präsentiert. Die Musiker fühlten sich einst durch Lieder wie „Live Is Life“, „Coco Jamboo“ oder „Thunderstruck“ inspiriert. Oerding ist im Video zu sehen, wie er mit seinem Vater „Denn ich bin ein rheinischer Junge“ singt, ehe er danach „Looking for freedom“ anstimmt.

Vor kurzem hat es Oerdings neues Album „Hotel“ an die Spitze der deutschen Charts geschafft. Es ist seine dritte Nummer 1. Neun Kostproben gibt es davon. Viele sind eine Art öffentliche Selbstfindung. „Niemals zu spät“ hat die Band intern schon in den „Arschtritt-Song“ umbenannt. Bei „Halleluja“ wird die Menge zum Gospelchor.

Der Hit „Hundert Leben“ erfährt eine spezielle Auffrischung. Die Strophe „Melle ist schon lange weg. Christian bringt sein' Sohn ins Bett. Und Ben und ich haben eigentlich wenig Zeit“, wird besonders, weil die alte Jugendfreundin Melle in Block 206 sitzt. Zwei Wochen zuvor hat sie geheiratet. „Wir haben viel erlebt. Ne Geschichte, die uns ewig bleibt.“

Konzert von Johannes Oerding in der Kölner Lanxess-Arena.

Heimspiel feierte Oerdings Gitarrist Moritz Stahl (l.), der im Kölner Agnesviertel lebt.

Noch persönlicher wird es am Lagerfeuer. Ganz in Pfadfinder-Manier hockt sich der Sänger mit drei Fans auf einer zweiten Bühne um die Feuerschale und greift zur Klampfe. „Die Stadt Köln wollte uns das verbieten. Fünf Minuten Feuer kosten 10.000 Euro. Aber wenn jeder von euch am Ausgang einen Euro abgibt…“, behauptet er. Ein typischer Oerding-Spaß.

Im Song „Parallel“ verarbeitet er die Trennung von Ina Müller aus dem Jahr 2023. „Haben laut gefeiert, uns mit Ego-Trips betäubt, damit die Wahrheit kurz mal schläft.“ Kurze Zeit später werden die Fans in „Ecke Schmilinsky“ noch einmal an den Anfang dieser Beziehung mitgenommen.

Konzert von Johannes Oerding in der Kölner Lanxess-Arena.

Johannes Oerding hatte beste Laune, weil das Kölner Publikum sein Konzert frenetisch feierte.

Auch der Tod seines Vaters Udo ist im Konzert präsent. Beim Gänsehaut-Titel „Eins-zu-eins-Gespräch“ hält die Riesenhalle die Luft an. Zum neuen Song „Wolken“ stößt Opening-Act Ian Hooper dazu. „Wenn du fehlst, ja, du fehlst. Dann guck ich hoch und denk an dich. Wenn du fehlst, ja, du fehlst. Dann bin ich froh, dass es Wolken gibt“, heißt es darin.

Nach so viel Traurigkeit darf ein fröhliches Ende nicht fehlen. „Kreise“ und „An guten Tagen“ machen Stimmung, ehe in „Jahreszeiten“ noch eine positive Botschaft für den Heimweg folgt: „Wir werden alles überleben. Wir werden alles überstehen. Weil all das Chaos und die Tränen, wie Jahreszeiten kommen und gehen.“