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Offline ClubWie eine junge Frau handyfreie Orte in Köln etablieren will

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Veranstalterin Scintilla Benevolo vom Offline Club Köln, bei einem Interview im Heilandt Café in Nippes

Veranstalterin Scintilla Benevolo vom Offline Club Köln will Austauschorte schaffen, wie sie früher die Vereine oder die Kirche für Menschen waren.

Scintilla Benevolo ist die Veranstalterin des Kölner Offline Clubs. Das Interesse an dem Konzept aus Amsterdam zu Treffen ohne Handys steigt auch in Köln.

Es ist erst ein Jahr her, da verbrachte der 20-jährige Abdulkadir acht bis zwölf Stunden täglich am Handy. Viel zu viel, das weiß auch Abdulkadir selbst, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will. „Irgendwann hab ich gedacht, das kann nicht so weitergehen“, sagt der Dürener.

Doch heute sind es laut seiner Aussage nur noch ein bis zwei Stunden am Tag. Geholfen hat ihm dabei der Kölner Offline Club. Schon 13 Mal nahm Abdulkadir an den Treffen teil, bei denen Handys verboten sind.

Arbeit, Zuhause, Offline Club

Menschen wie Abdulkadir sind es, denen die Kölnerin Scintilla Benevolo einen Raum geben will, denen sie helfen will, ihren Handykonsum zu reduzieren, wieder mehr im Hier und Jetzt zu leben. Deshalb hat sie das Konzept im vergangenen Oktober nach Köln gebracht. Benevolo hofft, dass der Club sein kann, „was vielleicht früher die Kirche oder der Sportverein war, mittlerweile fehlt das ja auch ein bisschen in unserer Gesellschaft“.

Bisher sind laut Benevolo die meisten ihrer Veranstaltungen ausverkauft gewesen. Die Events kosten in der Regel zwischen fünf und zehn Euro, oftmals reiche auch eine Spende. Das erste Treffen des Offline Clubs Köln im Oktober 2025 fand im Café Boxenstopp am Waidmarkt statt. 

Im Februar trifft sich der Offline Club wieder im Boxenstopp, Abdulkadir tritt durch die Café-Tür und steckt direkt sein Smartphone in eine Kiste am Eingang. Das ist das sogenannte „Handy-Hotel“. Benevolo umarmt ihn. Viele seien nervös, sagt sie, besonders wenn man alleine käme. Deshalb die herzliche Begrüßung: „Ganz so, als wäre man bei jemandem Zuhause.“ Anschließend suchen die Teilnehmer sich einen Platz und machen es sich gemütlich.

Ruhe-Phase, Austausch, Aktivität

Die erste Stunde jeder Veranstaltung ist die Ruhe-Phase, hier macht jeder etwas für sich. Das sei wichtig, erklärt Benevolo: „Ich finde es einfacher, sich zu zeigen, wenn man erst mal entspannt hat, dann hat man weniger unruhige und sprunghafte Gedanken.“ Die Teilnehmenden können schreiben, malen, basteln oder lesen. 

Nach einer Stunde beginnt die Phase des Austauschs. Abdulkadir unterhält sich mit seinen Sitznachbarn, andere Teilnehmende widmen sich weiterhin ihrer Aktivität oder spielen Spiele mit anderen Besuchern. Insgesamt dauern die Veranstaltungen mindestens drei Stunden.

Die gebürtige Mailänderin Benevolo ist durch ihre Mutter auf den Club aufmerksam geworden, als diese einen Artikel über den Club in einer italienischen Zeitung gelesen hatte. „Das war auch ein bisschen aus Witz gemeint von meiner Mama“, erzählt sie, „da du eh nie antwortest, vielleicht wäre das was für dich“, habe ihre Mutter gesagt. Heute lebt die  mittlerweile 26-Jährige in Deutschland und hat die Leitung der Treffen zu ihrem Beruf gemacht.

Die Nachfrage nach dem Offline Club ist groß

Zu ihrem bisher größten Offline-Event in der Kölner Wohngemeinschaft kamen 90 Teilnehmende. Je nach Veranstaltung variiert die Teilnehmerzahl, laut Benevolo liegt der Durchschnitt bei 20 Personen. Mittlerweile kooperiert der Offline Club Köln mit zahlreichen verschiedenen Cafés und Begegnungsräumen.

 „Die meisten greifen intuitiv zu ihrem Handy, das ist wie ein Mechanismus“, schildert Benevolo. Einige hätten ohne den Offline Club Schwierigkeiten, einen gesunden Umgang mit ihrem Handy zu haben.

Junge Teilnehmer des Offline Clubs, die bei einem Event in der Wohngemeinschaft kreativ werden.

Junge Teilnehmende des Offline Clubs, die bei einem Event in der Wohngemeinschaft kreativ werden.

„Die Leute suchen sich dann auch so Aktivorte wie diese, wo es einfacher ist, sie zu zwingen, wirklich das Handy wegzutun.“ Laut Benevolo würden die meisten entspannter, inspirierter und energiegeladener aus den Stunden ohne Smartphone herauskommen.

Nach jedem Treffen rät Benevolo den Teilnehmenden, das Handy bis zum nächsten Morgen nicht zu nutzen. Selbst hat sie ihre Benachrichtigungen auf dem Handy ausgestellt und die Regel, ihr Handy nicht im Schlafzimmer zu nutzen.

Die Zukunft von Köln ist offline

Benevolo hat einige Ideen, wie der Offline Club Köln in Zukunft aussehen kann. „Ich möchte auf jeden Fall einen eigenen Raum haben, in dem man sich regelmäßig treffen kann, vielleicht auch erst mal ein Pop-up“, schildert die 26-Jährige. Pop-up steht für eine übergangsweise Nutzung eines leerstehenden Raumes. Momentan plant sie größere Events mit bis zu 300 Leuten, etwa in einer Kirche oder einem Zirkus.

Ursprünglich wurde der Offline Club in Amsterdam gegründet. Die Gründer Ilya Kneppelhout, Jordi van Bennekom und Valentijn Klok veranstalten dort seit Februar 2024 offiziell den Offline Club und haben ihre Idee durch ein Franchiseverfahren in diverse Städte Europas gebracht. Das Konzept entwickelten die Initiatoren bereits 2021.