Vor 20 Jahren rettete der Verein rund um das Filmforum NRW das filmhistorische Gedächtnis der Stadt.
20 Jahre „Filmforum NRW“Das Ende eines skandalösen Zustands

Seit 2006 im Kinobetrieb: Das Filmforum NRW im Museum Ludwig
Copyright: Dörthe Boxberg
Als das Museum Ludwig noch am alten Standort An der Rechtsschule residierte, war dort auch die Kölner Cinemathek untergebracht. Dort sah man oft hervorragende Filme, saß aber auf unbequemen Stühlen. Mit dem Umzug des Ludwig in die Nachbarschaft des Doms verbesserten sich zwar die Sitzgelegenheiten des Kinos, dafür blieben sie allerdings über Jahre hinweg leer. Nachdem die Stadt einen Nutzungsvertrag nicht mehr verlängern wollte und die Förderung von damals 70 000 Mark einfror, gab die Cinemathek auf. Köln hatte sein filmhistorisches Gedächtnis verloren, und mitten in der Stadt gab es seit 2001 einen modernen Kinosaal mit 200 Plätzen, in dem leider keine Filme liefen.
Dieser – man darf es wohl so nennen – skandalöse Zustand, den sich die selbst ernannte Medienstadt leistete, fand an einem Freitagabend Ende Januar des Jahres 2006 ein Ende. An diesem Tag nahm das „Filmforum NRW“ seinen Betrieb auf, ein spätes Erbe der einstigen Cinemathek, oder vielmehr: eine ganze Erbengemeinschaft.
Neues Leben für den leeren Kinosaal
Das Kino nämlich ging unter den Vorzeichen eines sogenannten „Kiosk-Modells“ an den Start, dessen Warenangebot von sehr vielen Anbietern zusammengestellt wurde: die Filmstiftung NRW, der WDR, die SK Stiftung Kultur, die Internationale Filmschule ifs, die Kunsthochschule für Medien, der Film- und Fernsehproduzenten-Verband NRW, KölnMusik, das Museum Ludwig und nicht zuletzt KinoAktiv als Zusammenschluss freier Kölner Filmgruppen – sie alle waren Mitglieder des neu gegründeten Vereins und zugleich die Zuträger zum Programm. Auch Einzelinitiativen wie eine von dem Filmkritiker Daniel Kothenschulte initiierte und selbst am Klavier begleitete Stummfilmreihe gehörten dazu. Zusammengehalten wurde das Ganze von der ehemaligen Mitarbeiterin des Kölner Filmhauses Esther Rossenbach als „Projektkoordinatorin“, der 2020 Robert Birkel nachfolgte.
Viele Köche verderben den Brei, nörgelte manch einer damals und gedachte mit Wehmut der alten Cinemathek, die immerhin ein wenig wettgemacht hatte, dass Köln über kein kommunales Kino verfügt. Aber: Das „Filmforum NRW“ sorgte dafür, dass wieder Leben in eine Bude beziehungsweise einen Kinosaal kam, der jahrelang von den Mitarbeitenden des Museums Ludwig für kunstsinnige Vorträge oder auch Betriebsversammlungen genutzt worden war. Seit am Eröffnungsabend Reden gehalten und Phil Grabskys Film „In Search of Mozart“ gezeigt wurde, gelingt dies erstaunlicherweise seit genau 20 Jahren gut. Grund genug also, dass das Forum seiner Reihe „Filmgeschichten“ in diesem Jahr den Titel verleiht: „Das Fest – Feiern im Film“.
Politische Initiative
Das Ende des Dornröschenschlafs, in dem das Kino im Ludwig seit 2001 lag, war nicht zuletzt einer politischen Initiative des einstigen Medienexperten der Landes-SPD, Marc Jan Eumann, im Verein mit dem damaligen Geschäftsführer der Filmstiftung NRW, Michael Schmid-Ospach, zu verdanken. Sie trommelten die Vereinsmitglieder zusammen, die seither für ein Gegengewicht zum kommerziellen Kinoprogramm sorgen: Die Film(hoch)schulen der Stadt zeigen Abschlussfilme, die es sonst schwer hätten, vor Publikum auf eine große Leinwand zu kommen. Die freien Filmgruppen der Stadt laden dazu ein, sich mit der Filmhistorie auseinanderzusetzen, und führen damit die Tradition der Cinemathek fort. Und bei alledem setzt Koordinator Robert Birkel immer wieder auch populäre Akzente, die ein großes Publikum anziehen, etwa durch eine Aktion der Kölner YouTuber „Cinema Strikes Back“ oder mit einer Sommerfilmreihe, in der unter anderem Rob Reiners „Stand By Me“ und der Director’s Cut von „Midsommar“ liefen.
Doch gibt es seit 20 Jahren nicht allein ein kontinuierliches Filmprogramm im Kino im Museum Ludwig – Köln besitzt mit der Wiederaufnahme seines Betriebs auch einen markanten Festival-Standort im Zentrum der Stadt. Jahr um Jahr finden hier wichtige Veranstaltungen wie das Afrika-Filmfestival oder Edimotion als Festival zur Würdigung für Filmschnitt und Montage statt. Auch „Tüpisch Türkisch“ oder das Festival mit Filmen aus dem Iran geben dem Kölner Publikum die Möglichkeit, den Blick auf Gegenden und Geschichten zu wenden, die im kommerziellen Kino nur äußerst selten vorkommen. Das „Kiosk-Modell“ also hat keineswegs zu einem Ausverkauf der Filmkunst geführt. Im Gegenteil: Was einst die leere Mitte der Filmkunst im Zentrum von Köln war, darf sich mit vollem Recht und sehr vital feiern lassen.
Jubiläumsabend und Empfang: Am Hauptveranstaltungstag am 15. April findet ab 18 Uhr ein öffentlicher Empfang im Kinofoyer statt. Der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester hält ein Grußwort zur Eröffnung. Begleitend zum Jubiläum präsentieren die Mitgliedsorganisationen des Filmforums eine eigene Filmreihe.
„Die Schwester der Braut“, eine Screwball-Comedy von George Cukor mit Katharine Hepburn und Cary Grant („Holiday“, 1938) ist der Film des Abends.

