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Kammermusik für KölnDiese Komponistin drängte schon vor 200 Jahren auf Gleichbehandlung

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Die französische Komponistin Louise Farrenc

Das Kammermusikkonzert im Stiftersaal des Wallraf-Richartz-Museums widmete sich Werken der französischen Klavierprofessorin Louise Farrenc.

Kommt das jemandem bekannt vor? Da war die französische Komponistin Louise Farrenc (1804–1875) zur Klavierprofessorin am Pariser Conservatoire ernannt worden, musste dann freilich feststellen, dass ihr Gehalt geringer ausfiel als das der männlichen Kollegen. Katrin Zukowski, Mitglied des Kölner Opernensembles und Mitwirkende in einem ausschließlich Farrenc gewidmeten Konzert der Reihe „Kammermusik für Köln“ im Stiftersaal des Wallraf-Richartz-Museums, wusste freilich zu berichten, dass diese das keineswegs demütig hinnahm. Sie drängte vielmehr energisch auf Gleichbehandlung – weil man andernfalls ja auf den abwegigen Gedanken kommen könne, sie sei eben nicht so „gut“ wie die Männer.

Tatsächlich fielen Biografie und Karriere von Louise Farrenc – sie war nahezu eine Jahrgangsgenossin ihrer deutschen Kollegin Fanny Mendelssohn-Hensel – in die dornige, mit Hindernissen und Vorurteilen nur so gespickte Frühphase weiblicher Emanzipation im Komponiermetier. Nach ihrem Tod wurde sie dann auch schnell vergessen, und erst die Wende zum 21. Jahrhundert zeitigte eine Wiederentdeckung auf breiterer Front. Der 150. Todestag im vergangenen Jahr war geeignet, die öffentliche Wahrnehmung erneut zu verstärken.

Erst zur Jahrtausendwende wurde Louise Farrenc wiederentdeckt

Kammermusik für Köln – Name nicht nur einer Konzertreihe, sondern auch des beteiligten Ensembles, das sich aus Spitzenmusikern der beiden großen Kölner Sinfonieorchester (Gürzenich und WDR) zusammensetzt – sprang jetzt sozusagen auf den fahrenden Zug auf und brachte neben einigen Liedern Farrencs Bläser/Streicher-Nonett Es-Dur opus 38 zu einer engagierten und farbenintensiven Aufführung. Das ist ein weiträumiges Stück mit großem melodischem Atem, das allerdings in anderer Hinsicht nur mit Wasser kocht – um es einmal so zu sagen.

Für die Entstehungszeit 1849 ist es stilistisch arg retrospektiv, geht in seiner formbewusst-klassizistischen Grundhaltung nicht über den jüngeren Beethoven und die Komponisten der Vorromantik hinaus. Farrenc setzt – wie etwa ihre Kollegen George Onslow und Juan Crisóstomo de Arringa – den könnerisch-soliden Akademismus des Conservatoire fort: mit Acht-Takt-Perioden, konventionellem Modulationsschema und der Übernahme vertrauter Satztypen.

Aber keine Frage: Das klingt alles sehr geschmeidig und instrumentatorisch gewinnend, geht gut ins Ohr und langweilt nicht, ist auch echte, motivisch ausdifferenzierte Kammermusik. Die Musiker machten, es sei wiederholt, das Beste daraus – in wechselseitiger Rücksichtnahme wie in ihrer Vereinigung in einem herzhaft-konzertanten Brio.

Zukowski schließlich glänzte in besagten Liedern – ursprünglich Klavier- und Orchesterliedern, die Luca Marcossi fesselnd für Kammerensemble eingerichtet hatte – mit unangestrengter stimmlicher Bravour genauso wie mit ihrer virtuosen Bedienung ganz unterschiedlicher Stil- und Ausdruckserfordernisse zwischen intim-stimmungsvoller Lyrik und großer tragischer Oper. In letzterem Fall sprengt Farrenc die Formtraditionen von Strophen- und Refrainlied, denen sie sonst durchaus verhaftet bleibt. Auch hier also: eine interessante Begegnung, die eine solche auch dann bleibt, wenn einen vielleicht nicht rundweg die Begeisterung vom Stuhl holt.