Die Musikerinnen und Musiker präsentierten unter der schwungvoll wie präzisen Leitung von Yorgos Ziavras ein vielseitiges Programm zeitgenössischer Musik.
Kunst-Station Sankt PeterÉrma-Ensemble begeistert mit „Kabinett der Sinne“

Das 2019 gegründete Érma-Ensemble (Archivbild)
Copyright: Anna Tena
Schon der Einlass zu diesem „Kabinett der Sinne“ ist anders als sonst bei Konzerten in der Kunst-Station Sankt Peter. Statt durch das Kirchenportal gelangt man in die Sakristei, wo man zur Eintrittskarte auch gleich einen Getränkegutschein für die Konzertpause bekommt. Im spätgotischen Raum wird man dann von süßlich-schweren Düften asiatischer Räucherstäbchen empfangen. Und weil vor Ostern alle Fensterbilder und Skulpturen verhangen wurden, sind auch gleich weitere farbige Stoffbahnen aufgehängt worden und treten im Scheinwerferlicht die im Raum verteilten Schlaginstrumente und eine goldschimmernde Harfe umso stärker als Blickfang hervor.
Man sieht, riecht und hört schließlich als Initial den sanften Schlag eines Tamtams. In Jonathan Harveys „Death of Light / Light of Death“ folgen hauchzarte Striche, gläserne Flageoletts und filigrane Geräuschklänge. Zum final verklingenden weiteren Schlag auf dem großen Metallinstrument lässt die Harfe sanftes Zupfen wie ermattenden Herzschlag verebben. Die zweite Konzertstation befindet sich dann oben auf der Empore. Die Stufen der engen Wendeltreppe sind mit roten Rosenblättern bestreut und auch einzelne Gewölbestreben erstrahlen in rotem Licht. Denn nun folgt Fausto Romitellis „Blood on the Floor, Painting“. Das Streichquartett sirrt hier wie zum Zerreißen strapazierte Nervenbahnen. Dazu mischen sich jaulende E-Gitarre und säuselnder Synthesizer, während weitere Rosenblätter – wie Blutregen? – auf das unten verbliebene Publikum fallen.
Ein selten aufgeführtes Repertoire neuer Musik
Das 2019 gegründete Érma-Ensemble besteht aus zehn ausgezeichneten jungen Musikerinnen und Musikern, viele davon Absolventen der Kölner Musikhochschule. Dank Förderungen durch Stadt Köln, Kunststiftung NRW und Podium Gegenwart des Deutschen Musikrats startet die zehnköpfige Formation samt einiger Gäste die eigene Konzertreihe „Panorama“. Man präsentiert selten aufgeführtes Repertoire neuer Musik in einer großen Bandbreite auf höchstem interpretatorischen Niveau. Ohne Zwang zu Uraufführungen und frei von gesellschaftspolitischen Agenden gestaltet man dramaturgisch stimmige Programme inklusive dezenter Inszenierung. Die Leitung hat Yorgos Ziavras. Der Dirigent agiert ebenso schwungvoll wie präzise, mit großen Gesten aus den Knien heraus, immer sprungbereit, mit genauer Partiturkenntnis, zahllosen Einsätzen und charaktervollen Impulsen.
Die Exzellenz aller Ensemblemitglieder zeigen stellvertretend Klarinettist Jan Bennefeld und Cellist Elio Herrera in Magnus Lindbergs hochvirtuosem „Duo Concertante“. In Unsuk Chins „Akrostichon-Wortspiel“ begeistert als Gast Sopranistin Penny Sofroniadou mit wahlweise kraftvoll strahlender, lachender oder ganz matt entspannter Stimme zwischen dunklen Registern und brillanten Spitzentönen. Der große Konzertbogen schließt mit „Scena“, einem weiteren Stück des 2012 verstorbenen Briten Jonathan Harvey. Die von Veronique De Raedemaeker fantastisch gespielte Sologeige beginnt zusammen mit geballten Ensembleklängen ekstatisch flatternd, als gälte es, die Essenz eines ganzen Violinkonzerts in wenige Takte zu pressen. Umso überraschender folgen dann zauberhaft zart gesponnene Kantilenen. Und überraschen wird sicherlich auch das Panorama, das Érma in seinen weiteren Konzerten ausbreitet.

