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Konzerte in der Kölner Philharmonie und TrinitatiskircheKlangprächtige Chorgesänge

3 min
Philipp Ahmann, Leiter des WDR Rundfunkchores.

Philipp Ahmann, Leiter des WDR Rundfunkchores. 

Konzerte mit Passionskompositionen in der Kölner Trinitatiskirche und der Philharmonie.

Die Fastenzeit ist auch eine Hochzeit für die Aufführung kirchennaher Chormusik. Das hängt zusammen mit den gewaltigen historischen Beständen an Passionskomposition, deren Entstehung wiederum durch die expressive und szenische Gewalt der einschlägigen Texte zum Bibelgeschehen an Gründonnerstag und Karfreitag begünstigt wurde. Die Bach-Passionen kommen heuer in der Philharmonie auch noch dran, eingeläutet aber wurde die Kölner musikalische Passionszeit durch zwei Chorkonzerte, die epochenhalber die zweifellos zentral dastehende Barockzeit gleichsam rahmen: Der WDR Chor führte in der Trinitatiskirche Orlando di Lassos noch der späten Renaissance zugehörigen „Lagrime di San Pietro“ (Tränen des heiligen Petrus) auf, während es der Philharmonische Chor in der Philharmonie mit Rheinbergers „Stabat Mater“, Schumanns Requiem und Mendelssohns Psalmvertonung „Wie der Hirsch schreit“ durchweg romantisch zugehen ließ.

Der WDR Chor unter seinem neuen Leiter Philipp Ahmann erfreute durch eine so klangprächtige wie stiladäquate Darstellung jener 21 geistigen Madrigale (auf fast durchweg italienische Texte), mit denen der späte Lassus Petrus' Verrat an Jesus („Ich kenne des Menschen nicht“) bedenkt und reflektiert. Von besagten Texten verstand man jetzt nicht allzu viel, aber das machte nichts – barocke Klangrede und artikulatorisch-expressive Glut sind hier für die Darstellung eben noch nicht gefordert.

Umso besser war die intrikat-bewegliche Machart der Madrigale zwischen homophon-akkordischer Ballung und polyphoner Auffächerung zu verfolgen. Auf der Basis einer genau-vitalen Differenzierung von Tempo und Dynamik, auch dem Gegeneinander von Frauen- und Männerstimmen präferierte Ahmann im Wesentlichen einen dezidiert schönen, fülligen, den Kirchenraum souverän sättigenden Ensemblesound – stimmungsvolles Versäuseln war hier nicht angesagt. Der Chor folgte den Vorgaben mustergültig, die jetzt institutionalisierte Zusammenarbeit von Sängern und Dirigent bewährte sich aufs Beste.

Die Singqualität der Profis, der Anspruch, den man bei ihnen an Intonation, Homogenität und „Materialgüte“ stellen kann und muss, ist von einer stark besetzten Laienschar wie dem Philharmonischen Chor nicht zu erwarten. Dies eingerechnet, lieferte dieser, im Rahmen der Kölner Chorkonzerte am Sonntagmorgen stark gefordert, unter der konzisen und anregenden Leitung von Nico Köhs eine engagiert-ansprechende Leistung ab. Bereits das Start-Unisono mit der absteigenden Quarte der Männer auf das vorbildlich artikulierte Wort „Stabat“ war geeignet, allen eventuell noch vorhandenen Restschlaf aus den Augenwinkeln der Zuhörer zu vertreiben.

Große Sorgfalt und Konzentration war offensichtlich auf die in sämtlichen drei Werken anzutreffenden Fugen verwandt worden, sie funktionierten mit bemerkenswerter Gelassenheit. Anderwärts waren Spannungs- und Gestaltungsverluste nicht ganz zu vermeiden, auch manche Einsätze nach Pausen saßen nicht so richtig. Insgesamt hat sich allerdings, denkt man an die Vergangenheit, unter Nico Köhs das Erscheinungsbild des Chores erfreulich verbessert. Zum guten Gesamteindruck der Aufführung trugen auch die Vokalsolisten (Theresa Klose, Bettina Schaeffer, Maximilian Fieth, Jan-Henrik Witkowski) und das (unterschiedlich besetzte) Neue Rheinische Kammerorchester bei. Die bei Schumann (dessen spätes Requiem leider gegen die beiden anderen großen Totenmessen des 19. Jahrhunderts, die von Verdi und Brahms, abfällt) und Mendelssohn markant heraustretenden Posaunen sorgten für ein angemessen sakrales Klangbild in „weltlicher“ Umgebung.