Die Hoffnung schwindet: Experten sehen kaum noch eine Chance für Wal „Timmy“. Warum sie jetzt vom Schlimmsten ausgehen.
„Wäre reine Tierquälerei“Keine Hoffnung mehr für Wal „Timmy“ – Experten geben auf
Die Lage für Buckelwal „Timmy“ vor Wismars Ostseeküste hat sich dramatisch zugespitzt. Experten gehen inzwischen davon aus, dass das Tier sterben wird. „Keine Aktivität, die uns Anlass zur Hoffnung gibt“, sagte Burkard Baschek laut „Bild“-Zeitung. Der Wal atme nur noch etwa alle vier Minuten und habe zuletzt nicht mehr auf Rettungsversuche reagiert.
Auch Umweltminister Till Backhaus sprach von einer „einzigartigen Tragödie“. Der Wal habe sich mehrfach festgesetzt und offenbar die Orientierung verloren. „Die Gesamtprognose für das Tier ist nicht gut“, so Backhaus.
Buckelwal „Timmy“ reagiert nicht mehr auf Rettungsversuche
Ein Eingreifen lehnen die Experten nun ab. „Das Tier wieder zu animieren, wäre reine Tierquälerei“, sagte Baschek. Auch eine Euthanasie schließen die Fachleute kategorisch aus. Stattdessen soll „Timmy“ Ruhe bekommen, um nicht zusätzlich gestresst zu werden.
Dazu wurde eine großräumige Sperrzone eingerichtet. Polizei und Einsatzkräfte halten Schaulustige fern, auch Drohnenflüge sind untersagt. Hintergrund ist der zunehmende Andrang von Besucherinnen und Besuchern in der Region.

Die von Greenpeace Deutschland zur Verfügung gestellte Aufnahme zeigt den gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel in der Ostsee.
Copyright: Daniel Müller/Greenpeace Germany/dpa
Parallel betonten Ministerium und Wissenschaftler die enge Zusammenarbeit der vergangenen Tage. Internationale Experten seien einbezogen worden, auch Organisationen wie Greenpeace und Sea Shepherd arbeiteten gemeinsam vor Ort.
„Timmy“ soll wissenschaftlich untersucht werden
Sollte „Timmy“ sterben, soll der Wal wissenschaftlich untersucht werden. Geplant ist eine Überführung ins Deutsche Meeresmuseum nach Stralsund, um die Todesursache zu klären.
Bereits am frühen Morgen liefen erste Vorbereitungen an. Mit Tagesanbruch machten sich Einsatzkräfte und Experten daran, den Zustand des Wals zu prüfen. Ein Schlauchboot mit mehreren Fachleuten ist inzwischen vor Ort, unterstützt durch Drohnenbeobachtungen – bewusst mit Abstand, um das Tier nicht zusätzlich zu stressen.

Ein Greenpeace Boot nähert sich dem Buckelwal, der am Vormittag immer noch vor der Insel Poel festsitzt.
Copyright: Marcus Golejewski/dpa
Für „Timmy“, den Buckelwal, hätte ohnehin eine Odyssee begonnen, um den beschwerlichen Weg zurück in den Atlantik zu finden. Die Route führt aus der Ostsee entlang der dänischen Küste nach Norden. Von der Wismarer Bucht aus müsste das Tier zunächst die deutschen Gewässer verlassen und durch die Ostsee Richtung Dänemark schwimmen – vorbei an Kopenhagen.
Anschließend verläuft der Weg entlang der Ostküste Dänemarks bis in Höhe von Aalborg. Von dort geht es durch das Kattegat in Richtung Nordsee, vorbei an Göteborg in Schweden, und schließlich hinaus in den Atlantik. Eine lange, kräftezehrende Strecke – und für einen geschwächten Wal kaum zu bewältigen.

