Abo

„Er ist angeschlagen“Wal „Timmy“ wieder aufgetaucht – gefährliche Route wartet auf ihn

3 min
Wismar: Eine Drohnenaufnahme, herausgegeben von Greenpeace, zeigt den Buckelwal in der Wismarbucht. Inzwischen konnte sich das Tier wieder freischwimmen.

Wismar: Eine Drohnenaufnahme, herausgegeben von Greenpeace, zeigt den Buckelwal in der Wismarbucht. Inzwischen konnte sich das Tier wieder freischwimmen.

Der Wal ist wieder in der Bucht unterwegs. Wie es weitergeht, ist unklar – seine Route bleibt eine große Herausforderung für das geschwächte Tier.

Der Buckelwal vor der Ostseeküste ist wieder da. Ein Reporter der „Bild“-Zeitung entdeckte das Tier am Vormittag von der Seebrücke aus erneut in der Wismarer Bucht. In vielen Medien, etwa im „Spiegel“ oder der „Süddeutschen Zeitung“, wird das Tier inzwischen „Timmy“ genannt.

Die zunächst gute Nachricht: Nach Angaben der Zeitung sitzt der Wal offenbar nicht fest, sondern bewegt sich frei durch die Bucht. Demnach taucht er immer wieder ab und stößt beim Auftauchen sichtbar Blas aus – teils mit einer mehrere Meter hohen Fontäne. Nach ersten Beobachtungen wirke das Tier weiterhin mobil und zumindest zeitweise kräftig genug, sich selbstständig fortzubewegen.

„Timmy“ war in den frühen Dienstagmorgenstunden zunächst abgetaucht. Wie ein Sprecher der Wasserschutzpolizei erklärte, gab es bis 10 Uhr keine neue Sichtung. Ein Boot wurde vorbereitet, um bei Tageslicht nach dem Tier zu suchen und zu klären, ob es den Weg ins offene Meer geschafft hatte oder erneut festlag.

Auch aus dem Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern gab es am Morgen zunächst keine neuen Erkenntnisse. Ein Sprecher erklärte, der Wal sei zuletzt am späten Montagabend im Bereich des Wismarer Hafens gesichtet worden, habe sich anschließend jedoch wieder seewärts in Richtung Seebrücke bewegt.

Buckelwal soll angeschlagen sein

„Der Wal kämpft - aber er ist angeschlagen“, hatte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Montagabend gesagt. Jetzt müsse er sich selber helfen.

Der wissenschaftliche Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek, sagte: „Wir haben uns mit internationalen Experten ausgetauscht, die uns geraten haben, den Wal mit Lärm zu aktivieren. Dafür haben wir die richtige Situation abgewartet.“

Sandra Schöttner von der Umweltorganisation Greenpeace bezeichnete die Aktion als „guten ersten Schritt auf dem Weg“, auch wenn der Weg des Wals noch weit sei.

Untiefen, Stellnetze, Lärm: So lang und gefährlich ist die Route für den Wal

Sollte er erneut abtauchen und seine eigentliche Route aufnehmen, beginnt für den Buckelwal eine strapaziöse Odyssee zurück in den Atlantik. Von der Wismarer Bucht aus liegt eine mehrere hundert Kilometer lange Strecke vor ihm – durch die flache Ostsee, vorbei an Dänemark und durch enge, stark befahrene Meerengen bis in die Nordsee.

Der Buckelwal liegt am Nachmittag noch immer in der Wismarer Bucht.

Eine der letzten Sichtungen: Buckelwal „Timmy“ liegt am Montagnachmittag noch in der Wismarer Bucht, wirkte am Abend jedoch zeitweise agiler als zuvor.

Die Route ist voller Risiken: wechselnde Strömungen, tückische Untiefen, Stellnetze und dichter Schiffsverkehr. In den engen Passagen muss der Wal die richtige Richtung halten, während ihn Lärm und Hindernisse zusätzlich stressen.

Für ein ohnehin geschwächtes Tier wird dieser Weg zur echten Belastungsprobe. Nur wenn es ihm gelingt, tiefere, salzhaltigere Gewässer zu erreichen, hat es eine realistische Chance, sich zu erholen und zu überleben.

Hoffnungsschimmer: Wal wirkte zuletzt agiler als zuvor

Der Buckelwal lag seit mindestens Samstag in der Bucht vor Wismar in flachem Wasser und wurde von Schaulustigen abgeschirmt.

Am Montagnachmittag hatten Wissenschaftler, Umweltschützer und Umweltminister Backhaus bereits versucht, Kontakt zu dem Tier aufzunehmen. Der Wal habe auf die Annäherung des Boots reagiert, sagte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur. Auch habe das Tier agiler als zuvor gewirkt.

Eine Drohnenaufnahme herausgegeben von Greenpeace zeigt den Buckelwal in der Wismarbucht.

Eine Drohnenaufnahme herausgegeben von Greenpeace zeigt den Buckelwal in der Wismarbucht.

Nach der Aktion am Nachmittag hatte unter anderem das Ministerium mitgeteilt: „Da wir in den nächsten Stunden mit weiter steigendem Wasserstand rechnen können, verbessert sich die Möglichkeit für den Wal, aus eigenem Antrieb seine Liegeposition zu verlassen.“

Seit Anfang März an Ostseeküste

Der Buckelwal war zunächst in der Nacht zum 23. März auf einer Sandbank in Schleswig-Holstein vor Timmendorfer Strand gestrandet. In der Nacht zum Freitag gelang es dem Tier, das flache Wasser zu verlassen, nachdem Helfer eine Rinne ausgehoben hatten. Am Samstag wurde er dann vor Wismar in flachem Wasser gesichtet.

Nach Angaben des Umweltministeriums war der Wal seit dem 3. März im küstennahen Bereich der Ostsee unterwegs. Laut der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd hatte sich das Tier in einem Stellnetz verfangen. (mit dpa)