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Dank PrivatinitiativeWal Timmy in der Nordsee freigesetzt

3 min
Der Blas eines Wales, bei dem es sich vermutlich um den in einer flachen Ostsee-Bucht an der Insel Poel geborgene Buckelwal handelt, ist im Meer bei Skagen zu sehen.

Ein letzter „Gruß“ aus der Nordsee: Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal Timmy ist seit Samstagmorgen frei.

Der Buckelwal hat den Lastkahn verlassen und schwimmt in der Nordsee. Umweltminister Backhaus zeigt sich tief bewegt.

Der Buckelwal, der über Wochen die Schlagzeilen in der Ostsee beherrschte und von Medien auf den Namen „Timmy“ getauft wurde, befindet sich nun in der Nordsee. Wie Karin Walter-Mommert von der verantwortlichen privaten Rettungsinitiative gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bestätigte, verließ das Tier den für den Transport genutzten Lastkahn am Samstagmorgen gegen 8.45 Uhr eigenständig. Der Wal schwimme seither frei und schlage dabei zumindest vorerst die richtige Richtung ein.

Rettungsaktion erfolgreich: Wal schwimmt Richtung Arktis

Das Schutznetz an der Barge, das den Buckelwal bei seinem Transport aus der Ostsee bislang vom offenen Wasser trennte, ist entfernt worden.

Das Schutznetz an der Barge, das den Buckelwal bei seinem Transport aus der Ostsee bislang vom offenen Wasser trennte, ist entfernt worden.

Nach Angaben der Unternehmerin Walter-Mommert wurde beobachtet, wie der Meeressäuger bereits einen sogenannten Blas ausstieß – das typische Ausatmen nach einem Tauchgang. Aktuell bewege sich das Tier in Richtung Nordwesten. Dies gilt als ideale Route, um die norwegische Westküste zu erreichen und von dort aus weiter in Richtung Arktis zu ziehen.

Gesundheitszustand nach Transport: GPS-Tracking überwacht „Timmy“

Der Buckelwal wird in seiner Barge vom Schlepper Fortuna B entlang der dänischen Küste in Höhe unterhalb von Skagen, im sogenannten Skagerrak, durch die Ostsee gezogen (Luftaufnahme aus einem Flugzeug).

Der Buckelwal wird in seiner Barge vom Schlepper Fortuna B entlang der dänischen Küste in Höhe unterhalb von Skagen, im sogenannten Skagerrak, durch die Ostsee gezogen (Luftaufnahme aus einem Flugzeug).

Äußerliche Beeinträchtigungen seien laut der Initiative nicht festzustellen. Zwar habe der Wal durch den starken Wellengang während des Transports im Lastkahn leichtere Blessuren davongetragen, diese seien jedoch als nicht schwerwiegend einzustufen. Der weitere Weg des Tieres wird nun mithilfe eines GPS-Signals überwacht. Das Verlassen des Kahns geschah offenbar eher spontan: Ursprünglich war vorgesehen, den Wal vor der Freilassung noch einmal tierärztlich zu untersuchen.

Wochenlange Irrfahrt: Von der Wismarer Bucht in die Nordsee

Nach der geglückten Freilassung zeigte sich Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus sichtlich angefasst. Im Gespräch mit „WELT“ schilderte der SPD-Politiker seine persönlichen Eindrücke der vergangenen Wochen. „Wenn man einem Wal einmal in die Augen geschaut hat, ist man ein anderer Mensch“, so Backhaus wörtlich. Er nutzte die Gelegenheit zudem, um allen Beteiligten seinen Dank für den schließlich erfolgreichen Einsatz auszusprechen.

Der Buckelwal in seiner Barge.

Der Buckelwal in seiner Barge.

Trotz der positiven Nachrichten bleibt das Verhältnis zwischen der Politik und der privaten Rettungsinitiative angespannt. Wie Backhaus erklärte, bestehe seit vergangenem Montag kein Kontakt mehr zu den Verantwortlichen der Aktion. Dennoch hält der Minister unbeirrt an seinem Plan fest, ein Mahnmal für den Wal zu errichten.

Die Rettungsaktion hatte am vergangenen Dienstag ihren Anfang genommen, als die Initiative das Tier in den mit Wasser gefüllten Lastkahn lotste. Ein Schlepper brachte den Kahn anschließend durch dänische Hoheitsgewässer bis in die Nordsee. Das Vorgehen war unter Experten durchaus umstritten. Auf aktuellen Livebildern des Streamingdienstes „News5“ ist mittlerweile nur noch der leere Transportbehälter zu sehen.

Der im Atlantik heimische Buckelwal hatte sich seit Anfang März in der für ihn untypischen Ostsee verirrt. Dabei strandete er mehrfach und verfing sich zwischenzeitlich in Fischernetzen. Zuletzt lag der Säuger rund vier Wochen lang in einem Seitenarm der Wismarer Bucht nahe der Insel Poel auf Grund, bevor die aufwendige Überführung in die Nordsee startete. (mit afp)