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Gestrandeter Buckelwahl„Timmy“ irrte zwei Stunden durch die Bucht – und sitzt wieder fest

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Die Rettungsaktion in der Ostsee vor der Insel Poel hat einen weiteren Rückschlag erlitten. Aber es gibt noch Hoffnung.

Wechselbad der Gefühle an der Ostsee: Der an der mecklenburg-vorpommerschen Ostseeküste gestrandete Buckelwal hatte sich am frühen Montagmorgen überraschend befreien können, nachdem der Wasserpegel über Nacht gestiegen war. Auf Livestreams im Internet war zu verfolgen, wie der Meeressäuger davonschwamm.

Der Meeressäuger zeigte zunächst aktive Bewegungen und schwamm dann gegen 7:15 Uhr aus dem Bild des Streams. Dann drehte er Runden durch die Bucht der Insel Poel und war kurze Zeit später erneut auf den Kamerabildern zu sehen. Leider zog es „Timmy“ nicht in die richtige Richtung, um das offene Meer zu erreichen. Zwei Stunden später steckte er wieder fest. 

Drama um gestrandeten Buckelwal in der Ostsee

Der seit Stunden verharrende Buckelwal vor der Insel Poel soll dazu gebracht werden, sich wieder weiterzubewegen. Das Tier liege nach vorliegenden Erkenntnissen nicht vollständig auf, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Montagmittag.

Der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal schwimmt wieder.

Der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal schwimmt wieder.

Ein Sprecher des Umweltministeriums sagte, nach seinem Wissen sei der Ausgang des Kirchsees teils sehr flach. Der Wal müsste demnach einen Bogen schwimmen, um gut herauszukommen. Das Fahrwasser sei etwa zweieinhalb bis drei Meter tief. Ansonsten sei die Bucht etwa zwischen 90 Zentimeter und 1,10 Meter tief. Deutlich tiefer ist seinen Angaben nach das Fahrwasser der sich anschließenden Wismarbucht mit mehr als neun Metern. Durch die Wismarbucht müsste der Wal schwimmen, um in die Ostsee zu gelangen.

Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, der die Aktion zusammen mit der Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag, der Wasserstand sei gestiegen, was ein Anbringen der Pontons und ein Begleiten des Wals wie geplant unmöglich mache. „Gestern hätten wir die richtige Wasserhöhe noch gehabt“, sagte er. „Heute haben wir plötzlich 70 Zentimeter mehr.“ Das sei eine ganz andere Situation.

Buckelwal-Odyssee sorgte bundesweit für Aufsehen

Der Wal registriere vollumfänglich, dass er völlig frei sei. Daher sei die Frage, „ob sich dieser Wal noch geleiten lässt“. Das lang erdachte Konzept sei so nicht durchzusetzen. „Jetzt sind wir quasi irgendwo Stunde null.“ Erschwerend für die Rettungsaktion könnte auch auffrischender Wind sein, der erwartet wird.

Eine monatelange Odyssee liegt hinter dem Wal: Seit Anfang März tauchte er immer wieder an der Ostseeküste auf, zuerst im Hafen von Wismar, dann in der Lübecker Bucht und schließlich bei Steinbeck im Kreis Nordwestmecklenburg. Dabei verfing er sich mehrfach in Fischernetzen. Einsatzkräfte und die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd halfen ihm, sich von einem Teil der Netze zu befreien.

Der Wal hatte sich in der Vergangenheit schon mal aus eigener Kraft freischwimmen können, sich dann aber wieder festgesetzt. Vor Poel setzte er sich schließlich zum dritten Mal fest – dieses Mal für ganze 21 Tage. Der Buckelwal ist laut Messungen des Umweltministeriums 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch und durch die Strapazen sichtlich geschwächt. (mbr/dpa)