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TV-Sender zieht ReißleineUmstrittene Doku über Natascha Kampusch plötzlich gestoppt

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Natascha Kampusch zu Gast beim Sat1 Frühstücksfernsehen

Natascha Kampusch wurde über Jahre 

Die mittlerweile 38-jährige Kampusch hat einen Kollaps erlitten. Nun reagiert der ORF. 

Der Österreichische Rundfunk (ORF) hat die Ausstrahlung einer kontroversen Dokumentation über Natascha Kampusch vorerst gestoppt. Der für Montagabend geplante Sendetermin wird daher zunächst nicht eingehalten. Als Begründung führte der Sender Differenzen an, die Kampuschs Persönlichkeitsrechte betreffen. Es sei Zeit für eine endgültige Klärung der Angelegenheit erforderlich.

Die Entscheidung wurde von der Opferhilfeorganisation Weißer Ring begrüßt. Bereits zuvor hatte die Institution dem ORF ihre Bedenken mitgeteilt und eine juristische Überprüfung eingeleitet. Laut der Organisation kann mediales Interesse für Opfer sehr belastend sein und nicht absehbare Konsequenzen nach sich ziehen. Durch die vorherige Berichterstattung sei außerdem schon ein erheblicher Nachteil entstanden.

Natascha Kampusch: ORF nimmt Sendung aus dem Programm

Die Reportage mit dem Titel „Natascha Kampusch – Gefangen in Freiheit“ war anfänglich für den 16. März auf ORF 2 geplant. In der 95 Minuten langen Ausstrahlung im „Thema-Spezial“-Format sollte ebenfalls die Familie von Kampusch zu Wort kommen. Der Reporter Christoph Feurstein beabsichtigte, darin den Werdegang des Entführungsopfers seit ihrem Verschwinden am 2. März 1998 bis in die Gegenwart darzustellen.

Vorabmeldungen, dass die mittlerweile 38-jährige Kampusch einen Kollaps erlitten habe, führten zu kritischen Reaktionen. Besonders die Werbung des ORF für die Sendung, die auf ihren gesundheitlichen Zustand verwies, wurde stark kritisiert. Laut der österreichischen Zeitung „Der Standard“ sollen sich auch die Mediziner, die Natascha Kampusch behandeln, gegen die Vorführung der Dokumentation gewandt haben.

Natascha Kampusch befreite sich 2006 aus der Gewalt von Wolfgang Priklopil

Nach ihrer Befreiung im Jahr 2006 aus der Gewalt von Wolfgang Priklopil zweifelten viele Menschen an ihrer Geschichte. Hochrangige Staatsvertreter stempelten sie als Lügnerin ab.

Nach ihrer Flucht stand Kampusch stark im öffentlichen Fokus. 2010 veröffentlichte sie ihre Autobiografie „3096 Tage“, in der sie ihre Erlebnisse und die Zeit danach beschreibt. Später entstand auch eine Verfilmung des Buches. Außerdem engagierte sie sich mit einer eigenen Initiative/Stiftung zeitweise im Bereich Opferschutz, trat aber insgesamt eher punktuell öffentlich auf. (mbr)