Die Glienicker Brücke in Brandenburg spielt im neuen ZDF-“Havelland-Krimi - Hinter der Fassade“ eine zentrale Rolle. Die wahre Geschichte der Brücke ist so filmreif, dass Starregisseur Steven Spielberg sie mit Superstar Tom Hanks einst verfilmte.
Steven Spielbergs „Bridge of Spies“ ist Drehort der neuen Reihe „Havelland-Krimi“

Ende 2014 drehte Starregisseur Steven Spielberg (links) mit Hollywoodstar Tom Hanks an und auf der Glienicker Brücke Szenen für den Historienfilm „Bridge of Spies“. Einen Besuch am Set ließ sich die damalige Kanzlerin Angela Merkel nicht entgehen. (Bild: Guido Bergmann/Bundesregierung via Getty Images)
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Brandenburg gilt als Filmland, und das nicht nur wegen der Filmstadt Babelsberg. Die Landschaft mit den vielen Seen und Wäldern scheint es ebenso wie die interessante Architektur und die alten DDR-Bauten den Serien- und Filmemachern angetan zu haben. So entstanden in Brandenburg beispielsweise Szenen für Quentin Tarantinos Kinohit „Inglourious Basterds“, die Literaturverfilmung „Cloud Atlas“ sowie Wolfgang Beckers Dramödie „Good Bye, Lenin!“ und die Serien „Dark“, „Babylon Berlin“ und „Deutschland 83“.
Ein Bauwerk, das nun auch im Auftaktfilm der neuen ZDF-Reihe „Havelland-Krimi - Hinter der Fassade“ (Samstag, 9. Mai, 20.15 Uhr) immer wieder zu sehen ist, nachdem in der Nähe eine Leiche gefunden wurde, ist die Glienicker Brücke. Sie führt über die Havel und verbindet Berlin mit Potsdam. Während der deutsch-deutschen Teilung verlief die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland genau über die Mitte der Brücke.
Schon Helmut Käutner drehte 1944 den Filmklassiker „Unter den Brücken“ an der Glienicker Brücke, einen Schwarz-Weiß-Film über Liebe und Freundschaft mit Carl Raddatz, Gustav Knuth, Hannelore Schroth - und der jungen Hildegard Knef in einer ihrer ersten Rollen. Als Heike Makatsch „die Knef“ später in der Filmbiografie „Hilde“ verkörperte, entstanden an der Brücke ebenfalls Szenen. In der Agentenkomödie „Kundschafter des Friedens“ (2016) mit Jürgen Prochnow und Henry Hübchen als West- und Ostspion kommt es an der Glienicker Brücke wiederum zum Showdown.
Wie die Glienicker Brücke zur „Brücke der Spione“ wurde
Agenten sind auch das Stichwort für die filmreife Geschichte der so harmlos wirkenden Eisenbrücke. Denn hier fanden während des Kalten Krieges mehrere Agentenaustausche zwischen Ost und West statt. Den ersten verfilmte Regisseur Steven Spielberg mit Hollywoodstar Tom Hanks unter dem Filmtitel „Bridge of Spies“ (2015).
Im Zentrum der spektakulären Geschichte stehen Rudolf Abel und Francis Gary Powers. Der eine ein sowjetischer Spion, der in den USA Geheimnisse ausspitzelte, der andere ein US-Pilot, der russische Raketen-Basen auskundschaftete. Abel wurde 1957 geschnappt, Powers drei Jahre später. Tom Hanks verkörpert in „Bridge of Spies“ James Donovan, den Anwalt von Rudolf Abel, der den Austausch mit Powers mit vorantrieb.
Am 10. Februar 1962 war es soweit. Im Morgengrauen schickte man die beiden Agenten auf die Glienicker Brücke, wo sie sich genau in der Mitte passierten, als sie langsam die Seiten Richtung Freiheit wechselten. Die Szene bildet im Hollywoodstreifen den spannenden Höhepunkt.
Eine ganze Woche wurde die Brücke, die heute Teil der Bundesstraße 1 ist, für die Dreharbeiten gesperrt, sogar die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel stattete Steven Spielberg und Tom Hanks einen Besuch ab und ließ ein Erinnerungsfoto knipsen. Damit alles noch atmosphärischer und winterlicher wirkte, schüttete die Crew über sieben Tonnen Kunstschnee und -Eis auf die Brücke. Dreimal soll Regisseur Spielberg die Dreharbeiten unterbrochen haben, um Rettungsfahrzeuge die Brücke passieren zu lassen.
1985 und 1986 kam es auf der Glienicker Brücke zwei weitere Male zu Agentenaustauschen. Einen Tag nach dem Mauerfall wurde die gesperrte Brücke wieder geöffnet. Ein Metallstreifen in ihrer Mitte erinnert an die dort verlaufene deutsch-deutsche Grenze. Mark Rylance, der in „Bridge of Spies“ den Agenten Abel verkörperte, erhielt für sein Spiel 2016 den Oscar als bester Nebendarsteller. (tsch)