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Update

Drama um Buckelwal
Peilsender funktioniert weiterhin nicht – keine Spur von „Timmy“

3 min
Nach seiner Freilassung am Samstagmorgen schwamm Buckelwal „Timmy“ in Richtung offenes Meer davon.

Nach seiner Freilassung am Samstagmorgen schwamm Buckelwal „Timmy“ in Richtung offenes Meer davon.

Seit Samstagmorgen schwimmt der Buckelwal in der offenen Nordsee. Allerdings bleibt sein Schicksal ungewiss.

24 Stunden nach der scharf kritisierten Freilassung des Buckelwals „Timmy” herrscht am Sonntag (3. Mai) weiterhin große Ungewissheit über seinen Verbleib. Offensichtlich funktioniert der angebrachte Peilsender der verantwortlichen Privatinitiative nicht richtig. Dies sorgte gleichzeitig für große Spannungen im Rettungsteam.

Eine Initiatorin der Rettungsaktion, Karin Walter-Mommert, sagte am Sonntag, der an dem Wal befestigte Peilsender funktioniere nur eingeschränkt. Daher lägen ihr keine aktuellen Standortdaten von „Timmy“ vor. Man versuche aber, mit Hochdruck das Problem zu lösen.

Der Buckelwal wurde in seiner Barge entlang der dänischen Küste durch die Ostsee gezogen.

Der Buckelwal wurde in seiner Barge entlang der dänischen Küste durch die Ostsee gezogen.

Wal-Drama: Wo ist „Timmy“? Wie geht es ihm?

Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer: Immer wenn „Timmy“ auftaucht und der Tracker kurz an die Luft kommt, sendet er Vitalwerte. Laut Karin Walter-Mommert seien diese „im grünen Bereich. Wenn das die nächsten 14 Tage so weitergeht, sind wir glücklich.“ Die kommenden zwei Wochen gelten als kritische Phase. Schafft „Timmy“ sie, stehen seine Überlebenschancen gut.

Die ersten Signale vom Samstagnachmittag deuteten darauf hin, dass der Buckelwal nach seiner Freilassung in die richtige Richtung geschwommen sei. „Timmy“ sei Richtung Nordwesten geschwommen, um die norwegische Atlantikküste zu erreichen. Seitdem habe man die Spur von „Timmy“ verloren. Niemand weiß, wo sich der Wal aktuell befindee. 

Sollte das geschwächte Tier ertrinken und auf den Meeresgrund sinken, würde ein GPS-Sender keine Positionsdaten mehr übermitteln. Solche Geräte senden ihren Standort nämlich nur, wenn das Tier an die Wasseroberfläche kommt.

Buckelwal „Timmy“: Defekter Peilsender sorgt für Ärger

Neben dem defekten Peilsender sorgt auch ein Videosystem zur Nachbeobachtung des Tieres für Streit, da es trotz Absprache nicht installiert wurde. Umweltminister Till Backhaus kritisiert die Situation scharf: Die Übermittlung der Daten sei vereinbart gewesen und wiederholt angefordert worden, aber bislang sei sie ausgeblieben.

Der Buckelwal lag ein paar Tage in dieser Barge.

Der Buckelwal „Timmy“ lag ein paar Tage in dieser Barge.

Am Samstagmorgen gelangte das Tier dann gegen 08:45 Uhr im Skagerrak in einer von Walter-Mommert als voreilig und chaotisch beschriebenen Aktion ins Meer. Wie genau „Timmy“ die Barge verlassen hat, bleibt weiterhin unklar.

Freilassung von Buckelwal „Timmy“ lief chaotisch ab

Besonders brisant sind die geschilderten Abläufe vor der Freilassung. Es war auch von leichten Blessuren die Rede, die der Wal im oder beim Verlassen des Lastkahns erlitten habe. „Wir hätten ihn gern noch ein ganzes Stück weiter begleitet“, sagte Walter-Mommert und distanzierte sich ausdrücklich von der „Art und Weise“ der Freilassung des Wals. Die Schlepperbesatzung habe offensichtlich den Einsatz voreilig beenden wollen.

Die teils scharf kritisierte Rettungsaktion für das Tier wurde maßgeblich von Karin Walter-Mommert und dem Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz initiiert und finanziert. Walter-Mommert kündigte an, sich weiterhin für den Tierschutz und konkret für die Rettung von Walen engagieren zu wollen – auch im Fall möglicher neuer Strandungen von Meeressäugern. „Ich würde es immer wieder machen“, sagte sie.

Der im Atlantik beheimatete Meeressäuger hielt sich seit Anfang März vor der deutschen Ostseeküste auf und strandete dabei mehrfach. Offenbar hatte er sich zuvor in Netzen verfangen, denn Reste davon wurden in seinem Maul festgestellt. Rund vier Wochen lang lag das Tier in einem Seitenarm der Wismarer Bucht nahe der Insel Poel auf Grund. (mbr/afp)