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„Gynäkollege“ Mertcan Usluer„Wir können gar nicht alle fair behandeln“

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Im Podcast „Talk mit K“ spricht Mertcan Usluer über Diskriminierung, Machtstrukturen, fehlendes Wissen über den weiblichen Körper – und welche Folgen das hat.

Arzt, Aktivist, Influencer – und für viele besser bekannt als „Gynäkollege“ Dr. Mertci: In dieser Folge von „Talk mit K“ ist Mertcan Usluer zu Gast. Auf Instagram erreicht er mit seinen Aufklärungsvideos hunderttausende Menschen, spricht über Gynäkologie, gesellschaftliche Ungleichheiten und darüber, warum Medizin alles andere als neutral ist. „Wir können gar nicht alle fair behandeln“, sagt Usluer.

Er klärt niedrigschwellig auf, übersetzt komplexe medizinische und gesellschaftliche Themen verständlich – und erreicht damit Menschen, die sonst vielleicht nie mit diesen Themen in Berührung kommen würden. Gleichzeitig ist das Internet für ihn auch ein Schutzraum: ein Ort, an dem er Missstände ansprechen kann, ohne sich im Klinikalltag permanent angreifbar zu machen.

Unser Gesundheitssystem sei noch immer stark auf den männlichen Standardkörper ausgerichtet, sagt der promovierte Mediziner im Gespräch mit Anne Burgmer. Die Folge? Krankheiten werden bei Frauen oft später oder gar nicht erkannt – mit teilweise lebensbedrohlichen Konsequenzen.Usluer will deshalb nicht nur medizinisches Wissen vermitteln.

Es geht ihm um Machtstrukturen, um gesellschaftliche Prägungen – und um die Frage, wer in der Medizin überhaupt gesehen wird. Er erklärt, warum Diagnosen, Leitlinien und sogar technische Geräte bis heute von rassistischen und patriarchalen Strukturen beeinflusst sind: „Rassismus steckt auch in der Medizin.“ Und warum das dazu führt, dass manche Menschen schlechter behandelt werden als andere – oft, ohne dass es den Behandelnden bewusst ist.

Gleichzeitig erzählt er sehr persönlich von seinem eigenen Weg: vom Traum, Basketballprofi zu werden, über das Medizinstudium bis hin zu Erfahrungen mit Rassismus im Klinikalltag. Er spricht über Mobbing, über 24-Stunden-Dienste und über einen Punkt, an dem es nicht mehr ging – bis hin zum Burnout. „Es ist grob fahrlässig, wie wir arbeiten“, sagt er. Deshalb entschied er sich, das System nicht einfach hinzunehmen, sondern öffentlich darüber zu sprechen.


Am 26. März, 20 Uhr, spricht Mertcan Usluer im Kölner Schauspielhaus mit Traudl Bünger in der Reihe „Baby, don’t give up“ über seine Arbeit. Tickets gibt es hier.