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Fehlende Epstein-Akten veröffentlichtZeugin erhob in FBI-Befragung schwere Vorwürfe gegen Trump

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Jeffrey Epstein zusammen mit Donald Trump auf einer Archivaufnahme.

Jeffrey Epstein zusammen mit Donald Trump auf einer Archivaufnahme.

Unter Druck veröffentlicht die US-Regierung weitere Epstein-Akten – darunter FBI-Protokolle, die bisher zurückgehalten wurden. 

Nach Kritik am Fehlen Zehntausender Dokumente in den Epstein-Akten hat das US-Justizministerium unter anderem drei zwischenzeitlich zurückgehaltene Vernehmungsprotokolle veröffentlicht. Dabei handelt es sich Medienberichten zufolge um FBI-Memos zu Befragungen einer Frau, die 2019 aussagte, als Minderjährige sexuelle Übergriffe unter anderem von US-Präsident Donald Trump erlebt zu haben.

Laut den unbestätigten Vorwürfen sollen sich die Übergriffe in den 1980er Jahren im Zusammenhang mit dem 2019 verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ereignet haben. Im Alter von 13 bis 15 Jahren sei sie sowohl von Epstein als auch von Trump missbraucht worden, erklärte die Frau demnach damals.

Aussagen über Trump: Weißes Haus spricht von „gestörter Frau“

Karoline Leavitt, Pressesprecherin des Weißen Hauses, bezeichnete die nun veröffentlichten Aussagen als „völlig haltlose Anschuldigungen, für die es keinerlei glaubwürdige Beweise gibt“. Sie stammten von einer „leider gestörten Frau mit einer umfangreichen kriminellen Vergangenheit“, fügte Leavitt hinzu.

Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, spricht während eines Briefings.

Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, spricht während eines Briefings.

US-Präsident Trump sei durch die Veröffentlichung der Epstein-Akten „vollständig entlastet“ worden, hieß es weiter aus dem Weißen Haus. Trump habe „absolut nichts falsch gemacht“, so Leavitt. Der US-Präsident hat stets jegliches Fehlverhalten im Kontext der Epstein-Vorwürfe bestritten und wurde diesbezüglich nicht angeklagt. Es gibt keinerlei Beweise dafür, dass Trump an Epsteins Sexhandelsring beteiligt war. 

Frau berichtete über Donald Trump und Jeffrey Epstein

In den jetzt veröffentlichten Akten behauptet die Frau (deren Name geschwärzt ist), dass Epstein sie im Alter zwischen 13 und 15 Jahren entweder nach New York oder New Jersey mitgenommen habe, wo er sie „in einem sehr hohen Gebäude mit riesigen Räumen“ Trump vorgestellt habe. 

Es seien noch andere Personen anwesend gewesen, an deren Identität sie sich jedoch nicht erinnern könne, hieß es weiter in der Befragung. Trump habe schließlich „etwas in der Art von: ‚Ich werde dir beibringen, wie kleine Mädchen sich zu benehmen haben‘“ gesagt, berichtete die Frau. Dann soll Trump seine Hose geöffnet und ihren Kopf „auf seinen Penis“ gedrückt haben, hieß es weiter. Sie habe daraufhin „kräftig zugebissen“, berichtete die Frau gegenüber dem FBI.

Trump habe sie deshalb an den Haaren gezogen und ihr gegen den Kopf geschlagen. „Schafft diese kleine Schlampe hier raus“, soll Trump außerdem gesagt haben, ehe wieder andere Personen hinzugekommen seien. Informationen darüber, wie der Vorfall endete oder wie die Frau aus dieser Situation herauskam, sind in den FBI-Befragungsprotokollen unterdessen nicht enthalten, die nun vom US-Justizministerium veröffentlicht wurden.  

Fehlende FBI-Protokolle: US-Ministerium spricht von Irrtum

Eine Prüfung habe ergeben, dass insgesamt 15 Dokumente irrtümlicherweise als Dubletten markiert und als solche zunächst entfernt worden waren, teilte das Ministerium auf der Plattform X mit. Zudem habe sich bei fünf als vertraulich eingestuften Vernehmungsprotokollen herausgestellt, dass sie doch veröffentlicht werden könnten. „Geheimhaltungsbedürftiges Material“ werde weiterhin geschützt, hieß es weiter.

Analysen verschiedener US-Medien hatten zuvor ergeben, dass bei den Millionen der vom Justizministerium freigegebenen Akten zum Epstein-Skandal mehr als 47000 Dateien mindestens vorübergehend entfernt wurden, darunter auch jene Vernehmungsprotokolle der Bundespolizei. Wie der Sender ABC News anmerkt, beinhaltet die neuerliche Veröffentlichung in den Epstein-Akten weiterhin keine handschriftlichen Anmerkungen des FBI zu den Vernehmungen.

„Epstein Files Transparency Act“ als Grundlage

Die Veröffentlichungen erfolgen auf Grundlage des „Epstein Files Transparency Act“, der das Justizministerium verpflichtet, große Teile der Ermittlungsakten öffentlich zugänglich zu machen. Der US-Multimillionär Epstein hatte jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem viele junge Frauen und auch Minderjährige zum Opfer fielen.

Trump selbst hatte im Wahlkampf stets die Veröffentlichungen der Epstein-Akten angekündigt – war diese dann nach Amtsantritt jedoch lange schuldig geblieben. In den mittlerweile veröffentlichten Akten wird der Name des US-Präsidenten oft erwähnt. Weiterhin gibt es scharfe Kritik aus dem demokratischen Lager an Trumps früherer Freundschaft mit Epstein und seinem Umgang mit den Vorwürfen gegen seinen einstigen Geschäftspartner und Freund.

Kritik an Donald Trump reißt nicht ab: „Es wird Zeit, ihn vorzuladen“

Trump sah sich unterdessen bereits zuvor mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs konfrontiert, darunter Anschuldigungen von mehreren Frauen, die während des Präsidentschaftswahlkampfs 2016 an die Öffentlichkeit getreten waren. Im Jahr 2023 wurde der Republikaner dann von einem Bundesgericht wegen sexuellen Missbrauchs und Verleumdung der Schriftstellerin E. Jean Carroll für schuldig befunden.

Dass die brisanten Protokolle mit den Anschuldigungen gegen Trump nun zunächst zurückgehalten wurden, sorgt derweil für neue Kritik an der US-Regierung. Das Justizministerium habe offenbar „illegalerweise FBI-Befragungen mit dieser Überlebenden zurückgehalten, die Präsident Trump abscheulicher Verbrechen beschuldigte“, kritisierte der demokratische Kongressabgeordnete Robert Garcia noch bevor die Akten schließlich veröffentlicht wurden. 

Die Kritik ebbt auch nach der Freigabe jedoch nicht ab. Melanie Stansbury, ebenfalls eine demokratische Kongressabgeordnete, verbreitete die Akten am Freitag (6. März) bei X. „FBI-Vernehmungen von Epsteins/Trump Anklägerin – lesen Sie selbst“, schrieb Stansbury. „Es wird Zeit, Trump vorzuladen“, fügte die Demokratin hinzu. (mit dpa)