Die AfD-Chefin ruft den zerstrittenen Landesverband zur Geschlossenheit auf – und fand deutliche Worte für den Verfassungsschutz.
„Um es mal ganz deutlich zu sagen“Weidel attackiert Verfassungsschutz bei AfD-Parteitag in NRW

Alice Weidel, Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, spricht beim Landesparteitag der AfD. Die AfD NRW wählt auf einem Parteitag einen neuen Landesvorstand.
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Begleitet von lautstarken Protesten von Demonstranten hat der Parteitag der nordrhein-westfälischen AfD in Marl begonnen. Ein gutes Jahr vor der Landtagswahl wählen rund 500 Delegierte des mitgliederstärksten AfD-Landesverbandes einen neuen Vorstand. Der gemäßigt auftretende Landeschef Martin Vincentz stellt sich zur Wiederwahl.
Die AfD NRW befindet sich in einem Machtkampf zwischen einem eher moderat auftretenden und einem äußerst rechten Lager. AfD-Landeschef Vincentz wird herausgefordert von den beiden Bundestagsabgeordneten Fabian Jacobi und Christian Zaum, die als Doppelspitze antreten wollen. Der Ausgang der Wahl gilt als ungewiss.
AfD-Partei in Marl: Alice Weidel ruft zu Geschlossenheit auf
Die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel rief den tief zerstrittenen Landesverband zur Geschlossenheit auf. Besonders im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW werde eine „handlungsfähige und schlagkräftige“ AfD gebraucht, sagte Weidel in einem Grußwort. Der größte Landesverband müsse als „geeint und vertrauenswürdig“ wahrgenommen werden, der angriffslustig gegen die Regierung auftrete und alle einbinde, die sich engagieren wollten.

Die Delegierten empfangen Alice Weidel, Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion (nicht im Bild), mit Applaus. Die AfD NRW wählt auf einem Parteitag einen neuen Landesvorstand.
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Der umstrittene, äußerst rechte Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich, der in erster Instanz aus der Landespartei ausgeschlossen wurde, bekam keinen Zutritt zum Parteitag. Helferich sei keine Gästeakkreditierung ausgestellt worden, sagte ein AfD-Sprecher. Der Dortmunder Helferich gilt als Strippenzieher des extrem rechten Lagers in der AfD NRW.
Proteste vor der Parteitagshalle besonders laut bei Alice Weidel
Vor der Zufahrt zur Parteitagshalle in einem Gewerbegebiet in Marl versammelten sich nach Polizeiangaben in der Spitze rund 330 Demonstranten zu lautstarkem Protest. Sie hielten Plakate mit den Aufschriften „Vetternwirtschaft AfD“ und „AfD-Verbot jetzt“ hoch. Besonders laut seien die Proteste gewesen, als AfD-Chefin Weidel in ihrer Limousine vorbeigefahren sei, berichtete der WDR.
Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort und will ein direktes Aufeinandertreffen der Protestierenden und AfD-Mitglieder verhindern. „Wir setzen uns ein für Demokratie, Toleranz, Solidarität und Vielfalt, und das sind alles Werte, gegen die die AfD steht und die sie abschaffen will, und deshalb zeigen wir hier unser Gesicht und Flagge“, zitierte der WDR ein Mitglied des Recklinghausener Bündnisses „Es reicht“, das zu den Protesten aufgerufen hatte.
Alice Weidel spottet über Einstufung von AfD-Jugendorganisation
Nur einen Tag vor Beginn des Parteitags hatte unterdessen der NRW-Verfassungsschutz die neue AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland (GD) in NRW als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestuft. Der einflussreiche Jugendverband stellte sich im parteiinternen Machtkampf gegen Vincentz und will in Marl dessen Herausforderer Zaum und Jacobi unterstützen.
Auch die AfD-Bundesvorsitzende Weidel positionierte sich beim Parteitag in Marl indirekt – und stellte sich hinter die AfD-Jugendorganisation. „Wir stehen voll hinter der Generation Deutschland“, sagte Weidel in Marl. Die Einstufung des Jugendlandesverbands durch den NRW-Verfassungsschutz sei „ein weiterer Orden, den man sich hier ans Revers klemmen kann“, fügte die AfD-Chefin hinzu. „Um es mal ganz deutlich zu sagen: Es ist an Lächerlichkeit kaum zu unterbieten“, hieß es weiter von Weidel. (das/dpa)

