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FDP-Landeschef für BundesvorsitzHöne soll der „Christian Lindner 2.0“ werden

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Henning Höne,Vorsitzender der FDP in NRW, spricht mit Ex-Bundeschef Christian Lindner.

Henning Höne,Vorsitzender der FDP in NRW, spricht mit Ex-Bundeschef Christian Lindner.

Henning Höne will den glücklosen Christian Dürr als Parteichef des Bundes-FDP beerben. Der Landeschef stünde für einen Neuanfang. 

Henning Höne will  beim Bundesparteitag im Mai Bundesvorsitzender der FDP werden. Das kündigte der  Landesvorsitzende der Liberalen in NRW, der zugleich Chef der Landtagsfraktion ist, in einem Interview mit der FAZ an. Der Politiker aus dem Münsterland ist bereits jetzt stellvertretender Bundesvorsitzender. Nachdem die FDP bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war, hatte Höne von einer „existenziellen Krise“ gesprochen. Seit der Bundestagswahl sei „kein Neuanfang gelungen“.

In den vergangenen Tagen war darüber spekuliert worden, ob Höne gemeinsam mit Marie-Agnes Strack-Zimmermann eine Doppelspitze bilden könnte. Für einen solchen Schritt wäre allerdings eine Satzungsänderung erforderlich, für die eine Zweidrittelmehrheit beim Bundesparteitag erzielt werden müsste. In Parteikreisen hieß es, das Szenario sei unrealistisch, weil die Europaabgeordnete innerhalb der FDP umstritten sei. Höne erklärte jetzt, er wolle alleine antreten.

Die Kandidatur des Landeschefs wird innerhalb der NRW-FDP als „mutiger Schritt“ gewertet. Im Gegensatz zu Strack-Zimmermann oder Wolfgang Kubicki, dem auch Interesse an einer Bewerbung nachgesagt wird, ist der 39-Jährige bundesweit nur wenig bekannt. Anders als mögliche Mitbewerber sei er aber nicht durch eine „Vergangenheit in der Ampel-Regierung“ belastet. Höne könnte für einen Neustart stehen.

Erinnerungen an 2017

Schon 2017 war der FDP aus NRW heraus ein Comeback in der Bundespolitik gelungen, damals mit Christian Lindner als Spitzenkandidaten, der die Liberalen zuvor in die vom damaligen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) geführte NRW-Landesregierung gebracht hatte. Diesmal dürfte die Ausgangslage ungleich schwieriger sein. Sollte die FDP bei den nächsten Landtagswahlen ebenfalls schlechte Ergebnisse erzielen, könnte das als Fehlstart für Höne gewertet werden. Das wäre auch für die NRW-Wahl im Mai 2027, bei der Höne der Spitzenkandidat der Liberalen sein soll, eine schwere Hypothek.

Der studierte Betriebswirt macht seit 2012 für die Liberalen im Landtag Politik. 2017 wurde er zum Fraktionsgeschäftsführer gewählt. Als die FDP bei den Landtagswahlen im Jahr 2022 von den Grünen als Koalitionspartner der CDU abgelöst wurde, trat Höne an, um dem damaligen Parteichef Joachim Stamp nachzufolgen. Obwohl es keinen Gegenkandidaten gab, fiel das Wahlergebnis desaströs aus. Nur 54,5 Prozent der Delegierten stimmten für ihn. Die Jungen Liberalen kritisierten damals, der FDP sei die Loyalität zur CDU wichtiger gewesen als die Überzeugungen der eigenen Partei.

Bei seiner Wiederwahl als Parteichef zwei Jahre später gelang Höne dann mit 79 Prozent ein passabler Erfolg. Höne habe sich „deutlich nach vorne entwickelt“, sagte ein Mitglied des FDP-Landesvorstands unserer Zeitung. Er sei zwar noch kein „Christian Lindner 2.0“, aber er arbeite daran.

„Größtmögliche Freiheit für jede und jeden“

Höne erklärte in dem Interview, die FDP habe „alle Chancen auf ein erfolgreiches Comeback“. Sollte ihn der Parteitag wählen, käme „eine Menge harter Arbeit“ auf ihn zu. „Aber ein Neuanfang bedeutet eben auch neue Köpfe und die Einsicht, dass man sich ein neues Profil erarbeiten und für anderes bekannter werden muss. Ich bin bereit, dafür alles zu tun, was notwendig ist“, so Höne.

Der Markenkern sei: „Größtmögliche Freiheit für jede und jeden.“ Man müsse den Bürgern zeigen, dass man an sie glaube. „Das ist etwas sehr Kraftvolles, von da aus werde ich die FDP neu aufstellen“, so der Politiker aus Coesfeld.

Schon im nächsten Jahr stehen bei der FDP turnusgemäß Vorstandswahlen an. Sollte Höne Vorsitzender werden, müsste er sich bereits 2027 einer Wiederwahl stellen. Ein ordentliches Ergebnis bei der NRW-Wahl könnte Rückenwind bringen. Ein Scheitern bei der Landtagswahl wäre wohl eher ein Signal dafür, erneut über neue Köpfe nachzudenken.