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Aktion soll Olympia-Kritiker überzeugenGrünen-Chef turnt auf Schwebebalken

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Grünen-Chef Tim Achtermeyer trainiert mit den Turnern an der Deutschen Sporthochschule Köln, um Werbung für Olympia zu machen.

Grünen-Chef Tim Achtermeyer trainiert mit den Turnern an der Deutschen Sporthochschule Köln, um Werbung für Olympia zu machen.

Die Idee, Olympia in NRW auszurichten, trifft nicht überall auf ungeteilte Zustimmung. Tim Achtermeyer, Chef der Grünen in NRW, zog jetzt selbst den Sportdress an, um für die Ausrichtung der Wettbewerbe an Rhein und Ruhr zu werben.

Das Training  findet am Olympiastützpunkt der Sporthochschule in Köln statt. Im Gebäude 9C steht ein Turner auf dem Schwebebalken und balanciert über das Sportgerät. Gut, da ist noch Luft nach oben, aber die Athleten, die ihn beobachten, spenden Applaus. Denn hier turnt kein Profi, sondern ein Politiker, der mit seinem Gastauftritt Werbung für Olympia in NRW machen will.  „Köln als Leading City wäre das perfekte Aushängeschild für Nordrhein-Westfalen“, sagt Tim Achtermeyer, der Landeschef der NRW-Grünen, nach der Einheit im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Noch 20 Tage haben die Menschen in den 17 NRW-Kommunen, in denen 2036, 2040 oder 2044 Olympische Spiele stattfinden sollen, Zeit, um über das Großevent abzustimmen. Die schwarz-grüne Landesregierung versucht die Bürger mit Plakaten und Videoinstallationen für die Ausrichtung der Wettbewerbe zu gewinnen. Achtermeyer zog jetzt selbst den Sportdress an. „Das Training mit den Turnerinnen und Turnern hat mich sehr beeindruckt“, erklärt der Politiker aus Bonn. Ihr Einsatz, ihre Disziplin und ihr Teamgeist würden zeigen, wie viel Leidenschaft und Arbeit hinter dem Leistungssport stehe. „Für diese jungen Menschen wäre Olympia in Nordrhein-Westfalen ein echtes Mega-Event“, so Achtermeyer.

Vier Bewerbungen konkurrieren

Neben NRW bewerben sich auch München, Hamburg und Berlin um die Ausrichtung der Wettbewerbe. Der Grünen-Chef betont die Vorteile von Spielen an Rhein und Ruhr. „Sie sind nachhaltig, dezentral und gemeinsam mit den Menschen geplant“, sagte Achtermeyer. „Klar kann das eine oder andere Stadion mal einen neuen Anstrich gebrauchen, aber die meiste Infrastruktur haben wir schon.“ Die Bewerbung KölnRheinRuhr sei „eine Chance für einen Neuanfang der olympischen Idee“. In Köln wären Bogenschießen auf der Jahnwiese und Schwimmen sowie Para-Triathlon am Fühlinger See „ein großes Fest für alle“.

Florine Seifner nickt. Die Kölnerin ist seit dem vergangenen Jahr Kapitänin der Bundesligamannschaft der Deutschen Sporthochschule im Turnen, ihr Spezialgerät ist der Stufenbarren. „Für mich steht gerade die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften im Fokus. Aber wenn es so sein sollte, wäre Olympia natürlich auch irgendwann ein Ziel“, erklärt die 18-Jährige. Die Wettbewerbe könnten „ein sehr cooles Event“ werden. „Das würde Sportlerinnen und Sportler verschiedener Sportarten in Köln zusammenbringen. Ich fände es auch sehr spannend, mal bei der Leichtathletik oder beim Basketball zuzuschauen“, sagt Seifner.

BUND fordert Umweltprüfung

Achtermeyer, der nach dem Training über Muskelkater klagte,  will bis zum Votum am 19. April auch noch bei anderen Sportarten mittrainieren. Geplant sind Auftritte beim Schwimmen, beim Judo und bei den Rollstuhl-Basketballern. Bis zum Ende der Abstimmung gilt es noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. So forderte Holger Sticht, Landeschef des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) jetzt eine Umweltprüfung: „Weder die ökologischen Folgen noch die finanziellen Risiken liegen transparent auf dem Tisch.“

Der Grünen-Chef erklärte, er nehme die Kritik von Umweltverbänden ernst. „Es darf nicht grenzenlose Neuversiegelung geben und die Kosten müssen im Rahmen bleiben“, sagte Achtermeyer. Investitionen müssten vor allem in die bisherige Infrastruktur gehen. Man könne in NRW zeigen, dass Olympische Spiele anders funktionieren als oft in der Vergangenheit: „Nicht mit Prestige und Korruptionsskandalen, sondern mit Nachhaltigkeit und Teilhabe für all die, die heute schon Sport machen.“