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NRW-Erlass zur Fußball-WMAnwohner sollen bei Public-Viewing-Lärm die Fenster schließen

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Das Bild zeigt Public Viewing in Köln bei der Fußball-EM 2024. (Archivbild)

Das Bild zeigt Public Viewing in Köln bei der Fußball-EM 2024. (Archivbild)

Bei der WM 2026 könnten viele Spiele wegen der Zeitverschiebung nachts laufen. NRW will Public Viewing trotzdem ermöglichen – und setzt auf Toleranz bei den Anwohnern.

Schlaflos beim Anstoß: Bei der kommenden Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko starten durch die Zeitverschiebung viele Spiele für deutsche Zuschauer erst spätabends oder sogar nachts. Kann es da überhaupt Public Viewing geben? Ja, heißt es in einem Erlass von Staatskanzlei und Umweltministerium, der vor Kurzem an die Kommunen geschickt wurde. Notfalls, so heißt es im Erlass, müssten Anwohner eben die Fenster schließen.

In dem Papier, das dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt, heißt es im besten Beamtendeutsch: „Die Erfahrungen in der Vergangenheit in Bezug auf Fußball-Europa- und Weltmeisterschaften haben gezeigt, dass sowohl die durchgeführten Public-Viewing-Veranstaltungen als auch die erweiterte Nutzung der Außengastronomie gemeinsame freundschaftliche Begegnungen ermöglicht haben und eine große Akzeptanz bei den Anwohnerinnen und Anwohnern gegeben war.“

Aber: Erstens dauern die Spiele eben bis in die Nacht und „im Anschluss werden voraussichtlich noch Lärmemissionen von Zuschauern und dem Abfahrtsverkehr ausgehen“. Dennoch solle man kulant mit Anträgen für Public Viewing umgehen, so der Erlass: „Angesichts des weitverbreiteten Interesses an dieser Sportveranstaltung besteht häufig auch eine gesteigerte Bereitschaft, kurzfristige Beeinträchtigungen der Nachtruhe hinzunehmen.“ Dennoch, so schreibt die Landesregierung, sehe die Rechtsprechung vor allem die „Nachtzeit nach 24 Uhr als besonders sensibel“ an. Daher solle man Public Viewings am besten außerhalb von Wohngebieten veranstalten.

Bisher haben vor allem Kneipen Genehmigungen beantragt

Zum Thema Jubel heißt es in dem Erlass: „Zu den Geräuschen der Beschallungsanlage treten die verhaltensbezogenen Geräusche des Publikums hinzu, die stark vom Verlauf der Veranstaltungen abhängen.“ Wenn Deutschland ein Tor schießt, wird es also laut – egal, wie spät es ist ... Weiter steht in dem Erlass: „Im Einzelfall kann bei den Public-Viewing Veranstaltungen den Anwohnern der betroffenen Plätze zugemutet werden, während der Veranstaltung ihre Fenster geschlossen zu halten.“

Dadurch werde der „Maximalpegel“ in den Innenräumen dann entsprechend reduziert. „Möglicherweise kann dem Bedürfnis nach Public-Viewing-Veranstaltungen auch mit einem kleineren Veranstaltungsrahmen begegnet werden“, so der Erlass: „Denkbar wäre z.B., an einem zentral gelegenen Platz mit vielen angrenzenden Gastronomien mit Außenausschank begrenzt für die Fifa WM 2026 die Zahl der zulässigen Sitzplätze zu erhöhen und (…) den Gastwirten die zeitweilige Aufstellung von Bildschirmen zur Übertragung der Spiele für die Außengastronomie zu gestatten.“

Tatsächlich haben sich in NRW bislang vor allem Kneipen bei den Ordnungsämtern gemeldet und um Ausnahme-Genehmigungen für nächtliches Gucken auf der Terrasse gebeten. Anträge für große Public Viewing-Partys gibt es noch gar nicht, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ vor wenigen Tagen berichtete. Zur Erinnerung: Die letzte WM 2022 in Katar fand im Winter statt, daher gab es gar keine Public Viewings. Bei der EM 2024 – die unter anderem in Köln stattfand – war das ganz anders. Aber da waren Fanmeilen in den Gastgeberstädten sogar eine Vorgabe der Uefa.