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Politischer AschermittwochSöder liefert sich Schlagabtausch mit den Grünen – und die SPD ist auch noch da

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Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Chef, lässt sich beim politischen Aschermittwoch der CSU nach seiner Rede auf der Bühne feiern.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Chef, lässt sich beim politischen Aschermittwoch der CSU nach seiner Rede auf der Bühne feiern.

Am ersten Tag der Fastenzeit wird politisch kräftig ausgeteilt, und zwar mit Maßkrügen in der Hand. 

Der Politische Aschermittwoch ist für Redenschreiber und Referenten eine besondere Herausforderung. Die von ihnen erdachten und von Politikern vorgetragenen Pointen sollten nämlich sitzen. Und ob sie sitzen, das lässt sich an den Reaktionen der Zuhörerschaft meistens gut ablesen. Der 18. Februar 2026 macht da keine Ausnahme.

Früher war der Politische Aschermittwoch alleinige Domäne der CSU. Legendär waren die verschwitzten Auftritte des langjährigen Vorsitzenden Franz Josef Strauß in der mittlerweile abgerissenen Passauer Nibelungenhalle. Heute versucht die Konkurrenz mehr und mehr, rhetorisch aufzuschließen. Einer Krake gleich hat sich der Politische Aschermittwoch ausgebreitet – bis nach Demmin, das 800 Kilometer nördlich von Passau in Mecklenburg-Vorpommern liegt, früher der langjährigen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als Auftrittsort diente und nun von der AfD gekapert wurde. Nur eines haben alle Termine gemein: Der Ton ist rauer als sonst. Und nicht alle Pointen sitzen.

Markus Söders Angriff

Bei der CSU sprach natürlich ihr Vorsitzender und Ministerpräsident Markus Söder. Dabei knöpfte er sich mit erkennbarer Lust vor allem die Grünen vor. Natürlich wäre Söder nicht Söder, wenn nicht alle ihr Fett wegbekämen. So sagte er über Schleswig-Holsteins liberalen CDU-Ministerpräsidenten Daniel Günther: „Zum Glück ist er weit weg.“ Die linke Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Heidi Reichinnek, nannte Söder „die sozialistische TikTok-Tante“. Auch ätzte er in Richtung der kleineren Bundesländer wie etwa Bremen, die Söder am liebsten auflösen würde, mit dem Satz: „Dass das überhaupt ein Bundesland ist.“ Dort sei doch „seit den Stadtmusikanten nichts mehr passiert“.

18.02.2026, Bayern, Passau: Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Chef, steht beim politischen Aschermittwoch der CSU auf der Bühne. Foto: Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Chef, steht beim politischen Aschermittwoch der CSU auf der Bühne.

Doch die Ökopartei blieb Hauptzielscheibe. Aktueller Anlass war ein Video des Grüne-Jugend-Sprechers Luis Bobga, in dem auf Söder gemünzt das Wort „Hurensohn“ fällt. „Ich spüre, dass die Grünen ein echtes Söder-Trauma haben“, sagte Söder also und beklagte: „Die sitzen immer auf dem hohen Ross. Da, wo es um andere geht, verlieren sie die Fassung.“ Bobga jedenfalls solle „endlich mal was Ordentliches arbeiten“. Und die Grünen-Vorsitzenden Franziska Brantner und Felix Banaszak seien nahezu unbekannt. Deren Namen müsse sich niemand merken. Klar sei ohnehin: „Wir wollen keine Grünen in der Staatsregierung. Das verspreche ich Euch.“

Grüne Revanche

Die Ökopartei revanchierte sich – und das nicht weniger scharf. Bayerns Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze, die auch als Aspirantin für höhere Aufgaben im Bund gilt, sagte in Landshut: „Markus Söder arbeitet weiterhin nur für Markus Söder und das leider in Vollzeit.“ Manchmal habe man das Gefühl, auf der Tagesordnung des Landeskabinetts stünden immer genau zwei Punkte: „Erstens: Nützt es was dem Maggus? Und zweitens: Was gibt es danach zu essen?“

Die Bundestagsfraktionschefin Katharina Dröge spricht beim politischen Aschermittwoch der Grünen.

Die Bundestagsfraktionschefin Katharina Dröge spricht beim politischen Aschermittwoch der Grünen.

Die Fraktionschefin im Bundestag, Katharina Dröge, teilte gegen Friedrich Merz aus. Der betätige sich als „Meckerfritze im Kanzleramt“. Auch sei Merz‘ Frauenbild heillos veraltet. Dröge sagte, der Sauerländer erinnere sie an „ein Betriebssystem, für das es kein Update mehr gibt und das man aus Sicherheitsgründen besser nicht mehr ausspielen sollte“. Da dürfte der Redenschreiber lange gegrübelt haben.

Die einzige Gemeinsamkeit zwischen Söder, Schulze und Dröge: Sie hielten Maßkrüge in der Hand. Das ist zumindest für die Kölnerin Dröge keine Selbstverständlichkeit. Denn dort wird schließlich Kölsch getrunken. Die röhrenartigen Kölsch-Gläser sind wesentlich kleiner - und leichter.

Die SPD ist auch noch da

Der Vizekanzler und SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil wurde von Markus Söder unterdessen nicht nur verschont, sondern sogar ein bisschen gelobt – für seine Mitgliedschaft im Verwaltungsbeirat des FC Bayern München. Dass Klingbeil sich das als Verdienst anrechnen darf, muss freilich bezweifelt werden. Womöglich ist es einfach so, dass Söder ihn nicht für voll nimmt. Immerhin kommen die Sozialdemokraten in der jüngsten Umfrage für Bayern nicht mehr über 8 Prozent hinaus. Die Grünen liegen bei 13 Prozent. Nennenswerter Widerspruch Klingbeils gegen die Christsozialen ist aus Berlin ebenfalls nicht überliefert.

Klingbeil wünschte sich beim Politischen Aschermittwoch der bayerischen SPD in Vilshofen „mehr Stammtisch“ und nahm sich ansonsten die Kabinettskollegin Dorothee Bär zum Vorbild. Deren Lebensmotto sei ja: „Wenn es im Leben mal nicht so läuft, streu Glitzer drauf.“ Ob die CSU-Frau das als Kompliment auffasst, ist nicht bekannt. Bekannt ist aber, dass sie wie Klingbeil im Verwaltungsbeirat des FC Bayern sitzt.

Der Münchner Bund für Geistesfreiheit kritisierte die Veranstaltungen samt und sonders. Laute Blasmusik und „magere Witzchen“ würden abgeliefert, obwohl es sich beim Aschermittwoch um einen sogenannten stillen Tag handele, an dem für öffentliche Unterhaltsveranstaltungen klare Einschränkungen gelten, hieß es.

Markus Söder hat da schon mal vorgebaut. In Passau behauptete er angesichts kirchlicher Regularien: „Ich selbst bin auch gläubig.“