Abo

Alarm nach Propaganda-KampagneRussische Drohne trifft Kraftwerk in Estland – Notrufnummern überlastet

3 min
Russische Soldaten tragen eine Drohne. Ein russisches Geschoss hat nun ein Kraftwerk in Estland getroffen. (Archivbild)

Russische Soldaten tragen eine Drohne. Ein russisches Geschoss hat nun ein Kraftwerk in Estland getroffen. (Archivbild)

Eine russische Drohne schlägt in einem Kraftwerk in Estland ein. Bei der Bevölkerung sorgt das für Aufregung. 

Eine russische Drohne hat ein Kraftwerk in Estland getroffen, das berichteten estnische Medien am Mittwochmorgen übereinstimmend. Die Drohne ist demnach aus Russland in den estnischen Luftraum eingedrungen und hat den Schornstein des Kraftwerks Auvere getroffen. Verletzte habe es bei dem Zwischenfall nicht gegeben, hieß es weiter. Minenräumer des Rettungsdienstes seien vor Ort im Einsatz, berichtete die Zeitung „Ohtuleht“. Die Ermittlungen werden demnach von der Staatsanwaltschaft geführt, auch die estnische Sicherheitspolizei untersuche den Vorfall.

Die estnische Justizministerin Liisa-Ly Pakosta erklärte, die Regierung werde am Mittwochvormittag zu einer Dringlichkeitssitzung bezüglich des Sicherheitsvorfalls zusammentreten. Derzeit scheinen die Behörden in Estland jedoch nicht von einer gezielten Attacke auf das NATO-Land auszugehen. „Nach aktuellem Kenntnisstand war die Drohne nicht auf Estland gerichtet. Erste Maßnahmen werden derzeit eingeleitet, die Ermittlungen werden die genaueren Umstände klären“, zitierte „Ohtuleht“ die Generalstaatsanwältin Astrid Asi. 

Estland: Keine Schäden an Kraftwerk nach Drohnen-Treffer

Nennenswerte Schäden an dem Kraftwerk habe es nicht gegeben, teilte der Betreiber Enefit Power unterdessen mit. Der Vorfall werde voraussichtlich keine signifikanten Auswirkungen auf die Stromversorgung oder das estnische Stromnetz haben.

Der Vorfall hat in der estnischen Bevölkerung unterdessen offenbar für viel Aufregung gesorgt. Die Notrufnummer und die staatliche Informationsnummer seien zeitweise weiterhin stark überlastet, berichteten estnische Medien am Mittwochvormittag. Die estnischen Streitkräfte gaben zudem eine Warnmeldung heraus, die Bürgerinnen und Bürgern auf ihren Mobiltelefonen angezeigt wurde. 

Alarm im Baltikum: Notrufnummer nach Drohnen-Vorfall überlastet

„Wir bitten Sie, sich nicht zum Unglücksort zu begeben und Abstand zu Drohnentrümmern zu halten, falls Sie diese bemerken, da es sich um explosives Material handeln könnte“, warnte zudem die estnische Sicherheitspolizei. 

Auch in Lettland gab es unterdessen Berichte über den Absturz einer russischen Drohne nahe der Grenze. Hintergrund für die Zwischenfälle könnten den Berichten zufolge massive gegenseitige Drohnenangriffe in Russlands Krieg gegen die Ukraine gewesen sein. Beide Länder hatten in der Nacht auf Mittwoch erneut größere Angriffe gestartet.

„Folgen des umfassenden Angriffskrieges Russlands“

„Das sind die Folgen des umfassenden Angriffskrieges Russlands. Wir können davon ausgehen, dass wir weitere derartige Vorfälle erleben werden“, warnte dementsprechend auch Margo Palloson, die Generaldirektorin der estnischen Sicherheitspolizei, gegenüber „Ohtuleht“. 

Zuletzt hatte es in Estland bereits Wirbel wegen einer russischen Propaganda-Kampagne gegeben. Telegram-Kanäle aus Russland verbreiten zuletzt Inhalte, um für eine Abspaltung eines Teilgebiets Estlands zu werben. Es ist nicht die erste Provokation aus Russland in Richtung des NATO-Landes, die an die Vorbereitungen des Einmarsches in die Ukraine im Jahr 2022 erinnert.

Zuvor hatte es bereits immer wieder bedrohliche Aussagen über angebliche „Russophobie“ in Estland gegeben. Im vergangenen Jahr tauchten in Russland zudem kurzzeitig Militäreinheiten ohne Hoheitsabzeichen nahe der estnischen Grenze auf – und weckten Erinnerungen an die als „kleine grüne Männchen“ bekannten russischen Einheiten, die vor der Annexion der Krim im Jahr 2014 auf der ukrainischen Halbinsel aufgetaucht waren.