Verwirrung beim Staatsbankett: Trump vereinnahmt Charles politisch – der Palast reagiert prompt mit einer kühlen Klarstellung.
„Charles stimmt mir zu“Trump-Rede löst Verwirrung aus – Palast äußert sich

US-Präsident Donald Trump, First Lady Melania Trump und König Charles III. stoßen während eines Staatsbanketts im East Room des Weißen Hauses in Washington, DC gemeinsam an.
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Der Staatsbesuch von König Charles III. in Washington bleibt auch hinter verschlossenen Türen ein diplomatischer Drahtseilakt. Nachdem der erste Tag bereits von protokollarischen Unwägbarkeiten geprägt war, sorgte eine Passage in der Tischrede von US-Präsident Donald Trump beim offiziellen Staatsbankett für Verwirrung. Wie der britische „Daily Express“ berichtet, führten Äußerungen des Präsidenten zur politischen Abstimmung zwischen den beiden Staatsoberhäuptern dazu, dass sich der Buckingham Palace zu einer ungewöhnlichen Klarstellung genötigt fühlte.
Verwirrung um Trumps Äußerungen
Während des feierlichen Dinners im East Room kam der US-Präsident auf die aktuelle Lage im Nahen Osten zu sprechen. Dabei erweckte er den Eindruck einer sehr engen persönlichen Übereinstimmung mit dem Monarchen in der Iran-Frage.
Laut „Daily Express“ behauptete Trump, der König stimme seiner Einschätzung zur militärischen Vorbeugung einer nuklearen Bewaffnung des Iran vollumfänglich zu. „Charles stimmt mir sogar noch mehr zu als ich mir selbst“, zitierte das Blatt den Präsidenten.
In diplomatischen Kreisen lösten diese Worte laut Medienberichten umgehend Irritationen aus, da der britische Monarch zur strikten politischen Neutralität verpflichtet ist und üblicherweise nicht in laufende sicherheitspolitische Debatten hineingezogen wird.
Palast reagiert auf Berichte
Die durch die Rede entstandene Unklarheit über die Rolle des Königs veranlasste den Buckingham Palace zu einer zeitnahen Reaktion. In einer kurzen Erklärung versuchte ein Sprecher des Palastes laut dem „Daily Express“, den Eindruck einer politischen Parteinahme zu korrigieren.

US-Präsident Donald Trump spricht während des Staatsbanketts im East Room des Weißen Hauses in Washington, DC.
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Man betonte von offizieller Seite, dass der König sich der langjährigen und bekannten Position seiner Regierung zur Verhinderung der atomaren Aufrüstung „selbstverständlich bewusst“ sei. Mit diesem Hinweis stellte der Palast klar, dass Charles III. keine private politische Agenda verfolgt, sondern sich strikt an die offizielle britische Außenpolitik hält.
Ein Abend zwischen Witz und Diplomatie

US-Präsident Donald Trump (2.v.r.) und First Lady Melania Trump (r) begrüßen den britischen König Charles III.(2.v.l.) und Königin Camilla am Südportikus des Weißen Hauses, als sie zum Staatsdinner eintreffen.
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Trotz der kurzzeitigen Verwirrung blieb die Atmosphäre des Banketts oberflächlich herzlich. König Charles III. konterte die präsidiale Rhetorik mit gewohntem Understatement und historischem Humor. Auf Trumps Anspielung, die USA hätten Europa vor dem Sprechen der deutschen Sprache bewahrt, erwiderte der König lächelnd, dass die Amerikaner ohne britischen Beistand in der Kolonialgeschichte heute womöglich Französisch sprechen würden.
Der Vorfall unterstreicht jedoch die Herausforderung dieses Staatsbesuchs: In einer Zeit höchster internationaler Spannungen wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Die schnelle Reaktion des Palastes verdeutlicht, wie wichtig es London ist, die verfassungsmäßige Rolle des Monarchen auch in der direkten Interaktion mit dem US-Präsidenten unbeschadet zu erhalten.
