Die US-Regierung veröffentlicht erneut schrille Clips zum Iran-Krieg und gerät in die Kritik. Teheran kontert mit eigenen Kreationen.
Gaming, Bowling, Lego-FigurenUS-Regierung sorgt mit bizarren Kriegsvideos für Empörung – Iran trollt Trump
„Undefeated“, also unbesiegt, titelte der offizielle X-Account des Weißen Hauses jüngst in einem Beitrag. Dazu folgte ein Video mit Szenen aus Videospielen, vermischt mit mutmaßlich echten Aufnahmen von US-Attacken auf iranische Infrastruktur. Ein anderes, mit „Strike“ betiteltes Video – offenbar ein KI-Produkt – soll das iranische Regime als Bowlingpins zeigen, die von einer Kugel im Dress der US-Flagge abgeräumt werden – samt Explosionen und Partymusik.
Weißes Haus sorgt mit Kriegsvideos für Kopfschütteln
Die Art und Weise, wie die US-Regierung von Donald Trump derzeit die Angriffe auf den Iran kommuniziert, sorgt bei vielen für Kopfschütteln und scharfe Kritik. „Krieg ist kein verdammtes Videospiel. Sieben Amerikaner sind tot“, kommentierte etwa die demokratische Senatorin Tammy Duckworth das jüngste KI-Video des Weißen Hauses, das zuvor bereits einen anderen Clip veröffentlicht hatte, in dem der Krieg mit Bowling gleichgesetzt wurde.
Auch der ehemalige Astronaut Scott Kelly sparte nicht mit deutlichen Worten angesichts des Videos. „Amerikanische Soldaten sind tot und Sie denken, das alles sei ein großer verdammter Witz?“, schrieb der US-Marine-Veteran und Zwillingsbruder des demokratischen Senators Mark Kelly in einem Beitrag auf X.
„War es der Slam Dunk oder der Homerun, der die Kinder getötet hat?“
Der frühere NASA-Astronaut thematisierte dabei auch einen Angriff auf eine Mädchenschule in Teheran, bei dem 175 Menschen getötet worden waren. Eine vorläufige militärische Untersuchung ergab nun, dass der Angriff auf einen Zielfehler des US-Militärs zurückzuführen war, wie Beamte der „New York Times“ mitteilten.
„War es das Hole-in-One, der Slam Dunk oder der Homerun, der diese iranischen Kinder getötet hat? Widerlich“, sagte Kelly und spielte damit auf die im vom Weißen Haus veröffentlichten Video verwendeten Motive an.
Kritik an US-Regierung: „Krieg ist die Hölle. Krieg ist kein Videospiel“
„Findet noch jemand, dass es für unseren Regierungschef unwürdig ist, dass diese Videospielvideos im Umlauf sind?“, zeigte sich mit Michael McFaul auch ein ehemaliger hochrangiger US-Diplomat verwundert über das schrille Video der US-Regierung. „Krieg ist die Hölle. Krieg ist kein Videospiel“, fügte der frühere US-Botschafter in Russland an.
Auch in den sozialen Netzwerken gibt es viel Kritik an den Videos – zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer zeigten sich empört und kritisierten die Kriegsverharmlosung, die von den Clips ausgehe. Kritik am Videospielhersteller Nintendo wird ebenfalls geäußert – im jüngsten KI-Video der US-Regierung sind Szenen aus Spielen der japanischen Firma zu sehen. Ob Nintendo der Verwendung zugestimmt hat, blieb unklar.
Medienethikerin sieht tieferes System hinter den US-Videos
Die Medienethikerin Claudia Paganini sieht hinter den Videos der US-Regierung derweil ein tieferes System. „Im ersten Moment fühlen sicher viele Menschen eine gewisse Abscheu oder Irritation. Schließlich geht es um Leben und Tod“, sagte die Expertin der Universität Innsbruck der Nachrichtenagentur KNA. Allerdings werde damit die auf Aufmerksamkeit und Klicks basierende Logik der Plattformen bedient. „Das verändert, wie die Öffentlichkeit den Krieg wahrnimmt.“
Besonders gravierend sei es, wenn solche Posts von staatlichen Institutionen abgesetzt würden, von denen die Menschen Glaubwürdigkeit und eine gewisse Würde erwarteten. „Ein Staat darf nicht kommunizieren wie ein Influencer“, betonte Paganini. „Wenn eine offizielle Stelle wie ein Troll-Account auftritt, beschädigt das nachhaltig ihre Glaubwürdigkeit.“
Gleichzeitig steckt aus Sicht der Ethikerin hinter den von Trump und seinem Team abgesetzten Beiträgen auch eine Ablenkungsstrategie. „Wenn Menschen an ihrer eigenen Fähigkeit verzweifeln, Wahrhaftigkeit zu erkennen, ziehen sie sich eher ins Private zurück. Dadurch schwindet nicht nur ihr gesellschaftliches Engagement, sie sind auch leichter empfänglich für Manipulationen.“ Dem US-Präsidenten, der sich weiterhin mit großen innenpolitischen Problemen konfrontiert sieht, könne das gelegen kommen.
Warnung vor wachsender „Bullshit“-Kultur in sozialen Medien
Paganini warnt in diesem Zusammenhang vor einer wachsenden „Bullshit“-Kultur in sozialen Medien, einer Darstellung von wichtigen und komplexen Inhalten, bei der Wahrheit und Realität keine Relevanz mehr haben. Davon gehe eine Gefahr für die Gesellschaft aus.
„Wenn das so massiv wird, wird es für die Konsumentinnen und Konsumenten immer schwieriger, zwischen relevanten Informationen und eben ‚Bullshit‘ zu unterscheiden. Für eine funktionierende demokratische Gesellschaft brauchen wir aber ein Mindestmaß an verlässlicher Kommunikation.“
Iran kontert US-Videos mit eigenem Propaganda-Clip
Der amerikanische Kriegsgegner Iran kontert die US-Videos unterdessen ebenfalls mit schrillen KI-Machwerken. So veröffentlichte das Regime in dieser Woche etwa einen zwei Minuten langen Clip, in dem US-Präsident Trump und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als Lego-Figuren dargestellt werden.
In dem Video, das von der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlicht wurde, stehen Trump und Netanjahu neben einem Lego-Satan und blicken auf einen Ordner mit der Aufschrift „Jeffrey Epstein File“. Der Iran spielt damit also auf die frühere Freundschaft Trumps zu dem Sexualstraftäter an.
Auch der mutmaßlich amerikanische Angriff auf die Schule in Teheran wird thematisiert. In dem Clip ist ein Klassenzimmer zu sehen, dann folgen Trümmer. Schließlich erscheint ein iranischer Lego-Soldat, der einen pinkfarbenen Kinderrucksack hält. (mit kna)


