Der US-Präsident möchte die Gesellschaft sportlich ertüchtigen. Bei Kindern und Jugendlichen trifft er aber nicht unbedingt den richtigen Ton.
Unempathischer AuftrittTrump zerstört Sport-Träume eines kleinen Mädchens

Donald Trump (r.) am Dienstag (5. Mai) im Weißen Haus mit der südafrikanischen Golf-Legende Gary Player (M.) und Schülerinnen und Schülern
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Der US-Präsident umgibt sich gern mit erfolgreichen Sportlern – wohl auch, um selbst als dynamisch und „Siegertyp“ wahrgenommen zu werden. Die Bilder lassen sich gut vermarkten, zudem spielt Sport in der US-Kultur eine große Rolle. Nicht immer setzt sich Donald Trump bei diesen Events aber tatsächlich auch ins richtige Licht oder trifft einen guten Ton. Dies wurde auch am Dienstag einmal mehr deutlich, als jugendliche Sportlerinnen und Sportler zu Gast im Weißen Haus waren.
Anlass war die Unterzeichnung des „Presidential Fitness Test Award“: Das Programm soll die Gesundheit von Schulkindern verbessern, und daher waren neben Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., der südafrikanischen Golf-Legende Gary Player sowie anderen Profis auch junge Sportler im Oval Office. Die Kinder und Jugendlichen umringten Trump an dessen riesigem Schreibtisch, und der Präsident wechselte ein paar Worte mit einigen von ihnen.
„Meine Regierung setzt sich mit ganzer Kraft dafür ein, Amerikas geschätzte sportliche Traditionen zu bewahren und unsere Werte der Spitzenleistung und Wettbewerbsfähigkeit an die nächste Generation weiterzugeben“, erklärte Trump.
Trump rät Mädchen von Volleyball ab
Er wandte sich einem kleinen Mädchen zu, das im gelben Trikot schüchtern neben ihm stand. „Ich spiele Volleyball und im Sommer will ich mit Fußball anfangen“, erklärte das Kind. Trump erkundigte sich nach ihren Erfolgen beim Volleyball: „Und bei deiner Größe, schlägst du den Ball dann hart? Kommst du hoch? Kannst du hoch springen?“ Das Mädchen musste zugeben: „Nicht besonders.“ Trumps Schlussfolgerung lautete daraufhin: „Fußball wäre vielleicht besser.“ Dabei schien er unter dem Gelächter der Umstehenden mit einer Handbewegung die Größe des Kindes abzumessen.
Für diesen unempathischen Auftritt einem Kind gegenüber erntet Trump in den USA viel Kritik. „Widerlich“ und „creepy“ lauten die Urteile auf der Plattform X. Man sollte Trump von Kindern fernhalten, schreiben andere User. Da half es auch wenig, dass der Präsident hinterherschob, das Mädchen würde sicher mal eine großartige Fußballerin. „Donald Trump verspottet gerade ein Mädchen dafür, dass es klein ist, und zerstört seine Ambitionen“, heißt es in einem Kommentar.
Trump drängt sich vor Sportlerinnen in den Vordergrund
Generell wird Trumps Auftritt von vielen als symptomatisch für einen narzisstischen Präsidenten gesehen, der andere Menschen rüde und mit Geringschätzung behandelt. Auch andere Sportler mussten diese Erfahrung bei der Begegnung mit Trump bereits machen. Sofern sie nicht Superpromis sind und der Präsident sich in ihrem Glanz sonnen kann, werden sie schnell zu Randfiguren. So erging es jüngst einem Damen-Tennisteam aus Georgia, das die College-Meisterschaft gewonnen hatte.
Auf dem offiziellen Foto sind die Spielerinnen kaum zu erkennen, stattdessen macht sich Trump vor ihnen breit, neben dem Präsidenten stehen fünf männliche Betreuer oder Funktionäre. Das Bild bot Anlass für Häme und Kritik und wurde als klassischer Beleg für Misogynie gewertet.
Trump will US-Nation wieder fit machen
Trump brüstet sich immer wieder damit, ein sehr guter Golfspieler zu sein und allerbeste Fitnesswerte zu haben, obwohl weder seine Ernährung noch sein Erscheinungsbild darauf hindeuten. Der US-Bevölkerung hat er zusammen mit dem umstrittenen Gesundheitsminister „RFK“ ein Programm verordnet, das er als wichtig auch in Bezug auf die Frage der nationalen Sicherheit proklamiert.
Der „Presidential Physical Fitness Test“ für Schülerinnen und Schüler war unter dem Demokraten Barack Obama abgeschafft worden, da er als zu kompetitiv und psychisch belastend für junge Menschen erkannt wurde. Trump führte ihn wieder ein und deklarierte ihn als patriotisches Symbol. Das Kalkül: Trumps Anhängerschaft weiß den wettbewerbsorientierten, leistungsbetonten Charakter des alten Tests zu schätzen.
