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Viktor Orbán will Vergeltung„Absolute Demütigung“ – Ukraine greift Putins Druschba-Pipeline an

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Ein Screenshot eines Videos soll die brennende Ölpumpstation, die auch die Druschba-Pipeline versorgt, in der russischen Republik Tatarstan zeigen.

Ein Screenshot eines Videos soll die brennende Ölpumpstation, die auch die Druschba-Pipeline versorgt, in der russischen Republik Tatarstan zeigen.

Die ukrainische Armee hat laut eigenen Angaben erneut die russische Druschba-Pipeline angegriffen. In Ungarn sorgt das für großen Ärger.

Die ukrainischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben erneut einen wichtigen Knotenpunkt der russischen Druschba-Pipeline angegriffen, die vorwiegend Ungarn und die Slowakei mit Öl versorgt. Eine Quelle beim ukrainischen Geheimdienst SBU bestätigte den Angriff gegenüber der Zeitung „Kyiv Independent“. In sozialen Netzwerken und russischen Telegram-Kanälen kursierten zudem Videoaufnahmen, auf denen die Folgen des ukrainischen Angriffs zu sehen sein sollen. Dort ist ein Großbrand und dichter schwarzer Rauch zu sehen.

Ukraine: Sechs Explosionen erschüttern russische Ölpumpstation

Laut dem unabhängigen russischen Telegram-Nachrichtenkanal Astra berichteten zudem Anwohner der russischen Städte Saratow und Engels von mehreren Explosionen in der Region. Sechs der Explosionen erschütterten nach ukrainischen Angaben die Ölpumpstation Kaleykino, die rund 1200 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt liegt. Der ukrainischen Armee ist demnach erneut ein Angriff tief im russischen Hinterland gelungen.

Bei dem Drohnenangriff seien zudem auch Öltanks in Brand geraten, in denen Rohöl für den Export gelagert worden sei, zitierten ukrainische Medien weiter aus Geheimdienstkreisen. Die Ölpumpstation sei durch den Angriff vorerst „lahmgelegt“ worden, hieß es etwa bei der „Kyiv Post“. Insgesamt seien 35 Langstreckendrohnen gegen das Ziel zum Einsatz gekommen, berichtete die Zeitung.

Russland verschweigt Angriff: „Die Lage ist unter Kontrolle“

Das russische Verteidigungsministerium erwähnte – wie seit Kriegsbeginn üblich – derweil keinen erfolgreichen ukrainischen Angriff, sondern erklärte lediglich, dass über der Region Tatarstan „feindliche Drohnen“ abgeschossen worden seien. Auch eine russische Lokalzeitung spielte den Drohnenangriff herunter: „Wir betonen: Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung. Die Lage ist unter Kontrolle“, hieß es dort. 

Der ukrainische Generalstab bestätigte den Angriff jedoch später am Montag (24. Februar) und verzichtete dabei nicht auf Seitenhiebe gegen die Nachbarländer Ungarn und Slowakei, die weiterhin russisches Öl kaufen.

„Jetzt können wir das Gejammer von Orbán und Fico erwarten“

„Hier findet die Vermischung von Öl statt, bevor es exportiert wird. Die Anlage gewährleistet den erforderlichen Druck und die ununterbrochene Förderung der Rohstoffe direkt in die Druschba-Ölpipeline sowie zu den Ölraffinerien Tatarstans“, hieß es in einer Mitteilung des Generalstabs. „Jetzt können wir das Gejammer von Orbán und Fico erwarten“, hieß es weiter süffisant aus Kyjiw. 

Ungarn bezieht fast sein gesamtes Rohöl – Schätzungen der Energiewirtschaft zufolge rund 80 bis 90 Prozent – aus Russland über die Druschba-Pipeline. Ministerpräsident Viktor Orbán wirft der Ukraine vor, die ungarische Energiesicherheit zu gefährden, und hat sich gegen die Rückeroberung der von Russland besetzten ukrainischen Gebiete ausgesprochen. Zusammen mit dem slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico blockiert Orbán immer wieder Sanktionsmaßnahmen der Europäischen Union gegen Russland.

Budapest reagiert: „Die Ukraine erpresst Ungarn“

Bereits vor dem jüngsten Schlag hatte Orbán Vergeltungsmaßnahmen wegen ukrainischer Angriffe auf die Druschba-Pipeline angekündigt. „Die Ukraine erpresst Ungarn, indem sie in Abstimmung mit Brüssel und der ungarischen Opposition den Öltransit stoppt, um in Ungarn Versorgungsengpässe herbeizuführen und die Kraftstoffpreise vor den Wahlen in die Höhe zu treiben“, schrieb auch Ungarns Außenminister Péter Szijjártó auf der Plattform X und kündigte ebenfalls Vergeltung an.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. (Archivbild)

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. (Archivbild)

Die Antwort aus Bratislava und Budapest folgte dann auch schnell nach dem erneuten Angriff auf die Druschba-Pipeline: Wie aus EU-Kreisen in der Nacht auf Dienstag zu vernehmen war, blockiert insbesondere Ungarn weiter die notwendigen Beschlüsse für neue europäische Sanktionen gegen Moskau. Alle Versuche, Orbán zum Einlenken zu bewegen, seien bislang erfolglos geblieben, hieß es.

Ungarns Blockade ist bitterer Rückschlag für die EU

Für die EU ist die Blockade ein bitterer Rückschlag. Sie hatte zum heutigen Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine eigentlich ein starkes Signal der Unterstützung senden wollen, bekräftigt durch einen Besuch der EU-Spitzen in der Hauptstadt Kyjiw.

Den Ukrainern sollte so gezeigt werden, dass sie sich im Abwehrkampf gegen Russland auf die Hilfe der EU verlassen können. Zugleich war es das Ziel, dem russischen Machthaber Wladimir Putin vor Augen zu führen, dass er nicht auf das Nachlassen der europäischen Solidarität setzen und stattdessen an den Verhandlungstisch kommen sollte.

Trotz der Konsequenzen auf EU-Ebene herrscht unter Ukrainerinnen und Ukrainern angesichts des erneuten Angriffs auf die Druschba-Pipeline jedoch überwiegend Freude. Die Attacke sei eine „absolute Demütigung für Orbán“, hieß es in den sozialen Netzwerken. In einem anderen Kommentar war derweil süffisant von einer „gewissenhaften Renovierung der Druschba-Pipeline auf Wunsch von Orbán“ die Rede. (mit dpa)