Wer als wehrpflichtiger Mann länger als drei Monate im Ausland leben will, muss sich erst eine Genehmigung von der Bundeswehr holen – transparent kommuniziert wurde das nicht.
Wehrpflicht-ReformNeue Regel für Auslandsreisen trifft Männer völlig unvorbereitet


Immer wieder waren zuletzt junge Menschen gegen die Wehrdienst-Pläne der Bundesregierung auf die Straßen gegangen.
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Hätten Sie gewusst, dass Sie für Ihr Auslandssemester, Ihr Gap Year oder Ihre Weltreise eine Genehmigung von der Bundeswehr benötigen? Nicht? Genau das ist das Problem.
Wenn Sie männlich und zwischen 17 und 45 Jahre alt sind, ist das seit Anfang des Jahres nämlich Realität – und kaum jemand hat das mitbekommen. In der Neufassung des Wehrpflichtgesetzes (WPflG) steht seit dem 1. Januar 2026, dass wehrpflichtige Männer einen Auslandsaufenthalt von mehr als drei Monaten anzeigen müssen. Bislang galt diese Regel nur für den Spannungs- oder Verteidigungsfall. Bekannt wurde die Änderung erst durch Medienberichte. Immerhin: Sanktioniert wird ein möglicher Verstoß (bislang) nicht.
Wer dieser Tage einen Blick in die sozialen Medien wirft, bekommt jedoch einen Eindruck davon, was diese intransparente, fast schon heimlich eingeführte Regelung auslöst: Insbesondere bei jungen Menschen erlebt die Bundesregierung, vielleicht sogar die Politik als Ganzes, ihren nächsten Vertrauensverlust. Ob das wirklich hilfreich ist, wenn im Ernstfall das Land verteidigt werden soll?
Bundesregierung macht keine Politik für junge Menschen
Was viele junge Männer und Frauen von den Wehrdienstplänen der Bundesregierung halten, hat sich in den vergangenen Monaten gezeigt: Immer wieder haben Schülerinnen und Schüler mit Schulstreiks gegen die neuen Regelungen protestiert. Denen zufolge müssen 18-jährige Männer neuerdings verpflichtend einen Fragebogen ausfüllen und gegebenenfalls zur Musterung; eine Wehrpflicht gilt (noch) nicht.

Symbolbild zum Thema Frauen in der Bundeswehr: Sie betrifft die neue Regelung nicht.
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Dass junge Menschen dagegen aufbegehren, ist verständlich: In der Politik spielen ihre Interessen nur eine untergeordnete Rolle. In der Corona-Pandemie wurden sie vernachlässigt, von der Rente ist immer weniger zu erwarten, in Schulen regnet es rein – und dann fährt die Bundesregierung auch noch den für ihre Zukunft essenziellen Klimaschutz immer weiter zurück.
Gleichwohl sollen junge Menschen aber möglichst viel arbeiten und sich für die Gesellschaft engagieren – und sich im Notfall für das Land in den Schützengraben legen.
Starker Trend zum Auswandern unter jungen Menschen
Und nun erfahren sie gewissermaßen zufällig – weil es nicht kommuniziert wurde –, dass sie auch noch die Bundeswehr um Erlaubnis fragen müssen, wenn sie etwa ein Auslandssemester absolvieren wollen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn einige von ihnen entscheiden, nicht mehr zurückzukommen. Laut der neuen Studie „Jugend in Deutschland“ überlegt inzwischen jeder fünfte junge Mensch, die Bundesrepublik zu verlassen.
Dass über Deutschlands Verteidigungsfähigkeit gesprochen werden muss, dass es womöglich auch neue Regeln braucht, ist angesichts der globalen Spannungen und Bedrohungen verständlich – auch in anderen Ländern werden die Wehrdienstregeln verschärft. Fatal ist jedoch, dass die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland auf diesem Weg nicht angemessen mitgenommen werden.

