Eine weitere historische Begebenheit ist verbürgt: Am 6. Dezember 1947 wurden im Weinkeller des Weinguts Broel die Weichen für die Kanzlerwahl gestellt.
Am Tag nach der Wahl zum ersten BundeskanzlerIn Rhöndorf kaufte Adenauer diesen Wein zum Anstoßen

„In vino veritas“ - im Wein liegt die Wahrheit - mit diesem Spruch trug sich Konrad Adenauer ganz unten ins Gästebuch des Weingutes Broel ein.
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Vorsichtig holt Karl-Heinz Broel ein dickes Auftragsbuch aus dem Regal, das erste in der Reihe. Ein feiner Staubfilm liegt auf dem Einband. Zahlreiche Kunden, deren Nachnamen mit dem Buchstaben A beginnen, sind darin verzeichnet. Ehrfürchtig blättert der Winzer Seite für Seite um. Mit blauem und schwarzem Füller wurde sorgfältig notiert, wer wann wie viel Wein in Rhöndorf gekauft hat. Computer gab es natürlich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Gütern im Siebengebirge noch nicht.
In dem Raum scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Ein schwarzes Telefon mit Drehscheibe, Stehpulte und eine Schreibmaschine lassen erahnen, wie hier früher täglich gearbeitet wurde. „Ich habe ihn gefunden“, sagt Broel stolz und zeigt auf den Namen. „Adenauer, Bundeskanzler Dr. Konrad“, fein säuberlich mit Schreibmaschine auf einem eigenen Blatt am Kopf der Seite notiert.
Süße Weine mochte Adenauer nicht
Zu lesen ist, dass er am 16. September 1949 Wein im Wert von 114 D-Mark bestellt hat. An diesem Freitag gab es auch wirklich Grund zum Feiern: Einen Tag zuvor, am 15. September 1949, war Konrad Adenauer zum ersten Kanzler der noch jungen Bundesrepublik Deutschland gewählt worden..

Nach der Wahl zum Kanzler kaufte Konrad Adenauer Wein im Weingut Broel.
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Vier Kisten Rhöndorfer Riesling Halbtrocken des Jahrganges 1946 wählte er damals aus. „Süße Weine mochte Adenauer nicht“, erinnert sich Broel an die Erzählungen aus dem Munde seines Opas Karl Broel. Adenauer wusste den Wein von den Hängen des Siebengebirges zu schätzen. Gerne bedankte er sich sogar schriftlich für die Lieferungen. Solche Dokumente werden sorgsam im Haus aufbewahrt.
Dazu gehört auch ein Eintrag im Gästebuch vom 6. Dezember 1947. Damals wurden im historischen Gewölbekeller des Weinguts die Weichen für Adenauers politische Zukunft gestellt. Am Nikolaustag besuchte er gemeinsam mit politischen Freunden das Weingut. „Verbürgt ist“, so Bröhl, „dass damals eine entscheidende Entscheidung fiel: Adenauer sollte Bundeskanzler, Theodor Heuss Bundespräsident werden.“
Im historischen Gewölbekeller des Weingutes Broel in Rhöndorf kam es zu dem denkwürdigen Ereignis
„Eigentlich trafen sich die Politiker, um über den Zustand des deutschen Waldes zu beraten“, erzählt Broel. Der Brennstoffmangel nach dem Zweiten Weltkrieg bereitete Probleme, und Lösungen sollten diskutiert werden. Doch wie das damals so üblich war, wurde dabei ein Glas Broelschen Weines nach dem anderen geleert. Schließlich stieg die muntere Truppe beschwingt in den Gewölbekeller hinab und dort ereignete sich der denkwürdige Moment.

Im historischen Keller des Weingutes Broel in Rhöndorf wurden am Nikolaustag des Jahres 1947 die Weichen für Adenauers Kanzlerschaft gestellt.
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„Wir müssen durch“, schrieb damals Hinrich Wilhelm Kopf in längerer Dialektform an diesem Tag ins Gästebuch des Weingutes. Der SPD-Politiker war Ende 1946 bis 1955 erster niedersächsischer Ministerpräsident. „Er hat recht“, ergänzte Hermann Lüdemann darunter. Der SPD-Politiker war von 1947 bis 1949 Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein. „Und es war schön“, ergänzte Karl Arnold. Der CDU-Politiker war von 1947 bis 1956 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Mit „In vino veritas“ setzte Adenauer seinen Kommentar ins Gästebuch. Ob er damit die Rettung des Waldes oder den Plan als CDU-Kanzlerkandidat anzutreten meinte, ist nicht überliefert worden.

Konrad Adenauer in Rhöndorf, seinen Hut vergaß er einmal nach einem Besuch im Weingut Broel.
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Noch heute schätzt die Familie Adenauer den Wein von Broel. Jedes Jahr feiert sie gemeinsam im Haus des früheren Bundeskanzlers in Rhöndorf gemeinsam das Weihnachtsfest. „Wir haben diesmal einen Grauburgunder und einen Rivaner trocken gebracht“, berichtet Broel zur Lieferung im Dezember vorigen Jahres. Damit wird eine lange Tradition weiter geführt.
Konrad Adenauer war übrigens gerne bei den Broels in der Weinstube zu Gast. Einmal hatte er dort sogar seinen Hut vergessen. Wie es dazu kommen konnte, ist bis heute nicht geklärt. Über 10.000 Gäste besuchen den historischen Ort jedes Jahr, berichtet Broel über die Nachfrage nach seinen Weinproben in der Karl-Broel-Straße 3 in 53604 Bad Honnef-Rhöndorf. Er möchte sich bald aus dem aktiven Tagesgeschäft zurückziehen. Ein Nachfolger wird gesucht, der auch das Weingut mit seinen Hängen im Siebengebirge kaufen kann. „Ich bin für alles offen“, so Broel.

