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Eklat im WahlkampfendspurtMünchens OB Dieter Reiter verwendet N-Wort im Stadtrat

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Dieter Reiter (SPD), Oberbürgermeister von München. (Archivbild)

Dieter Reiter (SPD), Oberbürgermeister von München. (Archivbild)

Dieter Reiter bat später in einer Stellungnahme um Entschuldigung. Es habe sich um ein Zitat des Künstlers Fredl Festl gehandelt.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat im Stadtrat das N-Wort verwendet. In der Vollversammlung am Mittwoch sagte er beim Blättern in Unterlagen: „So, wo samma, sagen die …“, wie auf der Aufzeichnung der Sitzung zu sehen und hören ist. Mit dem Begriff „N-Wort“ wird heute eine früher gebräuchliche rassistische Bezeichnung für Schwarze umschrieben. Zuvor hatte „Hallo München“ über den Vorfall berichtet.

Reiter bat in einer schriftlichen Stellungnahme um Entschuldigung: „Bei der Äußerung handelt es sich um ein Zitat aus einem Stück des Künstlers Fredl Fesl, das mir spontan über die Lippen kam bei der Frage, wo wir uns in der Tagesordnung befinden.“ Alfred Raimund „Fredl“ Fesl (1947–2024) war ein niederbayerischer Musiker, Sänger und Kabarettist.

Dieter Reiter entschuldigt sich: „Eine besondere Verantwortung“

„Es lag mir in keiner Weise daran, Menschen zu verletzen oder abzuwerten. Wenn sich durch meine Worte jemand verletzt oder herabgesetzt gefühlt hat, bedaure ich das ausdrücklich und bitte dafür um Entschuldigung“, schrieb Reiter außerdem. 

Ihm sei bewusst, dass der Münchner Stadtrat im Jahr 2022 mit dem Beschluss „N-Wort ächten“ deutlich gemacht habe, dass die Verwendung dieses Begriffs als rassistisch einzuordnen und abzulehnen ist, so der Oberbürgermeister. „Dieser Haltung schließe ich mich selbstverständlich an. Gerade als Oberbürgermeister habe ich eine besondere Verantwortung für einen respektvollen, sensiblen und diskriminierungsfreien Umgang miteinander.“

„Die Fraktion steht natürlich hinter ihrem Oberbürgermeister“

Von seiner Partei bekam Reiter unterdessen Zuspruch. „Die Fraktion steht natürlich hinter ihrem Oberbürgermeister“, schrieb die Fraktionsvorsitzende der Münchner SPD, Anne Hübner, auf der Plattform X am Freitag (6. März). „Solidarität endet nicht, wenn jemand einen Fehler macht, sich dafür entschuldigt und die Thematik vollumfänglich aufklärt.“ Reiter habe zwölf Jahre „für München einen sehr guten Job als OB gemacht“, hieß es weiter. 

In der bayerischen Landeshauptstadt läuft die Endphase des Wahlkampfes. In Bayern sind am Sonntag etwas mehr als zehn Millionen Menschen zur Kommunalwahl aufgerufen. Von ihrem Umfang her sind es die mit Abstand größten Wahlen im Freistaat. Insgesamt finden mit den Stadt- und Gemeinderats-, Kreistags-, Landrats-, Oberbürgermeister- und Bürgermeisterwahlen mehr als 4000 Wahlgänge statt, mit denen 39300 Mandate vergeben werden.

München: Dieter Reiter im Wahlkampf unter Druck

In München strebt Oberbürgermeister Reiter mit 67 Jahren nach einer dritten Amtszeit. Der SPD-Politiker geht als Favorit in die Wahl, seine stärksten Konkurrenten sind Clemens Baumgärtner von der CSU und der 35-Jährige Dominik Krause von den Grünen.

Im Wahlkampfschlussspurt geriet Reiter allerdings nicht nur wegen der Verwendung des N-Wortes erheblich unter Druck. Er musste Versäumnisse bei seinem Engagement für den FC Bayern München einräumen, wo er nach Jahren im Verwaltungsbeirat nun in den Aufsichtsrat wechseln will. Es ist unklar, ob er sich dafür eine Genehmigung hätte holen müssen. Die Regierung von Oberbayern prüft die Einleitung eines Disziplinarverfahrens. (das/dpa/afp)