Der Fernverkehr auf der Trasse wird bis 10. Juli über Düsseldorf umgeleitet oder fällt aus. Regionalzüge und S-Bahnen werden größtenteils durch Busse ersetzt.
Ab heuteBahn sperrt die Strecke Köln-Wuppertal-Hagen – Was Pendler jetzt wissen müssen

Ein Regionalzug fährt durch Wuppertal. Die Deutsche Bahn beginnt mit der Generalsanierung der Bahnstrecke zwischen Hagen und Köln. Foto: dpa
Copyright: Oliver Berg/dpa
Der Start der ersten Generalsanierung einer Bahnstrecke in NRW ist eine hochpolitische Angelegenheit, hat es im Vorfeld doch mächtig Ärger gegeben, ob man die Bahntrasse 65 Kilometer lange Köln-Wuppertal-Hagen dafür unbedingt für fünf Monate komplett stilllegen muss. Deshalb wird nicht nur Philipp Nagl, als Vorstandsvorsitzender der DB InfraGo der „Bauherr“ des Projekts, heute Mittag nach Wuppertal eilen und gemeinsam mit NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) vor den Schotterbergen am Bahnhof Steinbeck den Startschuss geben.
Krischer hatte im Streit um die Frage, warum die veralteten Stellwerke nicht auch modernisiert werden, den Sinn der Vollsperrung noch vor 14 Tagen im „Kölner Stadt-Anzeiger“ in Zweifel gezogen: „Wenn die Bahn von einer Generalsanierung spricht, erwarte ich, dass sie auch als solche geplant und umgesetzt wird.“ Das Thema könne Nagl und Krischer heute vor Ort besprechen.
Die Bahnkunden dürfte ab heute etwas anderes interessieren. Wie kommen sie am besten von A nach B. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Alles zum Thema Deutsche Bahn
- Ausblick 2026 Mitten in den Planungen für Höhlenerlebniszentrum und Bahnhof in Ründeroth
- Nach Tod von Zugbegleiter Zugchefin berichtet über ihren Arbeitsalltag – „Wir sind zur Zielscheibe geworden“
- Tödlicher Angriff auf Zugbegleiter Fahrgäste am Bahnhof in Brühl fühlen sich unsicher
- Ab heute Bahn sperrt die Strecke Köln-Wuppertal-Hagen – Was Pendler jetzt wissen müssen
- Tödlicher Angriff in Zug Bahnchefin plant Sicherheitsgipfel nach tödlichem Angriff
- Getöteter Zugbegleiter Krischer nach Angriff: Mehr Fokus der Bundespolizei auf Bahn
Was wird bei der Generalsanierung erneuert?
Die Bahn tauscht rund 81 Kilometer Schienen aus, modernisiert 28 Weichen und zwölf Bahnhöfe. Auf vier Kilometern werden in den Leverkusener Stadtteilen Manfort und Opladen und im Leichlinger Stadtteil Ziegwebersberg neue Schallschutzwände errichtet. Die Oberleitung wird auch 29 Kilometern erneuert. Am Haltepunkt Manfort werden die Bahnsteige erneuert und in der Höhe angepasst, in Opladen ein neuer Aufzug eingebaut. Die Bahnsteige in Haan und Haan-Gruiten werden barrierefrei. Am Solinger Hauptbahnhof werden die Aufzüge ausgetauscht. Das gilt auch für mehrere Bahnhöfe in Wuppertal, Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal.
Hätte man das nicht auch bei laufendem Betrieb erledigen können?
Aus Sicht der Bahn wäre das deutlich teurer geworden und hätte erheblich länger gedauert. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf bis zu 800 Millionen Euro. Das Bauen unter Vollsperrung der Strecke ist nach ihren Angaben rund 83 Millionen Euro billiger als bei laufendem Betrieb. Das Bundesverkehrsministerium sieht das anders, spricht von maximal 13 Millionen Euro.
Was bedeutet das für den Zugverkehr?
Ab dem heutigen Freitag, 21 Uhr, bis einschließlich Freitag, 10. Juli, wird der Fernverkehr zwischen Köln, Wuppertal und Hagen ausfallen. Fernzüge werden über Düsseldorf und das Ruhrgebiet umgeleitet. Einige fallen komplett oder Teilstrecken aus. Was die Pendler besonders hart trifft, ist der Ausfall der Linien RE 7 zwischen Hagen und Köln Messe/Deutz sowie der RB 48 zwischen Wuppertal-Oberbarmen und Köln Messe/Deutz. Die S 7 wird zwischen Wuppertal Hauptbahnhof und Remscheid-Lüttringhausen sowie der RE 49 zwischen Wuppertal Hauptbahnhof und Velbert-Nierenhof eingestellt.
Was ist mit den anderen Regionalzügen und S-Bahn-Linien?
Sie werden zum Teil auf bestimmten Streckenabschnitten je nach Baufortschritt fahren. Grundsätzlich gilt: Komplett gesperrt ist die gesamte Strecke vom 6. bis 20. Februar, 20. März bis 3. April und 15. Mai bis 12. Juni. In den Zeiträumen 20. Februar bis 20. März, 3. April bis 15. Mai und 12. Juni bis 10. Juli fahren in einigen Bereichen immerhin Regionalzüge und S-Bahnen zwischen Hagen, Wuppertal und Düsseldorf.
Warum können während der gesamten Bauzeit zwischen Haan-Gruiten und Leverkusen-Opladen keine Züge fahren?
Weil es dort nur zwei Gleise und es deshalb keine Ausweichmöglichkeiten gibt. Zwischen Haan-Gruiten, Wuppertal und Hagen stehen vier Gleise zur Verfügung, zwei für den Fernverkehr und zwei für die S-Bahn. Deshalb können die S-Bahn-Gleise zeitweise genutzt werden.

Follow me: Eine Markierung auf dem Boden weist im Hauptbahnhof Köln den Weg zu den Ersatzbussen. Foto: dpa
Copyright: Thomas Banneyer/dpa
Wie kann ich mich informieren?
Für alle Informationen hat die Bahn einen eigenen WhatsApp-Kanal unter dem Stichwort Generalsanierung Hagen-Wuppertal-Köln eingerichtet. Grundsätzlich gilt: Für alle Regionalzüge und S-Bahnen, die ausfallen, werden Busse eingesetzt. Deren Fahrpläne sind dort auch zu finden. Insgesamt gibt es bis zu zwölf Ersatzverkehrslinien.
Kann man das mal an einem Beispiel erklären?
Ja. Die Ersatzbusse für die Regionalbahn 48 fahren zwischen Wuppertal-Oberbarmen und Solingen Hauptbahnhof alle 15 Minuten, von dort bis Köln-Mülheim alle 30 Minuten und nachts weiter bis Köln Messe/Deutz. Sie halten an allen Bahnhöfen, an denen sonst der Zug fährt und in Köln zusätzlich am Wiener Platz.
Das klingt alles sehr kompliziert.
Ist es auch. Deshalb sollten sich Pendler vorab ihre neue Reiseroute zwischen Wohnort und Arbeit in der App anschauen und dann entscheiden, welche Variante für sie die günstige ist. Fest steht: Die Fahrzeiten werden sich zum Teil erheblich verlängern. Auch unter bahn.de und in der App DB Navigator und den regionalen Apps der Verkehrsverbünde kann man sehen, wann und wo welcher Bus fährt.
Wie finde ich meine Haltestelle für den Ersatzverkehr?
Die Bushaltestellen für den Ersatzverkehr befinden sich in der Regel entweder an den Bahnhöfen oder, um die Fahrzeiten der Busse so gering wie möglich zu halten, zentral in den Kommunen. Sie sind laut Bahn deutlich gekennzeichnet. So führen Hinweisschilder zur jeweiligen Ersatzhaltestelle. Außerdem befinden sich in den Aushangvitrinen am Bahnsteig Umgebungspläne mit eingezeichneten Fußwegen zwischen Bahnhof und Ersatzhaltestelle.
Kann die Bahn garantieren, dass alle Fahrgäste vom Bus auch mitgenommen werden?
Die Fahrpläne beruhen auf den Erfahrungswerten vorheriger Baumaßnahmen. Die Busse sind mit automatischen Zählsystemen ausgestattet. Bei Bedarf sollen die Pläne angepasst werden.
Ist am 10. Juli zwischen Köln und Hagen alles erledigt oder stehen weitere Bauarbeiten an?
Das Gröbste ist laut Bahn dann erledigt. Aber die Zusage, die generalsanierten Strecken mindestens fünf Jahre lang baustellenfrei zu halten, wird die DB InfraGo nicht einhalten können. Vom 5. Oktober bis 10. Dezember 2027 wird es eine erneute Sperrung der S-Bahnstrecke geben, vom 3. bis 10. Dezember 2027 fahren dann wieder keine Fernzüge.
Und die veralteten Stellwerke entlang der Strecke? Was wird jetzt damit?
Die Stellwerke sollen erst Mitte der 2030er Jahre modernisiert werden.
