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HochwasserschutzNicht überall in Bad Münstereifel kann die Zielvorgabe erreicht werden

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Der Ort Gilsdorf war schon am Nachmittag des 14. Juli überschwemmt.

Das Hochwasser des 14. Juli 2021 hatte Gilsdorf schon früh erreicht. Der Ort kann trotz des Hochwasserschutzkonzeptes nicht vor einem hundertjährlichen Hochwasser geschützt werden.

Im Stadtrat von Bad Münstereifel stellte die Firma Okeanos ihr Hochwasserschutzkonzept vor. 20 Maßnahmen wurden in drei Gebiete aufgeteilt.

2023 wurde die Erstellung beschlossen, 2025 wurden Steckbriefe für 20 Maßnahmen vorgestellt, jetzt ist das kommunale Hochwasserschutzkonzept für die Stadt Bad Münstereifel fertig. Dr. Benjamin Mewes, Geschäftsführer des beauftragten Unternehmens Okeanos Smart Data Solutions aus Bochum, stellte es dem Stadtrat jüngst vor. Ein Beschluss dazu soll erst in der nächsten Ratssitzung am 19. Mai getroffen werden.

Klar wurde durch die Präsentation: Hochwasserschutz kann nur als Zusammenspiel von mehreren Faktoren Erfolg haben. Deshalb hat Okeanos die 20 Steckbriefe zunächst insgesamt priorisiert. Anschließend wurden sie, erneut nach Wichtigkeit gegliedert, in drei geografische Teileinzugsgebiete verteilt. Durch diese Unterteilung in die drei Gebiete besteht die Möglichkeit, Maßnahmen parallel auszuführen, damit es in der Umsetzung schneller geht. Ausschlaggebend für die drei Bereiche war der Hauptlauf der Erft.

Maßnahmen wie „Perlenketten “im Hang flankieren das Konzept

Im Vordergrund stand in der weiteren Priorisierung innerhalb dieser drei Teilbereiche das örtliche Risiko. Stadtweit sollen weitere Maßnahmen das Konzept flankieren. Dazu gehören beispielsweise die aus Hängen in Süddeutschland bekannten „Perlenketten“, wie Mewes sie nannte, mit denen Geschiebe minimiert werden soll.

Als Grundvoraussetzung hat Okeanos ein hundertjährliches Hochwasser, kurz: HQ100, genommen. Dies soll überall dort gewährleistet sein, wo es erreicht werden kann. Einschränkungen gibt es aber: So ist beispielsweise für die Ortschaft Gilsdorf selbst mit dem großen Rückhaltebecken in der Nähe des Dorfes sowie zwei kleineren Becken im Hornbachtal maximal ein Schutz vor einem HQ30, also einem dreißigjährlichen Hochwasser, möglich. Neben dem reinen Hochwasserschutz hat Okeanos außerdem Risiken wie Erosion und Geschiebe betrachtet, Starkregenereignisse und die Kanalnetze allerdings nicht. Auch gab es bereits erste Absprachen mit dem Kreis Euskirchen und der Bezirksregierung.

Das Rückhaltebecken in Schönau genießt die höchste Priorität

Das erste Teileinzugsgebiet liegt oberhalb des bereits bestehenden Hochwasserrückhaltebeckens in Eicherscheid. Dabei handelt es sich hauptsächlich um die Ortschaft Schönau. Aktuell sind laut Berechnungen bei einem HQ100 viele Häuser betroffen, das Wasser stünde mindestens zehn Zentimeter hoch.

Höchste Priorität hat dort die Errichtung des Hochwasserrückhaltebeckens in Schönau, was nicht verwundert, denn im Vergleich aller Maßnahmen handelt es sich dabei um das wichtigste Projekt im Konzept. Mittlere Priorität haben Hochwasserrückhaltebecken in Holzmülheim, am Bülgesbach und am Dreisbach. Die Errichtung von Hochwassermauern an der Lückenbachstraße und ein Rückhaltebecken am Ohbach sind mit niedrigerer Wertigkeit aufgelistet.

Das Rückhaltebecken in Eicherscheid hielt bei der Flut 2021

Das zweite Gebiet geht vom Becken in Eicherscheid bis zur Mündung des Eschweiler Bachs, betrifft also das Dorf Eicherscheid und die Kernstadt. „Das Hochwasserrückhaltebecken hat standgehalten“, so Mewes. Das Risiko für Eicherscheid bei einem HQ100 stuft er als gering ein. Hauptpriorität genießen die Rückhaltebecken im Kornbach und im Bodenbachtal. Es folgen Becken im Schleidtal und in Kolvenbach. Eine neue Brücke über die Erft am Sittardweg sowie ein Becken am Schlierbach haben die niedrigste Wichtigkeit. Dennoch bezeichnet Mewes den Bereich Goldenes Tal mit St.-Angela-Gymnasium und dem Aldi als Risikobereich. Den vielversprechendsten Schutz böte das Becken in Kolvenbach für das Goldene Tal. Der Friedhof werde durch einen Rückhalt nahe dem Forst am Schleidbach gesichert.

Das dritte Gebiet beinhaltet den Eschweiler Bach (also die Ortschaft Gilsdorf) sowie die Erft in Iversheim und Arloff/Kirspenich. Durch das vom Erftverband zu errichtende Hochwasserrückhaltebecken Möschemer Mühle würde das Risiko für Iversheim bei einem HQ100 „komplett minimiert“, so Mewes. Das Rückhaltebecken an der Alten Landstraße wird reaktiviert.

In großen Teilen von Arloff und kleinen Teilen von Kirspenich stünden das Wasser bei einem HQ100 derzeit 10 bis 70 Zentimeter hoch. Ein Deich am Hammerwerk helfe vor großen Überflutungen der Ortslage, besonders in Kombination mit der Hochwassermauer an der Münstereifeler Straße. Für weitere Sicherheit sorgen einige kaskadenartige Becken. Durch die Maßnahmen verspricht sich Mewes einen „massiven Schutz für Arloff/Kirspenich und einen starken Schutz für Schönau“.