Anlass für die Anbauten an den Wehren ist ein schweres Unglück vor fast vier Jahren. In der Folge starb ein 16 Jahre alter Schüler.
Schutz für FreizeitsportlerBojen und Balken sichern zweites Wehr in Bedburg

Der Erftverband hat das Wehr in Broich mit einem Rettungsbalken und Rettungsbojen versehen. Sie sollen verhindern, dass Kajakfahrer unbeabsichtigt in die Strömunswalze des Wehrs geraten.
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Der Erftverband hat nun auch das zweite Wehr in Bedburg mit einem Rettungsbalken und Rettungsbojen ausgestattet. Damit soll verhindert werden, dass Kajakfahrer und andere Freizeitsportler auf der Erft ungewollt in die gefährliche Strömungswalze der Stauanlage geraten. Vor einem Jahr war das Wehr in der Bedburger Innenstadt auf diese Weise gesichert und erfolgreich von Feuerwehr und DLRG getestet worden.
Bedburg: Bojen sind knapp über die Erft gespannt
Nun hat der Erftverband auch das Wehr in Bedburg-Broich am Ende der Pappelallee geschützt. Ein Stück flussaufwärts vor dem Wehr sind nun Bojen knapp über die Erft gespannt, und zwei Rettungsbalken schweben knapp über dem Wasserspiegel an den beiden Einläufen in das Wehr. „Das Ziel ist, dass ein Kajakfahrer, der alle Vorsicht in den Wind schlägt, an dem Balken hängen bleibt und sich festhalten kann“, sagt Ulrich Muris vom Erftverband.
Anlass für die Anbauten an den Wehren ist ein schweres Unglück vor fast vier Jahren. Am Wehr in der Innenstadt geriet ein 16 Jahre alter Schüler in die Wasserwalze, in der Folge des Unglücks starb er. Die von einem Guide begleitete Fahrt mit mehreren Kajaks auf der Erft sollte im Sommer 2022 die Abschlussfahrt einer Schulklasse sein.
Bojen gelten als „Deadline“
Vor dem Wehr, in dem das Wasser auf ein tieferes Niveau stürzt, müssen eigentlich alle Kajakfahrer ausbooten und ihr Kajak um das Bauwerk tragen. Doch der Junge kenterte vor dem Wehr, trieb ab und wurde von der Strömung über die Staustufe gedrückt. Ein damals 52 Jahre alter Lehrer geriet beim Versuch, seinen Schüler zu retten, ebenfalls in den Sog des Wehrs, das hinter der Staustufe eine tödliche Kraft entwickelt.
Das herabstürzende Wasser entwickelt eine Walze, die Menschen und Gegenstände immer wieder zurück ins Wehr zieht, zum anderen wird dermaßen viel Luft in das Wasser gemischt, dass es kaum noch Dichte hat und Menschen auch mit Schwimmweste einfach untergehen. Der Lehrer konnte rechtzeitig über eine Leiter gerettet werden, und einem Feuerwehrmann gelang es, auch den leblosen Jungen aus dem Wasser zu ziehen.
Da sollte keiner drunter her fahren
Nach einer Wiederbelebung lag er lange in einem Kölner Krankenhaus, bis die Ärzte ihn für tot erklärten. Die Bojen, die nun vor den Bedburger Wehren gespannt sind, gelten laut Muris als „Deadline“. „Da sollte keiner drunter her fahren“, sagt Muris. „Das ist durch die Beschilderung ganz klar. Aber leider sind manche Kanuten unbelehrbar.“
Die Rettungsbalken ließen sich allesamt per Kurbel von Hand nach oben befördern, sodass Treibgut, das sich in der Anlage verfängt, einfach freigegeben werden könne. Insgesamt vier Wehre hat der Erftverband auf diese Weise nachgerüstet. Neben den beiden Bedburger Wehren sind das noch zwei Anlagen in Wevelinghoven (Stadt Grevenbroich, Rhein-Kreis Neuss).
Bei zwei weiteren Wehren, einmal in der Innenstadt Grevenbroichs und in Kapellen, ist eine Entscheidung über einen Einbau von Rettungsbalken noch nicht gefallen. Der Umbau des Wehrs in der Bedburger Innenstadt hat laut Muris knapp 25.000 Euro gekostet, der des Wehrs in Broich rund 20.000 Euro.
Am Wehr in Broich sollen allerdings keine Rettungsringe oder Rettungsleinen angebracht werden. „Die sind teuer, hängen dort drei Tage und dann in irgendeinem Partykeller“, sagt Muris. Am Wehr in der Innenstadt seien Ring und Leine in einem Lokal hinterlegt.

