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Bad MünstereifelZwölf weitere Haltestellen werden barrierefrei

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Das Bild zeigt eine Bushaltestelle am Bad Münstereifeler Bahnhof.

Die Bushaltestellen am Bad Münstereifeler Bahnhof wurden nach der Flut barrierefrei errichtet. Weitere sollen folgen.

Bad Münstereifel baut weitere Bushaltestellen um. Aber drei Viertel der Haltestellen bleiben eine Herausforderung für Menschen mit Gehbehinderung. 

Erstmals aktenkundig geworden, so hat es Karl Michalowski, sachkundiger Bürger der SPD, recherchiert, ist das Thema barrierefreier Haltenstellenausbau in Bad Münstereifel im Jahr 2000. „Im letzten Vierteljahrhundert ist es dann im Rathaus immer verschoben worden“, fasst er zusammen. Jetzt wird allerdings ein erster Schritt gemacht – auch, weil der Ausbau von Haltestellen und der Aufbau von Wartehäuschen derzeit zu 100 Prozent gefördert wird.

Verwaltung soll Fördermittel  beantragen

Zu den neun vorhandenen barrierefreien Haltestellen (Bahnhof Arloff, Bahnhof Bad Münstereifel, Fabrikstraße in Eicherscheid, Gewerbegebiet/Ärztehaus Kirspenich, Hilterscheid, Bahnhof Iversheim Mitte, Kalkar und Stotzheimer Straße in Kirspenich) sollen zwölf hinzukommen: und zwar die Haltepunkte Eifelbad, Haus Hardt (Holzem), Hochthürmer Blick (Houverath), Kolvenbach/Hohn, Lethert Frings, Limbacher Straße (Houverath), Mutscheid, Nöthen, Rupperath, Uhlenberg. Vogelsangstraße (Wald) und Esch (Abzweigung).

So hat es der Ausschuss für Umwelt, Tourismus und Mobilität einstimmig beschlossen. Mehrheitlich wurde die Verwaltung beauftragt, Förderanträge zu stellen. Während der Ausschussvorsitzende Gerd Lingscheid-Henseler (AfD) sich enthielt, stimmte Peter Schallenberg (Grüne) dagegen.

Jeder kann jeden Tag behindert werden, da nützt es nichts, fünf bis sechs Kilometer zur nächsten barrierefreien Haltestelle zu fahren.
Peter Schallenberg

Als stellvertretender Vorsitzender des Behindertenbeirates der Stadt Bad Münstereifel sei er unzufrieden. Denn auch nach dem Ausbau dieser zwölf Haltestellen, den neun bestehenden sowie zweien, die im Rahmen von Straßenausbauarbeiten ebenfalls barrierefrei werden (Ahrstraße Schönau und Mahlberg), blieben rund drei Viertel der Haltestellen im Stadtgebiet schlecht oder gar nicht ausgebaut im Sinne der Barrierefreiheit.

„Die Ausnahme wird zur Regel gemacht. Jeder kann jeden Tag behindert werden, da nützt es nichts, fünf bis sechs Kilometer zur nächsten barrierefreien Haltestelle zu fahren“, so Schallenberg, der das Thema mit in die nächste Sitzung des Behindertenbeirates nehmen möchte. Während Andreas Bühl (UWV) diese Kritik für unfair hält, weil Schallenberg im Kreistag, wo das Thema ursprünglich ist, für die vorgelegte Prioritätenliste gestimmt habe, kann Bürgermeister Sebastian Glatzel (SPD) die Unzufriedenheit des Grünen-Politikers nachvollziehen.

Er weist aber auch auf das voll ausgelastete Tiefbauamt hin. „Wir haben jetzt die Haltestellen ausgewählt, die umsetzbar sind. Das ist ein Kompromiss zwischen dem, was möglich ist, und dem, was wünschenswert wäre“, so Glatzel. Martin Mehrens (CDU) hält Schallenbergs Einwand für naiv. „Wir sind dazu verdammt, Realpolitik zu betreiben“, stimmte er dem Bürgermeister zu. Ursprünglich war auch eine Aufwertung der Haltestelle Klosterplatz vorgesehen. Von dieser wird zunächst Abstand genommen.

Stephanie Schmitz, Amtsleiterin Bildung und Tourismus, gab zu bedenken, dass eine barrierefreie Haltestelle auch ein Hindernis darstellen könnte, etwa bei der Kirmes oder dem Martinszug auf dem Klosterplatz. Weil der Klosterplatz laut Bürgermeister auch im Rahmen des zu erstellenden Verkehrs- und Sicherheitskonzepts betrachtet werden muss, sei der Ausbau dort zu früh.