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NaturschutzNabu sucht Krötenschlepper für einen neuen Hotspot im Kreis Euskirchen

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Ein Leitsystem mit Metallplanken und Tunneln, durch das Amphibien sicher eine Landstraße unterqueren können, ist in der Nähe des Kronenburger Sees installiert.

Beispielhaft ist die Leitanlage an der Abbiegung Richtung Berk unweit der Kyllbrücke. Hier suchen die Tiere die Laichgewässer des ruhigen Vorstaus des Kronenburger Sees auf.

Hotspot Nummer 19 im Kreis Euskirchen ist nahe des Kronenburger Sees. Hier wird ein Krötenschutzzaun gebaut und den Tieren über die Straße geholfen. 

Auf derzeit 18 Hotspots im Kreis werden die Amphibien- und Reptilienschützer des Nabu in den kommenden Wochen bei der alljährlichen Frühjahrswanderung zu den Laichplätzen ein waches Auge haben. Auf einer rund 700 Meter langen Strecke entlang der B421 in Höhe des Vorstaus des Kronenburger Sees soll erstmals ein Schutzzaun die Amphibien schützen. Für den Zaunbau am 14. März und die späteren Kontrollen werden bis zu 20 Helfer gesucht.

Einen sicheren Blick für die Möglichkeiten zum Schutz der Amphibien an den Straßen haben Ulrich Pohl und Andreas Strauch vom Nabu-Kreisverband Euskirchen und Amphibienfreund Martin Bernard aus Ormont in Rheinland-Pfalz. Am Parkplatz nahe der Kyllbrücke in Höhe des Abzweigs nach Berk sind links und rechts der Kreuzung rund 30 Zentimeter hohe Metallwände in den Boden eingesetzt und kleine Unterführungstunnel unter der Straße gebaut worden. Für Erdkröten, Molche oder Feuersalamander bildet diese Konstruktion die lebensrettende Führung zum Laichgewässer, dem ruhigen Vorstau des Kronenburger Sees.

Die Naturschützer sehen am Kronenburger See Handlungsbedarf

Doch wenn Pohl, Strauch und Bernard nur wenige Meter weiter über die Kyllbrücke in Richtung Kronenburg gehen, passiert zweierlei: Zum einen wird die Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz überschritten. Zum anderen ist es schlagartig mit dem Amphibienschutz vorbei. Und deshalb suchen sie jetzt Helfer, die sie unterstützen, auf 700 Metern Länge an der Hangseite im schmalen Straßengraben wenigstens einen mobilen Schutzzaun für die anstehende Amphibienwanderung zu bauen.

Den Standort hat Martin Bernard schon lange im Auge: „Wir sammeln im Umkreis pro Jahr mehr als 1000 Amphibien ein und bringen sie über die Straße.“ Das wären, legt man die Kreisbilanz des Nabu mit rund 20.000 gesammelten Tieren zugrunde, mehr als sechs Prozent.

Drei Männer tragen gelbe Warnwesten und stehen an einer Landstraße, auf der gerade ein Lastwagen herangefahren kommt.

Im schmalen Straßengraben der B421 wird ein Amphibien-Schutzzaun aufgestellt. Andreas Strauch (v.l.), Ulrich Pohl und Martin Bernard suchen Helfer, die an dem Hotspot mit anpacken wollen.

Dass es an der B421 um den Kronenburger See Handlungsbedarf gibt, ist klar. Und deshalb starten die Naturschützer jetzt den Aufruf: „Wir suchen Helfer aus Kronenburg, Kronenburgerhütte, Berk, Dahlem, Schmidtheim, aber auch aus dem angrenzenden Hallschlag oder aus Ormont, die die Amphibien vor dem Weg über die Straße schützen wollen“, so Ulrich Pohl. Zunächst geht es um den Aufbau des temporären Schutzzauns, was – wenn die Witterung es zulässt – für Samstag, 14. März, geplant ist. „Jedenfalls rechtzeitig, bevor mit milderen Temperaturen und feuchter Witterung die Tiere in Laichlaune kommen“, so Amphibien-Experte Ulrich Pohl.

Handschuhe und Spiritus helfen gegen eine Tier-zu-Tier-Übertragung des für Amphibien tödlichen B-Sal-Pilzes, der für Menschen völlig ungefährlich ist.
Ulrich Pohl, Nabu

Wenn die Helfer entlang der stark befahrenen B421 im schmalen Straßengraben zur Hangseite hin den Schutzzaun aufstellen und alle 20 Meter Löcher für die Fangeimer buddeln, ist das nicht ganz ungefährlich. Es werden Schutzmaßnahmen auch für die Menschen ergriffen: Der Landesbetrieb Straßen.NRW wird Warnschilder aufstellen, der Nabu sorgt für Warndreiecke und Warnblinklichter. Dennoch müssen die Helfer umsichtig agieren, und es gibt eine Einschränkung: „Die Arbeit an der B421 ist für Kinder ungeeignet“, so Pohl.

Für die, die praktischen Naturschutz leisten wollen, wird es am nahen Parkplatz an der Kyllbrücke am 14. März natürlich Getränke „und jede Menge Kuchen geben“, verspricht Pohl. Vom Nabu werden zudem neben den Schutzzäunen auch Warnwesten und Kleinwerkzeug gestellt. Die Helfer werden gebeten, Hacken, Spaten, Fäustel und vor allem Fangeimer mitzubringen. Festes Schuhwerk und Einmalhandschuhe sowie 70-prozentiger Spiritus zur Desinfektion werden ebenfalls empfohlen: „Handschuhe und Spiritus helfen gegen eine Tier-zu-Tier-Übertragung des für Amphibien tödlichen B-Sal-Pilzes, der für Menschen völlig ungefährlich ist“, so Ulrich Pohl.

Das Krötenschleppen ist an neuen Hotspots nicht ganz ungefährlich

Ist der Zaun aufgebaut, sollten sich die Helfer über eine eigene Whatsapp-Gruppe absprechen, wer wann einen Kontrollgang übernimmt. Idealerweise werden die morgens und abends absolviert, um die Amphibien über die Straße zu bringen. „Am besten immer zu zweit“, empfiehlt Pohl aus Erfahrung.

Wo die Schutzzäune schon seit mehreren Jahren stehen, sind die Autofahrer mittlerweile daran gewöhnt, dass in der Dämmerung Menschen mit Stirnlampen am Straßenrand zu sehen sind, die für Kröten und andere Tiere im Einsatz sind. An der B421 um den Kronenburger See ist das noch neu. Pohl appelliert daher, ab Mitte März bis voraussichtlich Ende April, dem Ende der Laichwanderung, vorsichtig zu fahren.

Die Einrichtung des neuen Hotspots hat noch einen weiteren Zweck: Alle gesammelten Amphibien werden auch bestimmt und gezählt. Ziel der Statistik ist, bei den Straßenbauverantwortlichen für den Bau einer festen Leiteinrichtung zu werben, wie sie etwa wenig entfernt jenseits der Landesgrenze entstanden ist.

Anfang März beginnen die Amphibienschützer zunächst mit der Kontrolle der Schutzanlagen und der Fangeimer in der Börde, dann arbeiten sie sich „in die Eifel hoch“, so Pohl. Hier sei die Amphibienwelt bis auf den B-Sal-Pilz noch in Ordnung, so der örtliche Nabu-Vertreter Martin Bernard. Er ist einer von 90 ehrenamtlichen Helfern, die an den Hotspots zwischen Weilerswist und Hellenthal dafür sorgen, dass es den Populationen weiterhin so gut geht wie bisher, auch weil sie bei der Laichwanderung geschützt werden. In Höhe des Vorstaus des Kronenburger Sees soll das ab diesem Jahr auch so sein.


Kontakte und Infos

Wer beim Amphibien-Schutzteam Kronenburger See mitmachen will, kann sich beim Nabu-Kreisverband melden: Ulrich Pohl: u.pohl@nabu-euskirchen.de, Mobil 0171/7829743.Marco Mora, wie Pohl Amphibien-Experte beim Nabu: m.mora@nabu-euskirchen.de, Mobil 0151/46120613.Martin Bernard: martinklrts@proton.me, Mobil 0178/6733953. Weitere Informationen gibt es online unter www.nabu-euskirchen.de.


Die Arbeit der Krötenschlepper

19.657 Amphibien wurden 2025 an 17 Hotspots im Kreisgebiet gezählt und bestimmt. Die größten Vorkommen wurden an den Schutzanlagen in Wildenburg mit 5531 Amphibien und Reptilien gesichert, gefolgt vom Standort am Mechernicher Krematorium mit 2746 Tieren und Dollendorf mit 1723 Exemplaren.

Ein Naturschützer des Nabu im Kreis Euskirchen hat einen Bergmolch gesichert und hält ihn zwischen zwei Fingern.

Auch Bergmolche werden von den Helfern zu den Laichplätzen gebracht.

Kreisweit am häufigsten eingesammelt und von rund 90 ehrenamtlichen Helfern zu den Laichplätzen gebracht wurden mit großem Abstand Erdkröten mit 15.270 Exemplaren. 3483 waren es alleine an der Wildenburg. Auf Platz zwei folgt der Bergmolch mit 1217 Exemplaren vor dem Feuersalamander mit 1175 Tieren, 1038 davon alleine waren es in Vussem. 1059 Fadenmolche wurden gezählt. Neben weiteren fünf Arten wurde auch eine Waldeidechse registriert, die an der Wildenburg in den Fangeimer fiel.

Noch nicht berücksichtigt ist die neue Leitanlage an der K43 in Höhe von drei Teichen oberhalb der Einmündung der B258 im Ahrtal. Das ist Hotspot Nummer 18, Nummer 19 wird in Kronenburg gebaut.