Die Gemeinde Hellenthal baut ihr Containerdorf für Geflüchtete in Blumenthal ab – ein Rückgang der Zuweisungen macht die Unterkunft überflüssig.
Sinkende Zahl an ZuweisungenContainerdorf für Geflüchtete in Blumenthal wird abgebaut

Teilten mit, dass die Flüchtlingsunterkunft in Blumenthal geschlossen wird: Michael Huppertz (l.) und Wilfried Knips.
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Wenn auf Bundesebene von sinkenden Flüchtlingszahlen die Rede ist, spiegelt das nicht immer die Realität in den Kommunen wider. Dort liegt die eigentliche Verantwortung, Menschen aufzunehmen und unterzubringen, die aus den unterschiedlichsten Gründen den Weg nach Europa gefunden haben.
Für die Gemeinde Hellenthal bedeutete das Ende 2022, auf einer gepachteten Fläche an der L17 in Blumenthal ein Containerdorf für rund 50 Geflüchtete einzurichten. Nun soll die Anlage wieder abgebaut werden – der Platz werde nicht mehr benötigt, sagt Michael Huppertz, bei der Gemeinde für die Unterbringung der Geflüchteten zuständig.
Fast in allen Kommunen im Kreis Euskirchen weniger Zuweisungen
„Seit eineinhalb Jahren gehen die Zuweisungszahlen zurück“, so Huppertz. Zunächst sei er vorsichtig gewesen, da nicht klar war, ob der Rückgang dauerhaft sein würde. Inzwischen jedoch gebe es für fast alle Kommunen weniger Zuweisungen. Eine Ausnahme bilde Nettersheim, wo eine besondere Situation bestehe: Solange die Landes-Notunterkunft in der ehemaligen Eifelhöhen-Klinik Marmagen bestand, wurden deren Bewohner auf die Nettersheimer Flüchtlingszahlen angerechnet. Seit deren Schließung im Mai steigen die Zahlen dort wieder an.
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In Hellenthal hingegen sei die Zahl der Neuzuweisungen inzwischen auf unter zehn Personen pro Monat gesunken. „Ich persönlich glaube, dass die Maßnahmen auf Bundesebene wirken. Die Grenzkontrollen funktionieren wohl besser, als ich gedacht hätte“, sagt Huppertz. Dennoch bleibe die Entwicklung schwer vorhersehbar: „Seit Jahren bewegen sich die Zahlen in Wellenbewegungen – mal rauf, mal runter.“
16 Menschen werden in die Anlage am Campingplatz Hellenthal umziehen
Derzeit leben noch 16 Personen im Blumenthaler Containerdorf. Sie sollen in die Anlage am Campingplatz umziehen. Insgesamt sind in Hellenthal aktuell rund 120 Geflüchtete untergebracht. Selbst ohne die Blumenthaler Unterkunft verfüge die Gemeinde über Kapazitäten für etwa 140 Personen. „Die Kosten von rund 200.000 Euro pro Jahr sind zudem erheblich“, so Huppertz. Der Gemeinderat beschloss daher in nicht öffentlicher Sitzung einstimmig den Abbau der Container.
Die Anlage am Campingplatz soll jedoch bestehen bleiben. „Das ist eine größere Einheit, sie lässt sich einfacher organisieren“, erklärt Huppertz. Zudem stehe sie auf gemeindeeigenem Boden, wodurch keine Pachtkosten entstünden.
Huppertz: Blumenthal hat sich als ein idealer Standort erwiesen
„Rückblickend kann man sagen, dass es eine gute Entscheidung war“, resümiert er. Zwar habe die Verwaltung zunächst keine Erfahrung mit der Unterbringung in Containeranlagen gehabt, doch mögliche Konflikte blieben aus.
Blumenthal habe sich als idealer Standort erwiesen – in Laufweite ein Discounter, eine gute Busanbindung und eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. „Die Bewohner haben sich nie beschwert. Und auch von den Anwohnern gab es keine negativen Rückmeldungen“, lobt Huppertz. Die Integrationsbereitschaft in der Gemeinde sei weiterhin groß.
Ein Wermutstropfen bleibe allerdings: Der Deutschkurs im „Hellenthaler Hof“ wurde vor einem Monat mangels Teilnehmern eingestellt. „Bei der Integration hätte ich mir von den Flüchtlingen mehr Eigeninitiative gewünscht“, sagt Huppertz. Derzeit handele es sich überwiegend um alleinstehende Männer aus Syrien, Afghanistan, der Ukraine und Zentralafrika.

