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Mitstreiter gesuchtJunge Familie hat viele Ideen für Nutzung von Burg Hausen bei Heimbach

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Die Familie und der Hund vor dem Außengemäuer der Burganlage.

Sie haben große Pläne für Burg Hausen: Laura und Matthias Lenssen, hier mit ihren Söhnen Ilio und Flint und ihrem Hund Fritz.

Eine junge Familie hat das historische Vierkant-Ensemble von Burg Hausen gekauft. Laura und Matthias Lenssen suchen nun nach Mitstreitern.

Für manch einen wäre das eine Immobilie mit Albtraum-Potenzial. Doch Laura und Matthias Lenssen sind sicher, dass sie sich mit der Burg Hausen ihren Traum erfüllen können. Den Traum von einem Begegnungsort, von einem Gemeinschaftsprojekt mit Gleichgesinnten.

„Willkommen auf Burg Hausen, dem Raum für Frohsinn und Flausen“ – mit Reim und Stabreim wirbt das Paar im Internet für seine Idee. Und Raum hat die Burg in der Tat reichlich, um nicht zu sagen überreichlich. Allein das Wohnhaus bietet auf 450 Quadratmetern fünf Wohneinheiten. Dazu kommen ein Hotel (230 Quadratmeter), eine Kneipe (100 Quadratmeter), ein Festsaal (144 Quadratmeter). Bei den Ställen und Scheunen hat man das Ausmessen und Rechnen schließlich aufgegeben: „Viel Fläche“ heißt es da lapidar.

Wer hat Lust, sich am Projekt „Burg Hausen“ zu beteiligen?

Auch wenn die Immobilie nach Matthias Lenssens Einschätzung durchaus gut in Schuss ist, liegt auf der Hand, dass die Arbeit daran nicht für zwei Leute zu stemmen ist. „Wir sind nicht angetreten, um das hier allein zu machen“, sagt der 44-Jährige, der sein Geld in der Beratungsbranche verdient. Stattdessen suchen er und seine Frau Menschen, die „Lust haben auf die Eifel und Lust, sich einzubringen“.

Das Paar eint die gemeinsame Vision, wie der Ort bespielt werden soll. Und eine gemeinsame Eigenschaft: „Starten fällt uns leicht“, sagt Matthias Lenssen. Die beiden sind mit mehreren Start-ups unterwegs. Sechs Jahre lang hätten sie nach der richtigen Immobilie gesucht, um ihren Traum von einer besonderen Community zu verwirklichen. Vor einem halben Jahr sind sie in Hausen fündig geworden, mittlerweile gehen die Söhne Ilio und Flint auf die Freie Schule Heimbach beziehungsweise in den Kindergarten.

Blick auf das Burggelände und die angrenzende Kirche aus der Vogelperspektive.

Die Burg liegt am Dorfrand von Hausen. Familie Lenssen hat den Vierkanthof vorn im Bild gekauft, die neben der Kirche gelegenen Gebäude gehören nicht zu ihrem Projekt.

Die Familie ist angekommen und fühlt sich angenommen in dem Ort mit knapp 300 Einwohnern. Laura Lenssen ist begeistert von der lebendigen Dorfgemeinschaft. Es gebe eine Theatergruppe, einen Flohmarkt, das Bobbycarrennen, das Festival „Hausen rockt“. Sogar ein Karussell für die Kinder habe die Dorfgemeinschaft angeschafft. Gute Voraussetzungen, um einen Brückenort zu schaffen, der Stadt und Land verbindet, findet das Ehepaar.

Der Sonntag ist der Werkeltag

Denn es werden vermutlich vor allem Menschen aus dem Kölner Umfeld der Lenssens sein, die im Eifelörtchen aus dem Alltag aussteigen und Energie tanken wollen. „Es geht darum, eine gute Zeit zu haben“, formuliert Matthias Lenssen schlicht. Wobei die gute Zeit durchaus mit Arbeit verbunden ist. Sonntags ist Werkeltag, da kann jeder seine handwerklichen Fähigkeiten einbringen. Und seine Ideen: Er sei neugierig darauf, welche Vorschläge zur Nutzung der alten Ställe und Heuböden kämen, so der Hausherr. Die weiten Räume mit dem Ständerwerk aus alten Eichenbalken beflügeln die Fantasie, was man daraus alles machen könnte.

Im Wasserbecken sprudelt ein kleiner Brunnen.

In dem Wasserbecken schwammen früher die Fische, die in der Gaststätte serviert wurden.

Am historischen Torbogen, durch den ein Mann in den Innenhof geht, prangt ein Schriftzug „Hotel“.

Durch den Torbogen gelangt man in den Innenhof. Der soll später für Veranstaltungen genutzt werden.

Es füge sich, dass die bisherigen Mieter der Wohnungen und auch die Vorbesitzerin der Burg nach und nach auszögen. Für eine Übergangszeit könnten die Räume als Ferienwohnungen vermietet werden, bis sich die richtigen Bewohner gefunden hätten. Dann sollten „Beziehungen entstehen, die übers Nachbarschaftliche hinausgehen“.

Mitgliedermodell oder eine Genossenschaft?

Noch ist vieles im Fluss. Wird es ein Mitgliedermodell? Oder eine Genossenschaft? „Wir wissen nicht, was uns erwartet“, gibt Matthais Lenssen zu. Am nötigen Pioniergeist mangelt es ihm und seiner Frau nicht. „Wir glauben an die Kraft der dritten Orte“, sagt sie – gemeint sind Treffpunkte jenseits von Zuhause und Arbeitsplatz. Burg Hausen könne ein großer Spielplatz werden, an dem immer wieder neue Ideen und Projekte entstehen.

Blick auf den holzgetäfelten Thekenbereich der Gaststätte von Burg Hausen.

Als sei die Zeit stehengebliegen: Die Gaststätte mit ihren bunt verglasten Fenstern versprüht nostalgischen Charme.

Erste Veranstaltungen haben die beiden schon auf die Beine gestellt. Bei der Indischen Nacht haben sie für 30 Leute gekocht. Weitere gastronomische Formate sollen getestet werden. Die alte Gaststätte, deren Einrichtung stark an das Gasthaus Watteler im Kommerner Freilichtmuseum erinnert, bietet dafür den optimalen Rahmen. Zumal eine modern ausgestattete Gastro-Küche dazugehört.

Es gab eine Halloween-Party für die Schulkinder, geplant sind Kinderkino und Puppentheater. Laura Lenssen liegt es am Herzen, etwas für Kinder zu machen.

Auch das kleine Hotel mit fünf Zimmern soll weiterbetrieben werden

Ihr Mann würde sich freuen, wenn jemand den Garten bewirtschaften oder Hühner halten würde: „Ich habe keinen grünen Daumen und keine Ahnung von Hühnerhaltung.“ Wer mitmachen wolle, müsse für sich Fragen beantworten. Was interessiert mich? Was kann ich beitragen? Wie intensiv will ich das Angebot nutzen? Und: Was ist es mir wert? Das Projekt sei nicht auf Profit angelegt, sagt das Ehepaar, aber irgendwann solle sich das Ganze schon tragen. Deshalb soll auch das kleine Hotel mit fünf individuell eingerichteten Zimmern weiter betrieben werden.

Laura Lenssen legt einen Fokus auf Nachhaltigkeit, auch auf gesunde Ernährung, „ohne dogmatisch zu sein“. Will heißen, dass keiner dem anderen in den Kochtopf guckt. Denn zu eng sollte das Miteinander auch wieder nicht sein. Auch wenn die beiden Bilder in leuchtenden Farben vom bunten Leben und Treiben im Burghof malen, ziehen sie doch klare Grenzen. Matthias Lenssen beschreibt es so: „Es wird eine Interessengemeinschaft, keine Lebensgemeinschaft. “


Vierflügelige Anlage ist im 16. Jahrhundert errichtet worden

Die Ursprünge der Burg Hausen reichen ins 14. Jahrhundert zurück. Die bis heute weitgehend erhaltende vierflügelige Anlage ist im 16. Jahrhundert errichtet worden, als Wasserburg aus Bruchsteinen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde sie durch einen neuen Gebäudeflügel in zwei kleinere Gutshöfe aufgeteilt. Vorburg und Hauptburg hatten jeweils ein eigenes Grabensystem.

Das zweigeschossige Herrenhaus, das neben der Kirche steht, hat heute eine eigene Zufahrt und gehört nicht zu dem Komplex, den Matthias und Laura Lenssen erworben haben.